Neustadt Neustadt: Ärger um WC-Anlage am Bahnhof
Die Geschäfte im Neustadter Hauptbahnhof gewähren keinen Preisnachlass für die Gutscheine aus der neuen WC-Anlage. Weiteres Problem: Der Toiletteneingang für Behinderte ist nur vom Bahnsteig aus zu erreichen und nicht ausgeschildert.
Seit knapp zwei Wochen ist die neue WC-Anlage im Hauptbahnhof in Betrieb – und schon gibt es die ersten Klagen: Erstens gebe es keinen behindertengerechten Zugang, und zweitens könnten die Wertbons, die ein Toilettenkunde erhalte, in den beiden Bahnhofsgeschäften nicht eingelöst werden. Wir sind der Sache gestern nachgegangen: Die erste Beschwerde trifft nicht ganz zu, die zweite allerdings ganz und gar.
WC-Anlage nur über mehrere Treppen erreichbar
„Wie soll ein Gehbehinderter oder gar ein Rollstuhlfahrer dort reinkommen?“, fragt eine Neustadterin, die die Bahnhofstoilette in der vergangenen Woche erstmals aufsuchte. Sie hatte die WC-Anlage vom Bahnhofsvorplatz aus angesteuert – und von dort ist diese nur über mehrere Treppen zu erreichen. Was ihr nicht bekannt war: Es gibt auch einen ebenerdigen Zugang, allerdings ist dieser nur vom Bahnsteig aus zu erreichen. Wer das nicht weiß, kann ihn jedoch nur schwer finden, denn es existieren keine Hinweisschilder, weder vorne an der Toilettenanlage, noch im Bahnhof. Und auch der Eingang an sich – eine blanke Stahltür ohne WC-Schild – lässt nicht vermuten, dass es sich um eine Toilette handelt.
Unternehmenssprecher: "Wegeleitsystem noch anpassen"
„Das Wegeleitsystem muss von der Deutschen Bahn noch angepasst werden“, sagt ein Sprecher der Hering Sanikonzept GmbH auf Nachfrage der RHEINPFALZ. Das Burbacher Unternehmen betreibt „Rail & Fresh“-Anlagen in ganz Deutschland, darunter auch die in Neustadt. Man hoffe, dass die Bahn dran sei und die Beschilderung bald anbringe. Bei der Pressestelle der Deutschen Bahn in Frankfurt war gestern keine Auskunft zu erhalten, warum es noch keine Schilder gibt und wann damit zu rechnen ist. Auch an Hans Manger, den Vorsitzenden des Clubs Behinderter und ihrer Freunde sowie selbst Rollstuhlfahrer, sind die Probleme schon herangetragen worden: „Wir sind dran“, sagt er.
Ladenmieter müssen Bons nicht einlösen
Zweites Problem im Zusammenhang mit der neuen WC-Anlage: Die Wertbons sind in Neustadt wertlos. Zur Erklärung: Ein Toilettengang kostet einen Euro, dafür erhält der Kunde einen Wertbon über 50 Cent. Diesen kann er bei einem Einkauf ab 2,50 Euro in teilnehmenden Geschäften einlösen. Jedoch machen weder die Bahnhofsbuchhandlung noch die Bäckereifiliale mit. Heißt: Ein Bon, den der Automat ausgespuckt hat, kann zwar zum Beispiel an den Bahnhöfen in Stuttgart, München, Hamburg und Berlin eingelöst werden – aber nicht in Neustadt. „Hier stellt sich die Akquise als schwierig heraus“, sagt der Sanikonzept-Sprecher. Mieter von Ladenflächen in Bahnhöfen seien nicht verpflichtet, sich dem System anzuschließen: „Das entscheidet jeder individuell, damit sind uns die Hände gebunden.“ Jedoch könne man Wertbons beim nächsten Toilettengang am Automaten einlösen und müsse dann nur 50 Cent bezahlen.
Buchhändler: "Kunden nicht verwirren"
Friedrich Hacker, Geschäftsführer der Schmitt & Hahn GmbH, die nicht nur die Buchhandlung in Neustadt, sondern auch Filialen in anderen Bahnhöfen betreibt, begründet gegenüber der RHEINPFALZ die Nichtteilnahme des Unternehmens mit der Preisbindung: Man verkaufe zu 90 Prozent Zeitschriften, Bücher und Tabakwaren, da dürfe man keine Nachlässe über Bons gewähren. Für Süßigkeiten wäre es zwar möglich: „Aber um keine Verwirrung bei den Kunden zu stiften, machen wir das gar nicht.“ Von der Bäckerei Ehrat, die ebenfalls im Bahnhof vertreten ist, war gestern keine Stellungnahme zu erhalten.