Neustadt „Montag ist mein Neustadt-Tag“

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Rheinpfalz-Sommerinterview (3): Ein lockeres Gespräch – nicht drinnen im Konferenzraum, sondern draußen in der freien Natur. Dazu haben wir uns Interviewpartner für die Sommerferien ausgesucht. Heute ist es Frank Sobirey. Womit die Themenpalette fast endlos sein kann, von Liedertafel bis Bürgerstiftung.

Herr Sobirey, wir sitzen hoch oben über Neustadt und auch über Ihrem Haardter Schloss, auf einer kleinen Terrasse. Warum ausgerechnet hier, wo es doch – gefühlt – Hunderte Sitzgelegenheiten im Schlosspark gibt?

Die Antwort wäre: Den Platz haben Sie ausgesucht. (lacht) Darum sitzen wir hier, das ist die ganze Wahrheit. Es gibt in der Tat viele schöne Plätzchen hier. Also so können Sie das jetzt wirklich nicht sagen! Nur weil ich mich ein wenig am Schatten orientiert habe ... Aber es ist Ihnen nicht unangenehm, ausgerechnet hier zu sitzen? Im Gegenteil. Sehr schön! Sitzen Sie oft hier? Viel zu selten. Mehr Sitzgelegenheiten als Gelegenheiten, sie zu nutzen. Das Sommernachtsfest der Liedertafel ist ja eigentlich die einzige, bei der das Gelände fast ganz ausgenutzt wird und viele Leute sich daran erfreuen können. Sommernachtsfest war erst vor kurzem wieder. Wie ist das denn so, wenn ganz viele Menschen plötzlich zu Hause einfallen? Das ist ja durchaus beabsichtigt. Das ist ein Abend, an dem die Schönheit des Parks vielen Menschen offensteht. Und ich mache das gerne. Es ist auch für mich eine Freude, abgesehen von der Arbeit danach beim Aufräumen. Zumal ich merke, dass das Bücken mir doch schon etwas schwerer fällt als früher. Die Liedertäfler werden eben auch nicht jünger. Deshalb sind wir auch sehr froh, dass die Pfadfinder mithelfen. Sie haben mir mal erzählt, dass beim ersten Fest vor 60 Jahren die Besucher in großer Robe kamen und in muffigen Armeezelten saßen. Heute ist es eher umgekehrt, das Ambiente ist stilecht, der Dresscode aber nicht wirklich streng. Selbst drei Radler-Outfits waren am 16. Juli zu sehen ... Das war aber ein Novum! Und ich habe sie auch angesprochen. Sie haben dann brav ihre Eintrittskarten gezeigt und erklärt, sie hätten es nicht mehr geschafft, sich umzuziehen. Aber ich schätze mal, sie kommen 2017 nicht mehr in dieser Kleidung. Ich betrachte es als einen Ausrutscher, und wir wollen auch nicht signalisieren, dass man zum Sommernachtsfest in Badekleidung kommt. Dieses Jahr war übrigens auch erstmals ein Hund dabei. Der kaum Spaß gehabt haben dürfte angesichts der Menschenmenge ... Ach, einerseits ist es ja schön, dass es auch immer ungezwungener wird, dass es mehr aufs Verhalten als aufs Äußerliche ankommt. Andererseits gibt es natürlich Grenzen. Die Liedertäfler werden auch nicht jünger, haben Sie gerade gesagt. Ich muss mir da immer bewusst machen, mit welchem Frank Sobirey ich gerade spreche: dem Liedertäfler, dem Lions-Club-Mitglied oder jenem der Bürgerstiftung ... Ja, das kann man wirklich oft nicht unterscheiden. Bei unserem „Ball für Neustadt“ Ende Mai dieses Jahres zum Beispiel waren auch alle drei beteiligt. Und dann entsteht ja auch noch Neues daraus, wie der Bau- und Förderverein für die Stiftskirche, den wir vor zehn Jahren nach dem ersten Ball gegründet hatten. Oder der Casimir-Sozialfonds, an dem sich viele Künstler aus der Region beteiligen. Und wie bekommen Sie das alles unter einen Hut? An jedem Wochentag setze ich einen anderen auf, allerdings nicht jede Woche. Also Montag ist der Liedertafel-Tag, Dienstag ist Lions-Tag, Mittwoch ist der Stiftskirchentag, im Wechsel mit der Bürgerstiftung. Aber Montag ist auch der Ich-erledige-alles-was-sonst-noch-anfällt-Tag. Wie unsere Sommerplauderei? Da haben Sie Recht. Vielleicht sollte ich besser sagen, Montag ist mein Neustadt-Tag. Und im Anschluss fahren Sie dann noch nachts die Post aus, wie ich mitbekommen habe. Ja, mal sehen, wie lange ich das noch so mache (lacht). Die Einladungen der Liedertafel nach auswärts gehen mit der Post, aber das Porto bei den Neustadter Innenstadt-Adressen kann man sparen. Und wenn ich sie quasi ausfahre, dann will ich das ohne viel Verkehr auf den Straßen. Sie fahren dann Moped? Ja, ja, das stimmt. Wenn ich bei gutem Wetter mit Jackett fahre, dann nehme ich den Motorroller, sonst das Motorrad. Roller Jackett, Motorrad Lederkluft? Lederkluft eigentlich weniger. Ich bin wirklich kein ambitionierter Motorradfahrer, wir machen vor allem kleinere Touren, bei denen wir gemütlich durch die Gegend tuckern. Da sieht man natürlich viel mehr als im Auto. Wahrscheinlich würde man zu Fuß noch mehr sehen, aber das dauert dann doch zu lange ... Aber witzig, dass ich Ihnen das mal mit dem Briefeausfahren erzählt habe. Ich bin eben ein Nachtmensch, daher arbeite ich auch nachts, und wenn das dann fertig ist, dann ist die gute Zeit, um die Briefe wegzubringen. Kommen wir zurück zum Lions Club. Wie ging das eigentlich mit dem zweiten „Ball für Neustadt“ aus? Abgesehen davon, dass die Gäste viel Spaß hatten: Was hat er gebracht für das Projekt „Wasser in die Stadt“? Ehrlicherweise muss man feststellen, dass die Resonanz geringer war als bei unserem ersten Ball vor zehn Jahren zugunsten der Stiftskirchen-Sanierung. Man merkt auch da, wie sich die Zeiten geändert haben, langsam zwar, aber doch sehr deutlich. Aber wir haben einen Betrag im niedrigen fünfstelligen Bereich für das Projekt zusammenbekommen. Immerhin war der Ball ja auch keine alltägliche Veranstaltung. „Wasser in die Stadt“ ist auch kein alltägliches Projekt. Sind Sie optimistisch, dass es verwirklicht wird? Da bin ich nach wie vor sehr zuversichtlich. Weil die Stadt es auch will, und weil eine breite Zustimmung aus der Bürgerschaft da ist. Ich habe das Gefühl, das könnte so ein Projekt werden, wo beide Seiten an einem Strang ziehen und etwas Schönes daraus machen werden. Und wir sind natürlich auch angestachelt vom Erfolg vor zehn Jahren: Mit der Sanierung hat sich die Stiftskirche geöffnet, gehört heute sozusagen allen. Da hat sich viel zum Positiven entwickelt. Läuft alles wie geplant, würde das Wasser-Projekt Mitte 2018 starten. Muss sich bis dahin endlich etwas am Klemmhof tun? Das Projekt soll ja auch ihn beleben. Also ich habe schon die Hoffnung, dass dort Gastronomie wiederbelebt werden kann, dass auch Geschäfte wieder einziehen könnten. Aber klar, es ist Sache der Klemmhof-Eigentümer, sich da einzubringen. Und was den Anschluss der Pumpen betrifft, wollen sie das Projekt ohnehin unterstützen. Das ist ja so ein kleiner Extracharme, dass das Wasser, das bislang unnütz herausgepumpt werden muss, dann noch einer guten Sache dient. Wobei tatsächlich schon die Frage aufgekommen ist, ob dadurch, dass es dann nicht mehr direkt in den Kanal fließt, es eine andere Art von Abwasser ist und Abwassergebühren anfallen könnten. Aus allgemeiner Lebenserfahrung würde ich so etwas nie ausschließen wollen ... Aber die beteiligten Fachleute wollen sich dafür einsetzen, dass sich das vermeiden lässt. Der Teufel steckt natürlich im Detail, es gibt viele Auflagen. Die Stadtplanung steht indes auf jeden Fall dahinter. Wäre dann noch die Frage, die Sie mir stellen wollen ... Was gefällt Ihnen an Neustadt? Dass es übersichtlich ist. Und was gefällt Ihnen nicht? Dass es zu übersichtlich sein kann.

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