Lambrecht RHEINPFALZ Plus Artikel Mittelalter-Klänge in stilechtem Ambiente

Auf den Spuren von Rittern, Pilgern, Spielleuten: Ernst Kaeshammer (links) und Paul Reinig präsentierten in Lambrecht ihr Progra
Auf den Spuren von Rittern, Pilgern, Spielleuten: Ernst Kaeshammer (links) und Paul Reinig präsentierten in Lambrecht ihr Programm »Der Ruf nach der Straße«, das der gleichnamigen CD folgt.

Der Chorraum der ehemalige Klosterkirche Lambrecht bot mit seinem mittelalterlichen Fresken-Zyklus am Sonntag eine geradezu ideale Kulisse für den Auftritt der beiden „Troubadoure“ Ernst Kaeshammer und Paul Reinig, die das zahlreiche Publikum mit ihrer keineswegs „altbackenen“ Musik über zweieinhalb Stunden in ihren Bann zogen.

Dieser Erfolg ist umso erstaunlicher, als die Musik, die die beiden Bänkelsänger, Spielleut’, Liebespoeten – wie auch immer man sie nennen will – auf Drehleier, Hackbrett, Trommeln, Gitarren und per Singstimme präsentieren, durchaus weite Wege über Epochen hinweg zurücklegen muss, um schließlich in zeitgenössischen Gehörgängen so etwas wie Genuss und Lust auf mehr zu erzeugen. Aber das erreichten Kaeshammer und Reinig ohne Frage. Denn die Zauberformel des perfekt interagierenden Duos zielte bei ihrem Gastspiel bei den „Sommerlichen Abendmusiken“ in Lambrecht ganz direkt auf die, die man erreichen will.

König Richard Löwenherz beklagt seine Gefangenschaft

„Wir haben das Originalinstrumentarium – ganz wichtig: die Drehleier –, aber wir arrangieren, übertragen auch die mittelalterlichen Tonskalen behutsam ins Dur-Moll-System“, erklärt Ernst Kaeshammer, der von Haus aus ein wohlreputierter Geigenbauer in Fußgönheim ist und selbstverständlich seine Drehleiern selbst herstellt. Es sei wichtig, den musikalischen Gestus, die fantastisch breitgefächerte Themenskala, einfach das mittelalterliche Lebensgefühl so authentisch wie möglich zu transferieren. Und dazu dürfen dann durchaus auch Mikros und jede Menge sonstige moderne Technik behilflich sein.

Dass beide, der Instrumentenbauer aus Fußgönheim und der Landauer Liedermacher, Arrangeur und Komponist Paul Reinig natürlich akribische Archivarbeit betreiben, versteht sich fast am Rande. „Manessische Handschrift“ und „Carmina Burana“, nicht allein in der Adaption durch Carl Orff, sind da verlässliche Quellen. Immer mal, wenn lediglich der poetische Text überliefert ist, entsteht auch was aus eigener Feder, was den Modus der mittelalterlichen Klänge aber punktgenau trifft.

Und auf der Bühne plaudert sich Ernst Kaeshammer auch gerne etwas durch die Geschichte; weiß von der pfälzischen Gefangenschaft des Richard Löwenherz zu berichten, der wir dessen altfranzösisches Klagegedicht „Ja nus hons pris“ verdanken; erzählt von „Glücksrittern“ und asketischen Jakobs-Pilgern, bevor dann deren vielstrophige Hymne mit aufpeitschendem Trommel-Puls den schwierigen Weg musikalisch bebildert. Hans Trapp vom Berwartstein taucht unversehens auf, ebenso wie der Dichter des ältesten bekannten Liebeslieds der Pfalz, Friedrich II. von Leiningen, gestorben 1237. Paul Reinig hat es liebevoll vertont.

Natürlich sind auch immer Liebesglück und Liebesleid involviert, wird über die Unterprivilegiertheit von Mädchen geklagt, stecken die Texte voller handfester politischer Brisanz, liberal bis zuweilen anarchisch; und stellen auch nicht selten das schwierige Leben der Spielleute in den Fokus, das Los der mittellosen Freiberufler, an dem sich bis heute nichts so viel geändert hat.

Das Gehörte gibt’s auch auf CD

Stimmlich sind die beiden Spielleute ganz im lockeren Liedermachersound unterwegs und bedienen ihr auch mit allerlei Perkussionsgerät ausgestattetes Instrumentarium perfekt. Gegen Ende des Programms erweiterte sich das Duo zum Terzett. Da betrat mit Nicola Polizzano ein langjähriger Partner der „Troubadoure“ das Podium, der mit seinem diatonischen Akkordeon die Performance noch mal mit einer weiteren Instrumentalfarbe kolorierte. Und gleichzeitig mit Titeln wie „Gaudete“ und der temperamentvollen „Saltarello“ noch etwas italienisches Feuer beisteuerte. Troubadoure und Spielleute – ein Jahrhunderte entfernter musikgeschichtlicher Kosmos, der gleichwohl, wo derart sinnlich aufbereitet wie an diesem Abend, ganz unmittelbar unter die wohlige (Gänse-)Haut geht. Und wer das Konzert verpasst hat oder das Gehörte gerne noch einmal rekapitulieren will, kann auf die brandneue CD „Der Ruf nach der Straße“ zurückgreifen, das bei Paul Reinigs hauseigenem Label „Pfalzrecords“ erschienene Debütalbum der „Troubadoure“ (Code 12237), für 17 Euro erhältlich unter www.pfalzrecords.de.

x