Neustadt
Naturschutzgebiet Lochbusch-Königswiesen: Altes Grabensystem bringt neues Leben
Gemeinsam mit der Pollichia hat der Naturschutzbund (Nabu) Neustadt die historische Wiesenbewässerung im Naturschutzgebiet Lochbusch-Königswiesen nördlich von Geinsheim reaktiviert. Noch ist das Vorhaben – das mittlerweile größte Naturschutz-Bewässerungsprojekt in Rheinland-Pfalz – nicht abgeschlossen. Welche Fortschritte das Projekt macht – dafür interessierte sich die rheinland-pfälzische Klimaschutzministerin Katrin Eder (Grüne) bei ihrem Besuch am Donnerstag.
Das rund 200 Hektar umfassende Gebiet liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Geinsheimer Golfplatz. Laut Martin Grund vom Neustadter Nabu, der sich selbst als „wasserprojektinfizierter Mensch“ vorstellte, wurde die Pfalz an vielen Stellen schon seit rund 1000 Jahren durch ein Grabensystem bewässert. Im Naturschutzgebiet nördlich von Geinsheim ist das kilometerlange System noch vorhanden. Bis in die 1970er Jahre wurde es genutzt und mit dem Wasser des Speyerbachs gespeist. Doch weil die Verschmutzung des Bachs dramatisch zunahm, wurde die bewährte Wasserversorgung des Gebiets aufgegeben. Die Auslassbauwerke verfielen nach und nach, die Gräben trockneten aus.
Artenvielfalt leidet unter trockenen Sommern
Die heißen und trockenen Sommer der vergangenen Jahre ließen den Wasserspiegel im Gebiet sinken. Das hatte Folgen: Pflanzen und Tiere verschwanden, eine landwirtschaftliche Nutzung wurde erschwert. Der Nabu reaktivierte mit fachlicher Begleitung der Pollichia das Grabensystem mit Ausleitungsmöglichkeiten und baute zur gezielten Bewässerung des Gebiets Plomben und verschließbare Rohre ein. Die Rechte zur Wasserentnahme aus dem Speyerbach hatte sich der Nabu frühzeitig gesichert.
Mittlerweile werden dem Gebiet jährlich zwischen 700 bis 800 Millionen Liter Wasser im Kreislauf zugeführt. Zudem eignet sich das Gebiet als Wasserpuffer, also Rückhaltegebiet im Falle von bei Starkregen befürchteten Hochwassern. Laut Friedrich-Wilhelm Duffert (BUND) ist es wichtig, in Hochwasserphasen das Wasser auf geeigneten Flächen in der Region zu halten. Ein Ableiten wäre ein Verlust für die Region und würde durch die Addierung der schnell steigenden Wassermengen in den Flüssen zu massiven Problemen in anderen Gebieten führen.
Amphibien profitieren von Rinderhaltung
Die kontinuierliche und gezielte Bewässerung wirkt sich bereits positiv aus: Die landwirtschaftliche Nutzung wurde verbessert, viele Tiere und Pflanzen zurückgewonnen. Unter anderem nutzt der Rinderzuchtbetrieb Reichert die Fläche zur Beweidung. Drei Herden mit rund 100 Tieren sind ganzjährig auf dem Nabu-Gebiet. Laut Edda Reichert ergänzt die Beweidung die Ziele des Nabu. Die Tiere verdichten und düngen den Boden auf natürliche Weise, und eine Mahd durch große Maschinen wird reduziert. Letzteres ist für die Ansiedlung von Amphibien ein wichtiger Faktor. Zugleich seien die Rinder gesünder, kräftiger und müssten nicht mit Industriefutter aufwachsen, was der Fleischqualität zugutekomme. „Eine landwirtschaftliche Nutzung im Einklang mit dem Naturschutz“, so Reichert.
Grund erklärte, dass wieder vielfältige Pflanzenarten vorhanden seien. Speziell Amphibien seien zahlreich im Naturschutzgebiet anzutreffen, ebenso wie Libellen und Vögel. Besonders Bienenfresser habe man in großer Zahl gesichtet. „Durch die kontinuierliche Bewässerung konnten wir den Einsatz von KABS zur Mückenbekämpfung zurückfahren, da die natürlichen Feinde zugenommen haben. Die Zahl der Stechmücken ist auf ein erträgliches Maß gesunken. Die Befürchtung, dass mehr Wasser zu einer Mückenplage im Gebiet führe, konnten wir widerlegen.“
Eder zeigte sich beeindruckt von der Arbeit des Nabu und Pollichia. In Neustadt sei das Thema Wasser in vielfältiger Weise angegangen worden und spiele für das Gebiet eine große Rolle. Das Projekt wird aus Landesmitteln aus Ersatzzahlungen in Höhe von 140.000 Euro mitfinanziert. Weitere Gelder stammen aus der Biotop-Betreuung.