Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Neujahrsempfang VG Maikammer: Was Ehrenamtliche antreibt

Verbandsbürgermeisterin Gabriele Flach (links) bedankte sich bei Vereinsmitgliedern für ihr Engagement.
Verbandsbürgermeisterin Gabriele Flach (links) bedankte sich bei Vereinsmitgliedern für ihr Engagement. Foto: Mehn

Das Engagement all derjenigen zu würdigen, die ihre Freiheit in den Dienst der Gesellschaft stellen, gehört zu allen Neujahrsempfängen dazu. In der Verbandsgemeinde Maikammer ist der Empfang sogar eine geschlossene Veranstaltung für die Ehrenamtler. Was treibt die Menschen an, sich zu engagieren?

Thomas Niebrügge stammt aus Osnabrück, den pfälzischen Dialekt hat er auch nach 15 Jahren kein bisschen angenommen. Nur bei einem Wort, da ist er Experte: bei dem Wort „Päädel“. „Das schreibt man mit zwei ä und einem d“, betont Niebrügge. Schließlich ist er seit vier Jahren Vorsitzender des Fasnachtsvereins „Päädel-Dancer“. „In drei Wochen geht’s wieder los, ich freu mich schon“, sagt er beim Neujahrsempfang der Verbandsgemeinde im Rassiga-Keller. Dass er einmal an der Spitze eines Fasnachtsvereins stehen würde, war nicht abzusehen, als er in die Pfalz zog. Klar war dagegen, dass er sich auch in seiner neuen Heimat in der Gesellschaft einbringen würde. „Ich bin ein Vereinsmeier im positiven Sinn“, sagt er. Warum? „Es muss Leute geben, die organisieren, was hier so alles läuft“, erklärt er. Und fügt lachend hinzu: „Es macht so viel Spaß.“

Zum Fasching gekommen ist Niebrügge durch seine Kinder. Sie tanzten in der Garde. Inzwischen steht er selbst nicht nur an der Spitze des Vereins, sondern auch in der Bütt. Niebrügge ist offen für alles Mögliche. In Osnabrück spielte er im Spielmannszug, in Hamburg war er in der gewerkschaftlichen Jugendbildung engagiert.

„Es geht uns um den Menschen“

Beim Neujahrsempfang tauscht er sich unter anderem mit Carmen Back-Betzwieser aus, die wiederum aus einer ganz anderen Ecke kommt. Back-Betzwieser ist seit 20 Jahren Stützpunktleiterin der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) für Edenkoben und Maikammer. Was sie antreibt bei ihrem Engagement: die Kinder. Das DLRG organisiert Schwimmkurse, bildet Rettungsschwimmer aus und unterstützt im Sommer mit ehrenamtlichen „Wachgängern“ die Schwimmmeister. „In der vergangenen Saison hatte das Maikammerer Bad 80.000 Besucher“, erzählt sie. In den Spitzenzeiten seien drei Aufseher an den Becken nötig. Zwei davon seien Ehrenamtler. Back-Betzwiesers Motiv für ihr Engagement: „Es geht uns um den Menschen. Das DLRG ist eine Rettungsorganisation, kein Schwimmverein.“

Zeltlager auch für sozial Schwache

Auf der anderen Seite des Saals unterhält Markus Sell sich gerade mit Marco Schultz. Beide sind Vertreter des Fördervereins Zeltlager – eine Veranstaltung, die es schon seit über 50 Jahren gibt, wie Sell erzählt. Die meisten, die dort aktiv seien, hätten selbst als Kinder an der Freizeit teilgenommen. Auch Sell selbst. 50 bis 80 Kinder kommen insgesamt jedes Jahr mit zum Zelten, erzählt er. Auch für ihn selbst ist eine Woche Zeltlager ein fester Termin im Jahr. Sell geht als Materialwart mit. Wichtig für den Maikammerer, der auch für die SPD im Gemeinderat sitzt: „Das Zeltlager ist auch ein Angebot für sozial Schwache.“ Die Kosten würden zu einem erheblichen Teil über Mittel finanziert, die der Förderverein mit verschiedenen Aktion erwirtschafte.

Rund hundert Vereine eingeladen

Thomas Niebrügge, Carmen Back-Betzwieser, Markus Sell, Marco Schultz: Das sind nur wenige Beispiele für das Ehrenamt, für das Verbandsbürgermeisterin Gabriele Flach sich an diesem Abend bedankte. Rund hundert Vereine waren eingeladen. Flach nennt stellvertretend unter anderem Peter Breitner, der viele Jahre die Feuerwehr der Verbandsgemeinde geleitet hat, und Martina Garrecht vom Arbeitskreis Flüchtlinge. Auch Landrat Dietmar Seefeldt geht auf das Ehrenamt ein und betont: „Ein Chorleiter ersetzt zwei Schulsozialarbeiter.“

Eine Chorleiterin sorgt an diesem Abend auch für die musikalische Unterhaltung: Ute Hormuth von der Jungen Kantorei St. Martin. Unterstützt wird sie von zwei jungen Musikern, Elisabeth Wilhelm (Geige) und David Schneider (Klavier). Und letztlich auch von den Gästen selbst. Denn Hormuth hat Liedtexte verteilt und stimmt mit den Gästen an: „Die Gedanken sind frei“, heißt es zunächst und dann: „Freude schöner Götterfunken“. Schließlich wird in diesem Jahr der 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven gefeiert.

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