Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Neustadt: Chance für die Seilbahn

Mit der Seilbahn zum Schloss: Für ihren Wagen beim Winzerfestumzug hatte die Hambacher Landjugend das Thema aufgegriffen.
Mit der Seilbahn zum Schloss: Für ihren Wagen beim Winzerfestumzug hatte die Hambacher Landjugend das Thema aufgegriffen. Foto: Linzmeier-Mehn

Die Idee einer Seilbahn zum Hambacher Schloss wird näher untersucht. Der Stadtrat hat am Dienstagabend 20 000 Euro für eine Machbarkeitsstudie bewilligt. Das Projekt „Hambach Shuttle“ ist davon nicht tangiert: Es läuft noch eineinhalb Jahre.

Die Stadtratsfraktionen zeigten sich am Dienstagabend beeindruckt von dem Seilbahn-Projekt, das Jan Burgers und René Jarschke von der Hambacher Bürgerinitiative vorstellten. Das Votum, Geld für eine Machbarkeitsstudie in die Hand zu nehmen, fiel einstimmig aus. Sowohl Oberbürgermeister Marc Weigel (FWG) als auch die Fraktionsvorsitzenden Barbara Hornbach (Grüne), Pascal Bender (SPD), Clemens Stahler (CDU) und Christoph Bachtler (FWG) betonten aber, dass dies zum jetzigen Zeitpunkt weder eine Entscheidung für die Seilbahn noch gegen das Hambach-Shuttle sei.

Die Vertreter von Mobility-on-Demand (MoD) hatten nämlich offenbar die Befürchtung, die Shuttle-Idee könnte vorzeitig ad acta gelegt werden. „Ich bitte Sie: Lassen sie uns das Projekt zu Ende führen“, sagte Projektleiterin Kerstin Ullrich zum Abschluss ihrer Präsentation. Weigel betonte, ein Abbruch des Projekts stehe überhaupt nicht zur Debatte. Allerdings: Sollte sich die Idee einer Seilbahn als machbar erweisen und auch rechtliche Fragen sowie Umweltaspekte positiv beantwortet werden, müsse der Stadtrat irgendwann in der Zukunft möglicherweise entscheiden, welche der beiden Lösungen realisiert werden soll, sagte der Oberbürgermeister.

Shuttle-Projekt startet 2020 Testbetrieb

Das Shuttle-Projekt wurde 2018 mit der Planungsphase begonnen und befindet sich zurzeit im Stadium der Grundlagenforschung. Im kommenden Jahr soll der operative Testbetrieb starten – heißt: Dann sollen tatsächlich autonome Shuttlebusse zum Schloss fahren. Das Modellprojekt wird vom Bundesverkehrsministerium mit rund zwei Millionen Euro bezuschusst, weitere 1,3 Millionen steckt MoD nach eigenen Angaben selbst hinein. Partner des Unternehmens von Stefan Rouwen bei der Forschung ist die Technische Universität Kaiserslautern. Untersucht werden die Akzeptanz autonom fahrender Busse in der Bevölkerung, die Auswirkungen auf den Verkehr und die Umwelt sowie die technische Machbarkeit. Erst wenn alles ausgiebig erforscht sei, könne man sagen, welches Angebot in Frage komme, so Ullrich.

Die Seilbahn-Vertreter präsentierten Auszüge aus ihrer eigenen, 60 Seiten starken Machbarkeitsstudie. Sie zählten zahlreiche Vorteile auf, die sich aus ihrer Sicht bei ihrer Lösung ergäben: kurze Bauzeit, geringe Kosten, wenig Platzbedarf (Berg- und Talstation sowie zwei bis drei Masten dazwischen), umweltschonend, touristische Attraktion, Verkehrsberuhigung auf der gesamten Strecke und einiges mehr. Die Pläne sehen ein Pendelsystem mit zwei Kabinen und Platz für jeweils 55 Personen vor. Burgers zeigte Fotomontagen, wie die Seilbahn mit den Masten aussehen könnte und betonte: Wenn man die Masten grün anstreiche, sehe man sie kaum. Die Investitionskosten bezifferte er auf etwa 13 bis 15 Millionen Euro.

Parkplätze für beide Projekte erforderlich

Die Stadtratsfraktionen waren sich einig, dass das Projekt eine Machbarkeitsstudie verdient hat. Zudem sei diese wichtig, um beurteilen zu können, ob das Ganze überhaupt funktionieren kann. Geklärt werden müsse, wo Fahrgäste parken sollen – das treffe jedoch auch auf das Shuttle-Projekt zu. Jarschke sagte, bei den Investitionskosten für die Seilbahn sei der Bau eines Parkhauses berücksichtigt.

Baudezernent Bernhard Adams erläuterte, die Machbarkeitsstudie beleuchte vor allem die Wirtschaftlichkeit und das Thema Überflugrechte. Fragen zu Parkplätzen, Umweltaspekten und mehr müssten im Falle eines positiven Ergebnisses natürlich auch beantwortet werden, aber zu einem späteren Zeitpunkt.

Einwurf: Noch viel zu klären

Es ist richtig, das Seilbahn-Projekt auf seine Machbarkeit zu prüfen. Aber damit das auch wirklich ganz klar ist: Das Ja zu einer fachlichen Studie ist noch längst kein Ja zur Seilbahn. Und kein Nein zum Hambach-Shuttle. Die Politik tut gut daran, Letzteres jetzt nicht stiefmütterlich zu behandeln, sondern weiterhin zu unterstützen. Auch wenn die Studie mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit positiv ausfallen sollte: Ob jemals Gondeln über Hambach schweben, ist längst nicht sicher. Ein Knackpunkt sind die Überflugrechte. Die Verwaltung hat bei einigen Bürgern, deren Grundstücke betroffen wären, bereits nachgefragt – und laut Oberbürgermeister Weigel ist die Einstellung „tendenziell negativ“. Wenn sich das alles klären lässt, ist die Seilbahn aber eine Option.

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