Lambrecht / Deidesheim / Maikammer RHEINPFALZ Plus Artikel Nach der Wahl: Von zufrieden bis deprimiert

Dieter Dörr
Dieter Dörr

Ein Tag nach der Wahl schauen die Kommunalpolitiker auch auf die Ergebnisse vor Ort. Stimmen dazu aus den Verbandsgemeinden Deidesheim, Lambrecht und Maikammer.

Deidesheims Verbandsbürgermeister Dieter Dörr (CDU) ist mit dem Ergebnis vor Ort „sehr zufrieden“. Klar, insgesamt hätte er gerne eine Drei vor dem Ergebnis der CDU auf Bundesebene gesehen. Doch die CDU hat in der Verbandsgemeinde Deidesheim über acht Prozentpunkte hinzugewonnen und die 40-Prozent-Marke fast erreicht. „Wenn ich mir so die Karte mit den Wahlergebnissen anschaue, muss ich sagen, wir können hier sehr zufrieden sein.“ Wichtig sei nun, dass Deutschland bald eine stabile Regierung bekomme. Dass die AfD mit 15,7 Prozent auf Verbandsgemeindeebene unter dem Bundesdurchschnitt blieb, liege unter anderem an der „dörflichen Struktur“ und der guten Arbeit aller politischen Kräfte vor Ort. Außerdem habe die AfD keine Strukturen vor Ort.

Thomas Keller
Thomas Keller

Besonders gering ist der Anteil der AfD in Forst. Was könnte der Grund dafür sein? Thomas Keller (Grüne), der als Ortsbürgermeister an der Spitze eines Führungstrios steht (mit Anne Spindler und Josef Blanz), führte als einen möglichen Grund die gute Zusammenarbeit aller politischen Kräfte an. Auch gebe es in Forst wenig Nährboden für Protestwähler. Doch letztlich seien das alles Mutmaßungen, räumte er ein. Es freue ihn jedenfalls, wenn Forst angesichts einer negativen Entwicklung ein gutes Beispiel geben könne. Was ihn verstört habe im Wahlkampf sei, dass die Aufmerksamkeit stets den Gegensätzen gegolten habe. Lösungsansätze seien jedoch nur zu finden, wenn auch nach Gemeinsamkeiten geschaut werde.

Gabriele Flach
Gabriele Flach

VG Maikammer: Zufrieden mit Ergebnis

Auch die Maikammerer Verbandsbürgermeisterin Gabriele Flach (CDU) ist zufrieden mit dem Wahlergebnis. „Wir haben uns auf Verbandsgemeindeebene um fast neun Prozentpunkte verbessert.“ Dennoch mache der Stimmenanteil der AfD, der in Kirrweiler höher sei als in den beiden anderen Gemeinden, nachdenklich. „Wir müssen uns schon fragen, wo das herkommt.“ Dass der Erfolg der Partei geringer sei als andernorts, hänge möglicherweise auch damit zusammen, dass die Flüchtlinge dezentral untergebracht seien, und es große Bemühungen um eine gute Integration gebe.

Timo Glaser
Timo Glaser

In St. Martin, wo die CDU bei den Urnenwählern 41,8 Prozent und die AfD 14,2 Prozent erhalten haben, ist Ortsbürgermeister Timo Glaser (CDU) „absolut zufrieden“. Die politische Arbeit vor Ort, vor allem die gute Zusammenarbeit, spiele dabei sicherlich eine Rolle. „Das stärkt das Vertrauen in die traditionellen Parteien“, so Glaser.

Gernot Kuhn
Gernot Kuhn

VG Lambrecht: In großer Sorge

Anders die Lage in der Verbandsgemeinde Lambrecht, wo die AfD mit 26,4 Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegt, nur sehr knapp hinter der CDU (26,6 Prozent). Nach der Europawahl sei zu befürchten gewesen, dass sich der Trend zu einem starken AfD-Anteil im Tal weiter verfestige, kommentierte Verbandsbürgermeister Gernot Kuhn (CDU). Das sei nun auch eingetreten. Kaiserslautern und Pirmasens zeigten ähnliche Ergebnisse, was auf höhere AfD-Anteile in strukturschwächeren Gebieten schließen lasse. „Die Ursache dafür ist aber hauptsächlich auf Bundesebene zu suchen“, fügte er hinzu. Es müssten nun „endlich die Themen angegangen werden, die die Randparteien stark gemacht haben“. Er hoffe sehr, dass dies nun erkannt sei und mit einer neuen, stabilen Regierung angegangen werde.

Florian Seiberth
Florian Seiberth

Einen besonders großen Erfolg kann die AfD in Frankeneck verbuchen, wo sie 34 Prozent der Stimmen erhielt. Ortsbürgermeister Florian Seiberth (SPD) zeigte sich am Tag danach deprimiert und in großer Sorge. Warum die AfD gerade in Frankeneck, wo sie gar keine Parteiorganisation vor Ort habe, so stark sei, sei schwer zu erklären. Wichtig sei nun, dass die Regierung ihren Auftrag erfülle. „Wenn sie das versemmeln, müssen wir damit rechnen, dass die AfD in vier Jahren in Regierungsverantwortung kommt.“

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