Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Neustadt: Dauerbaustelle Hauptbahnhof

Neue Türen sollen eingebaut werden.
Neue Türen sollen eingebaut werden. Foto: wkr

Neustadt bekommt einen neuen Bahnhofsvorplatz. Da will auch die Bahn AG, dass ihr Bahnhofsgebäude künftig besser aussieht. Bahnhofsmanager Ulrich Demmer kündigt beim Rundgang zahlreiche Veränderungen für die nächsten Jahre an.

2017 der Umzug des Reisecenters, die Erweiterung von Bäckerei sowie von Buch- und Zeitschriftenladen; 2018 die neue Toilettenanlage; 2019 die Teilsanierung der Bahnhofshalle mit dem neuen Deckenanstrich und der großen Sitzbank. Und es geht weiter mit der Sanierung des historischen Hauptbahnhofgebäudes aus dem Jahr 1866.

Bahnhof mit höchster Frequenz

„Wenn die Stadt das Bahnhofsumfeld komplett umgestaltet, ist es natürlich auch unser Anliegen, ein Ambiente zu schaffen, in dem Reisende einen angenehmen Aufenthalt erleben“, sagt Ulrich Demmer, Leiter Bahnhofsmanagement Kaiserslautern der DB Station & Service AG und zuständig für 156 Bahnhöfe in der Pfalz. Neustadt hat dabei als Knotenpunkt in alle vier Himmelsrichtungen laut Demmer mit 20.000 Bahnkunden am Tag die höchste Frequenz. Kaiserslautern komme auf 17.000 Bahnfahrer.

In 2020 wird der Kamin saniert. „Er gehört zur Außenfassade. Das ist eine Auflage des Denkmalschutzes, die uns mindestens 140.000 Euro kostet“, erklärt Demmer. Mit weiteren Sanierungen an der Außenfassade will noch abwarten, bis die Details des künftigen Bahnhofsvorplatzes feststehen: „Wir sind da derzeit ständig mit der Stadt in engem Kontakt.“

Klar ist, dass die Eingangstüren zur Bahnhofshalle an beiden Seiten bald ausgetauscht werden müssen. Dass von dem geplanten Hotelneubau auf dem ehemaligen Post-Gelände ein barrierefreier Zugang zu Gleis 1 gebaut werden soll, findet Demmer gut.

Nicht mehr gut findet der Bahnhofsmanager den Zustand der Gleisunterführung: „Da planen wir im nächsten Jahr mit einer neuen Bodengestaltung und neuer Beleuchtung. Das ist ja nicht mehr zeitgemäß.“ Unabhängig davon sind bereits Aufträge vergeben, um die Probleme mit dem Regenwasser zu beheben, das auf die Treppen und in die Unterführung läuft. Das Problem sei auf undichte Nahtstellen bei den Regenrinnen der Gleisüberdachungen zurückzuführen.

Neue Bildschirme

Die beiden Fahrplan-Monitore – einer in der Halle, einer am Eingang zur Unterführung – sollen durch deutlich größere Bildschirme ersetzt werden. Auch neue Zug-Ziel-Anzeigen an den Bahngleisen sind vorgesehen. Das Fahrgast-Info-Häuschen zwischen den Gleisen 2 und 3 wird voraussichtlich umgebaut. „Da ist ja gar kein Platz, um im Winter mal zu warten“, will Demmer den Bereich für die bis zu zwei Mitarbeiter der Bahn, die für Fragen zur Verfügung stehen, etwas reduzieren.

Auch im Hinblick auf die beschlossene Verlängerung des Fußgängersteges zur Hambacher Höhe hin steht die Bahn in engem Kontakt mit der Stadt: „Es wäre natürlich gut, wenn in der Schillerstraße Kiss-and-Ride-Parkplätze und eine Bushaltestelle entstehen könnten.“ Das Planungsbüro sei zudem gebeten worden zu prüfen, wie Fahrradplattformen an der Steg-Konstruktion geschaffen werden könnten: „Wir gehen von einem maximalen Bedarf von 500 Stellplätzen für Fahrräder aus. Da wäre es natürlich gut, wenn die nicht nur im Norden, sondernauch im Süden angeboten werden könnten.“

Ostflügel steht oben leer

Die beiden Obergeschosse des Ostflügels des Bahnhofes nutzt die Bahn selbst für Büros, eine Fläche ist vermietet. Der Westflügel steht im oberen Bereich leer. „Wir müssten sehr aufwendige Brandschutzauflagen erfüllen. Deshalb ist da eine Vermietung nicht rentabel“, erklärt Demmer. Sehr zufrieden seien die Mieter im Erdgeschoss. Er höre nur Gutes von der Bäckerei und der Buchhandlung nach den Umbauarbeiten.

Auch der Kampf gegen die Taubenplage ist für einen Bahnhofsmanager Alltag. Die sogenannten Spikes zur Taubenvergrämung, dünne Edelstahlstäbe, seien nicht immer die beste Lösung, weil sie trotzdem als Nistplätze genutzt werden könnten. Demmer hält Netz-Konstruktionen für effektiver. Damit soll auch aus Gründen des Tierschutzes in Neustadt künftig verstärkt gearbeitet werden.

Um künftig schneller auf Missstände an Bahnhöfen in der Vorderpfalz reagieren zu können, ist seit drei Monaten ein Mitarbeiter der Instandhaltung in Neustadt stationiert, ein weiterer soll noch dazu kommen. Zuvor mussten diese „Hausmeister“ ausschließlich von Kaiserslautern anfahren. Außerdem sind pfalzweit nahezu 20 Ein-Euro-Jobber in drei Teams unterwegs, um an den Bahnhöfen regelmäßig Schönheitsarbeiten ausführen zu können.

In der Nacht geschlossen

Die Neustadter Bahnhofshalle ist von 6 bis 20 Uhr geöffnet. Dabei soll es auch vorerst bleiben. Dazu sagt Demmer: „Ohne soziale Kontrolle ist das in den Nachtstunden nicht anders möglich. Überall dort, wo wir es versucht haben, gab es große Probleme durch Vandalismus.“

Zur Person: Ulrich Demmer

Der Bahnhofsmanager für die Pfalz ist ein Intimkenner der Bahn AG, der 42 seiner 61 Lebensjahre bei dem ehemaligen Staatsbetrieb, der heute eine Aktiengesellschaft ist, verbracht hat. Er gehört zum Kreis der 30.000 Beamten, die in dem Unternehmen mit rund 205.000 Mitarbeitern noch arbeiten. Angefangen hat Demmer nach seiner Ausbildung als Fahrtdienstleiter im Bahnhof Rastatt, es folgten zahlreiche Stationen in ganz Deutschland, unter anderem als Großkunden-Betreuer in Frankfurt und fünf Jahre bei der DB-Zentrale in Berlin. Er kam im Vorjahr nach Kaiserslautern und war zuvor in gleicher Funktion in Saarbrücken und Kiel tätig. Ulrich Demmer wohnt in Eppstein bei Frankfurt und pendelt meistens – in der Regel mit der Bahn.

Einwurf: Der neue neue Bahnkurs

Investitionen in Häuser führen oft dazu, dass sich auch die Nachbarn Gedanken darüber machen, ob sie zu einem schöneren Umfeld beitragen können. Das ist im privaten Bereich nicht anders als im öffentlichen. So wie die Stadt das Bahnhofsumfeld lange vernachlässigt hat, ist auch auf dem Bahngelände lange nicht viel passiert. Seit zwei Jahren ist ein deutlicher Kurswechsel zu beobachten. Vor allem für die über viele Jahre untragbare Toilettensituation ist eine gute Lösung gefunden worden. Der Bahnhof ist Schritt für Schritt auf dem Weg, wieder ein Schmuckstück zu werden.

Die sanierte Decke der Bahnhofshalle.
Die sanierte Decke der Bahnhofshalle. Foto: wkr
Die Anzeigetafeln lässt Demmer demnächst austauschen.
Die Anzeigetafeln lässt Demmer demnächst austauschen. Foto: wkr
Das Gerüst kündigt die Kaminsanierung an.
Das Gerüst kündigt die Kaminsanierung an. Foto: wkr
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