Neustadt Mit dem Blick für technische Details
«Deidesheim.» Eigentlich könnte Elisabeth Negele sofort ihre Regionalliga-Frauenmannschaft des 1. FFC Niederkirchen übernehmen und als Trainerin vielleicht zurück in die Zweite Fußball-Bundesliga führen. Zumindest hat die 18 Jahre junge Deidesheimerin jetzt die dafür notwendige Lizenz, die sie bei einem speziell auf junge Traineranwärter zugeschnittenen Lehrgang des Südwestdeutschen-Fußball-Verbandes (SWFV) erworben hat.
Und höherklassige Teams zu coachen ist genau das Ziel der Außenverteidigerin, die 2010 mit dem Fußball in Niederkirchen begonnen hat. Aber noch nicht jetzt. „Ich habe die Lizenz gemacht, um für später mal was zu haben, wenn ich nicht mehr selbst spiele. Oder auch als Grundlage für ein Studium im Bereich Sport“, erzählt die Zwölftklässlerin des Bad Dürkheimer Werner-Heisenberg-Gymnasiums. Sie hat ja noch etwas Zeit, um sich in der Berufswahl festzulegen, macht erst 2020 ihr Abitur. Dass Fußball ihre Haupteinnahmequelle werden wird, glaubt sie aber nicht: „Als Frau ist das schwer“, weiß sie die Situation richtig einzuschätzen. „Aber vielleicht kann ich mir ein wenig dazuverdienen als Trainerin.“ B-Juniorinnen in der Bundesliga, Frauen in der Zweiten Bundesliga: Das wäre schon ihr Ding. Doch dafür müsste sie noch die Elite-Jugend-Lizenz des Deutschen Fußball-Bundes erwerben. Durchaus ein Ziel. Und eben deshalb ärgert Negele auch, dass sie bei der Prüfung um einen Punkt an der Zulassung zu diesem Lehrgang vorbeigeschrammt ist. Aber sie kann die Prüfung noch mal ablegen, ohne dabei zuvor den zweiwöchigen Lehrgang zu besuchen. Und so mit etwas mehr Erfahrung im Rücken den nächsten Schritt angehen. „Wir wurden ja bewertet, als ob wir alle schon gestandene Trainer wären“, deutet die ehemalige Balletttänzerin und Reiterin an, dass die Prüfer mit Punkten eher gegeizt hätten. „Theoretisch war ich sehr gut“, sagt sie. Praktisch hatte sie das Thema „Herausspielen von Torchancen über außen“. Dabei unterteilte Negele das Feld in verschiedene Zonen, der Ball musste vom Zentrum nach außen, wo der Außenverteidiger seinen Vordermann überlief und dann flankte. Eigentlich ein gutes Thema, denn genau das ist ja Negele von ihrer Position im Verein sehr vertraut. Aber hier schauten die Trainer eben nicht auf fußballerisches Können, vielmehr auf Dinge wie das Auftreten vor der Gruppe, den Aufbau der Einheit, die Sprache und so weiter. Aber Negele gehörte am Ende sogar zu den Besten der 26 Absolventen dieses Lehrgangs: „Eine super Gruppe, in der wir uns auch viel gegenseitig geholfen haben“, sagt sie, die schon als Stützpunkttrainerin von B- und C-Juniorinnen gemeinsam mit Max Barthel in Edenkoben Nutzen von dem beim Lehrgang vermittelten Stoff hat und dort weitere Erfahrung sammelt. Soziale Kompetenz, Fachwissen, Vorbildcharakter sind Ansprüche, die die 18-Jährige vorrangig an einen Trainer stellt: „Außerdem soll er Vermittler sein. Und Förderer der Spieler.“ Viel Neues hat sie vor allem theoretisch auf dem Lehrgang gelernt: über Trainingslehre, etwas über Taktik, auch wenn sie einiges schon aus ihrer Erfahrung als Fußballerin im höherklassigen Fußball bereits kannte. Lob gab es von Lehrgangsleiter Andreas Hölscher: „Man merkte sofort, dass sie eine Auswahlspielerin ist. Sie hat gute fußballerische Fähigkeiten, ist fachlich stark und überzeugte mit einer tollen Informationsaufnahme und in der Prüfung mit ihrem Blick für technische Details.“