Neustadt
Nach 35 Jahren: Restaurant Backblech schließt
Flammkuchen mit eigenen Rezepten aus Dinkelmehl und Weine von Winzern, die die Wirtin überzeugt haben: Renate Nicklas hat über drei Jahrzehnte mit Leib und Seele Gäste im „Backblech“ in der Hintergasse bewirtet. Doch am 14. Dezember tat sie dies zum letzten Mal. Die 64-Jährige hat sich entschieden, das Restaurant zu schließen. „Alles hat seine Zeit“, sagt sie. „Ich habe ein lachendes und ein weinendes Auge. Aber ich habe mir den Schritt lange und gut überlegt, es ist alles in Ordnung so. Ich bin mit mir im Reinen.“
In den vergangenen Tagen war sie dennoch häufig in der Gaststube. Es muss auf- und ausgeräumt werden. Keine leichte Aufgabe für die Wirtin, die in Neustadt ein Original ist und sich auf viele Stammgäste verlassen konnte. „Zu vielen ist über die Jahre ein enger Kontakt entstanden, es haben sich auch richtige Freundschaften entwickelt“, so Nicklas. In den vergangenen Monaten habe es sehr viel Betrieb im Lokal gegeben. „Reges Abschiednehmen“, meint Nicklas, denn ihr Entschluss, die Weinstube aufzugeben, habe sich langsam rumgesprochen.
Mehr Zeit für den Hund
Beim Abschied von manchen Gästen – wie etwa dem Stammtisch, der seit über zehn Jahren im „Backblech“ war – seien Tränen geflossen. Vom Stammtisch habe sie sogar einen Blumenstrauß und einen Gutschein bekommen. Das sei alles sehr rührend. Dennoch ist Nicklas überzeugt von ihrem Schritt: Denn speziell die Zeit der Corona-Pandemie und auch die Jahre seither seien in der Gastronomie nicht einfach gewesen. Die Kaufzurückhaltung vieler Menschen habe man gespürt. Daher sei sie froh, dass ihr Lokal die ganze Zeit über gut funktioniert hat und sie nun sagen könne, dass sie altersbedingt aus freien Stücken aufhören wolle. Sie sei gespannt auf die Zukunft und freue sich auf die freiere Zeit. Denn oft verbrachte sie 14 Stunden pro Tag im Lokal. An „freien“ Tagen, also solchen, an denen die Weinstube geschlossen war, habe sie trotzdem etwas fürs „Backblech“ gemacht und beispielsweise mehrere Kilo Feldsalat gekauft und dann stundenlang daheim geputzt und fürs Restaurant fertig gemacht. Als Selbstständige habe man eben keine festen Arbeitszeiten und könne sich nicht einfach zurückziehen.
Auf diese Freiräume freue sie sich nun: „Mehr Zeit für mich und meinen Hund“, sagt Nicklas, die in Gimmeldingen lebt. Sie werde ihr Leben neu sortieren, meint sie noch. Denn nach über 40 Jahren in der Gastronomie „bin ich es ja gar nicht mehr gewohnt, jeden Abend daheim zu sein“. Sie wolle sich erst mal um „meine Gesundheit kümmern, dann sehe ich weiter“. Außerdem freue sie sich, Abendveranstaltungen besuchen zu können. „Ich war seit Jahren nicht mehr im Kino oder Theater.“ Nicklas beschreibt ihre Situation so: „Eine Tür geht zu, dafür geht eine neue auf.“ Was ihr bleibe, sei die Erinnerung an „sehr viele nette Menschen“, die gerne in ihr Lokal gekommen seien. Besonders habe sie sich auch immer über Lob für ihre Dekoration im Lokal gefreut: „Immer etwas Neues zu jeder Jahreszeit. Alleine für Weihnachten hatte ich zehn Kartons, die Deko hat ein paar Stunden gedauert.“
Suche nach neuem Wirt
Im Lokal bleibe auch nach ihrem Ausräumen einiges vorhanden. Denn es soll weitergehen im „Backblech“. Verantwortlich dafür ist Qlirim Maqi von Remax. Die Suche nach einem Nachfolger läuft, sagt der Makler. Er sei auch immer gerne im „Backblech“ bei Nicklas gewesen. Daher stehe fest, dass man eine „Persönlichkeit für diesen wunderschönen Ort in der Hintergasse“ finden möchte. Er gehe bald auch auf eine Gastronomiemesse und stelle dort das „Backblech“-Konzept vor, da man dort auch Interessenten für ein Restaurant treffe. „Das hier ist kein 08/15-Wirtshaus, da muss wieder jemand mit entsprechendem Engagement her“, so Maqi. Ein paar Anfragen gebe es schon. Er wolle die Lokaltradition erhalten, denn „das hier ist einfach etwas Besonderes“. Auch Renate Nicklas wünscht sich, dass die Gastronomiegeschichte in der Hintergasse weitergeht – nicht zuletzt auch mit Blick auf die Vermieter, die sich immer toll verhalten hätten.