Neustadt
Mittwochstreffs im Stadtmuseum starten mit Vortrag über die Königstochter Blanca von England
Der erste „Treff“ – eigentlich ja eine Vortragsveranstaltung – steht schon am kommenden Mittwoch, 2. Oktober an, wenn sich Lenelotte Möller, die inzwischen nach Speyer abgewanderte ehemalige Leiterin des Neustadter Kurfürst-Ruprecht-Gymnasiums, mit einer jung verstorbenen Frau beschäftigt, die aus der Ferne in die Pfalz kam und dennoch sehr eng mit der Stadt Neustadt verbunden ist: mit Blanca von England, der 1392 geborenen Tochter des späteren englischen Königs Heinrichs IV. aus dem Hause Lancaster, die aus politischen Gründen 1402 in Köln mit Ludwig, dem ältesten Sohn des deutschen Königs (und Pfälzer Kurfürsten) Ruprecht, vermählt wurde, aber schon 1409 während ihrer zweiten Schwangerschaft (!) mit wohl gerade einmal 17 Jahren in Hagenau starb. Feierlich begraben wurde sie jedoch in der Neustadter Stiftskirche, wo sich im katholischen Chor bis heute die originale, aber recht schlichte Grabplatte erhalten hat – sowie als Teil der Darstellung des Jüngsten Gerichts ein prachtvolles Portrait in kniender Haltung, das wohl der Ehemann, inzwischen Kurfürst Ludwig III., um 1420 in Auftrag gegeben hat.
Vaterlandsverrat oder Rettungstat?
Ins 20. Jahrhundert führt dann der nächste Vortrag am 6. November – und zwar mitten hinein in die bewegte französische Besatzungszeit nach dem Ersten Weltkrieg: Stefan Schaupp, Oberstudienrat am Käthe-Kollwitz-Gymnasium in Neustadt, beschäftigt sich hier unter der Überschrift „Vaterlandsverrat oder Rettungstat“ mit der Geschichte des pfälzischen Separatismus und speziell den stürmischen Umsturzversuchen der Jahre 1919 und 1923/1924. Dabei geht es nicht nur um die Ereignisse selbst, sondern auch um deren spätere Rezeption, etwa durch die Nazis. Schaupp hat bereits mehrere Bücher und Aufsätze zur pfälzischen Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert veröffentlicht, darunter das Überblickswerk „Freiheitsträume, Freiheitsbäume“, wo der Separatismus ebenfalls schon Thema war.
Ein volkskundlich-weihnachtliches Thema schließt die Reihe am 4. Dezember ab: Die Kulturanthropologin Barbara Schmidt, Leiterin der Abteilung Pfälzische Volkskunde am Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde in Kaiserslautern, widmet sich dabei speziellen pfälzischen Advents- und Weihnachtsbräuche in Geschichte und Gegenwart ein und stellt auch Werke und Autoren vor, die für die Forschungsgeschichte besonders relevant sind.
Partner-Museum aus Mâcon stellt sich vor
Neben den Mittwochstreffs gibt es bis zum Jahresende in der Villa Böhm noch drei weitere Veranstaltungen, bei denen der Museumsförderverein teilweise beteiligt ist. Für Sonntag, 13. Oktober, ist ein ganztägiger Aktionstag geplant, der auf eine Initiative des Freundeskreises des Musée des Ursulines in der französischen Partnerstadt Mâcon zurückgeht. Über eine Videopräsention im Foyer wird dabei das Partnermuseum in Mâcon vorgestellt, während zeitgleich in Burgund das Neustadter Stadtmuseum ein Forum erhält. Dies ist als Start einer Reihe gedacht, bei der zukünftig auch Museen anderer Partnerstädte eingeladen werden sollen.
Am 10. November, 11 Uhr, veranstaltet der Förderverein in Kooperation mit dem Demokratienetzwerk Neustadt eine Lesung mit dem Politikwissenschaftler Thomas Handrich zu seinem im Frühjahr erschienenen Buch über „Erinnerungsorte zur Geschichte der Demokratie“ in Rheinhessen und der Pfalz speziell in der Zeit zwischen der französischen Revolution von 1789 und der gesamteuropäischen von 1848/49. Am 20. November veranstaltet die VHS in Kooperation mit dem Stadtmuseum außerdem noch eine Vortragsveranstaltung mit dem Historiker Hiram Kümper, Lehrstuhlinhaber für Geschichte des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit an der Universität Mannheim, über das „Leben und Wirken des Kurfürsten Carl-Theodor“.
Noch Fragen?
Alle Veranstaltungen finden im Stadtmuseum in der Villa Böhm, Maximilianstraße 25/Villenstraße 16b, in Neustadt statt. Die Mittwochstreffs des Museumsfördervereins beginnen alle um 18 Uhr, Eintritt für Nicht-Mitglieder: 5 Euro. Einlass nur mit bestätigter Anmeldung unter foestadtmuseumnw@web.de.
Das Stadtmuseum selbst hat mittwochs und freitags von 16 bis 18 Uhr und samstags und sonntags von 11 bis 13 Uhr und 15 bis 18 Uhr geöffnet. Soweit es personell möglich ist, wird bei Sonderausstellungen im Obergeschoss auch zusätzlich donnerstags geöffnet.