Neustadt Nächstenliebe statt Kommerz

Beim Schlendern über den Deidesheimer Advent entdecken die Besucher viele schöne Dinge. Mit einem Kauf tun sie dabei auch Gutes.
Beim Schlendern über den Deidesheimer Advent entdecken die Besucher viele schöne Dinge. Mit einem Kauf tun sie dabei auch Gutes.

Der zweite Advent auf dem Deidesheimer Weihnachtsmarkt litt unter heftigem Regen und stürmischen Winden. Die Anzahl der Besucher war niedriger als im Vorjahr. Dennoch überzeugten die Beschicker aus dem gesamten Bundesgebiet erneut mit viel Handwerkskunst. Zahlreiche der 115 Aussteller sind sozial engagiert – ein besonderes Merkmal des Deidesheimer Weihnachtsmarktes. In der Stadt ist man stets auf der Suche nach Nischen. Nach Ständen von Ausstellern, die nicht überall zu finden sind – und eben nach Ausstellern, die für andere etwas Gutes tun. „Weihnachten ist ein Fest der Nächstenliebe, da ist es uns wichtig, dass dieses Thema auch auf unserem Markt wieder stärker in der Vordergrund rückt“, erklärte Stefan Wemhoener. Der Leiter der Tourist Service GmbH will von der immer stärker werdenden Kommerzialisierung auf den Weihnachtsmärkten ein Stück wegrücken. „Der Sinn des Weihnachtsfestes geht ansonsten immer mehr verloren.“ Mit seinem Team ist Wemhoener deshalb stets auf der Suche nach Ausstellern, die sich für Menschen engagieren, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Aussteller, die etwa Menschen mit Behinderung oder Wohnsitzlose in ihre Arbeit einbinden oder für diese eine gute Tat erbringen. Die Mitglieder der Kolpingfamilie, die seit vielen Jahren mit ihrem Stand und dem Verkauf von Glühwein, Punsch und Waffeln zum festen Bestandteil des Marktes gehören, haben da eine Vorreiterrolle eingenommen. Hier engagieren sich ehrenamtlich Mütter und Väter, aber auch deren Kinder für andere Menschen, denen es nicht so gut geht. „Und das seit vielen Jahrzehnten sehr vorbildlich“, betont Wemhoener.  Sie sind aber nicht die Einzigen. Auch die Deidesheimerin Birgitt Kaufmann hat das Thema aufgegriffen und neben dem Verkauf von Magnetschmuck auch noch zusätzlich den Verkauf von handgefertigten und bunten Kissen aufgenommen. Es ist ihr eine Herzensangelegenheit, das Leben von schwerstkranken Kindern zu erleichtern. Sie wird die kompletten Einnahmen an das Hospiz „Sterntaler“ in Dudenhofen übergeben. Auch die Behinderteneinrichtungen in der Region sind wieder dabei. Die psychisch kranken Menschen in den Landauer Wichern-Werkstätten der evangelischen Heimstiftung Pfalz produzieren in ihren Werkstätten kreative Taschen, die sie mit ihrem Label „la Wi“ auf dem Weihnachtsmarkt zum Verkauf anboten: Taschen in allen Größen, aber auch Rucksäcke sowie Laptoptaschen aus hochwertigem Tuchloden, die in liebevoller Handarbeit von den kranken Menschen gefertigt wurden. „Es ist eine tolle Sache. Die Taschen sind sehr nützlich und modern. Und man tut noch etwas für andere, denen es nicht so gut geht“, meinte Herrmann Brenner. Ihre Kreativität in Sachen Holz bewiesen auch die Wohnsitzlosen, die von den Mitarbeitern des Caritas-Förderzentrums St. Christophorus in Kaiserslautern betreut werden. Eine Vielzahl von nützlichen Holzgegenständen, wie Nussknacker, Ablageschalen, Holzketten, Deko-Material wie Tannen und Engel und vieles mehr, waren auf ihrem Stand am Stadtplatz vor dem Atelier Rab Paqué zu bewundern. Über 20 Holzarten werden von den Wohnungslosen verarbeitet. „Wir schauen schon, dass es vorwiegend einheimische Hölzer sind“, sagte Werkstatt-Mitarbeiter Stefan Welter. Er stand auch den Besuchern für Fragen zur Verfügung und erläuterte das Wohnsitzlosenkonzept des karitativen Trägers. „Unsere Mitarbeiter haben trotz ihres Schicksals viele kreative Ideen und sind auch hochmotiviert. Sie freuen sich, wenn sie hören, dass ihre selbst angefertigten Gegenstände verkauft wurden.“ Für andere da sein, ist eine Verpflichtung, zu der sich auch Markus Dieden, der Betreiber von Dieden’s Café-Bistro, und Boris Stijelja, der künstlerische Leiter des Boulvardtheaters entschlossen haben. Sie werden bei der kurzfristig angesetzten Lesung der Deidesheimerin Comedian Anne Vogd am 18. Dezember die Einnahmen sozial benachteiligten Kindern in Deidesheim spenden. Ein Projekt, das zugleich unter der Federführung von Stadtbürgermeister Manfred Dörr neu aus der Taufe gehoben werden soll, um auf unbürokratische Hilfe Kindern etwas Gutes zukommen zu lassen.

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