Neustadt
Neustadt: BBS-Schüler gestalten Europa-Gedenkstätte
Es war für die damalige Zeit ein unglaubliches Ereignis, als im August 1950 hunderte hauptsächlich deutsche und französische Studenten am Grenzübergang St. Germanshof im heutigen Landkreis Südwestpfalz die Grenzbarrieren verbrannten und ein vereintes Europa forderten. 69 Jahre später haben jetzt Jugendliche aus der Pfalz und Lothringen mit einer gemeinsamen kreativen Arbeit diese Forderung erneuert. Mit dabei waren Schüler der Berufsbildenden Schule (BBS) Neustadt.
Drei Wochen lang hatten die Neustadter Schüler und ihre Kollegen des Lycée Hurlevent in Behren-lès-Forbach zusammen an dem vierteiligen Werk gearbeitet. Die etwa zwei dutzend Schüler hatten sich die Ereignisse von 1950 als Vorlage genommen, mit dem Zeitzeugen Matthias Heister gesprochen, der damals mit demonstrierte, und mit ihren Mitteln losgelegt. Gemeinsame Arbeitswochen in Neustadt und Behren-lès-Forbach gehörten dazu, erzählt Reinhard Weber, einer der betreuenden Lehrer aus Neustadt.
Freundschaft mit Vorhängeschlössern besiegeln
In Neustadt beteiligten sich Schüler des Metallbereichs und in Lothringen die Grafik- und Designklassen. Das Ergebnis ist ein Triptychon, das mit einer geschlossenen Barriere und Schlagbäumen den Zustand vor der europäischen Einigung symbolisieren soll. Die Macht des Wortes, dargestellt durch einen Füllhalter, hat dereinst die Grenzbarrieren beseitigt, wie im mittleren Teil zu sehen ist. Und im dritten Teil wird mit Texten und Bildern über Europa an sich und die Macht der Jugend informiert. Ein viertes Element soll an den gerade bei der Jugend üblichen Brauch anknüpfen und Platz bieten für Vorhängeschlösser, mit denen die deutsch-französische Freundschaft besiegelt werden kann, so die Vorstellung der Jugendlichen.
Das Projekt geht aber noch weiter. Mit Kilometersteinen soll im neuen Schuljahr die Fortsetzung folgen. Ein Radwanderweg soll mit diesen Steinen ausgeschildert werden, der von Neustadt und Behren-lès-Forbach bis St. Germanshof führen wird. Die Neustadter Schüler waren zur Einweihung des Denkmals am Dienstagabend bereits mit den Fahrrädern von Neustadt in die Südwestpfalz geradelt.
„Jetzt mag ich die Deutschen ein bisschen mehr“
„Über Politik habe ich vorher nie so richtig nachgedacht“, sagte Erman Kocaman, einer der Schüler aus Neustadt. Mit dem Projekt habe sich das geändert. Die deutsch-französische Gemeinschaft findet er auf jeden Fall gut, auch wegen der Kultur: „Das finde ich toll an Europa.“ Und eine französische Teilnehmerin bekannte, dass sie vor dem Projekt die Deutschen nicht so gemocht habe: „Jetzt mag ich sie ein bisschen mehr.“