Interview
Michael Heinz setzt beim SC Neustadt auf das Ehrenamt
Herr Heinz, der verqualmte Geruch nach dem teilweisen Brand des Carrés liegt noch in der Luft. Wie ist die Situation in den Räumen des Vereinsheims?
Ich war auf Geschäftsreise in den USA, als ich die Nachricht bekam, dass es im Carré brennt. Nach einer kurzen Schrecksekunde kamen jedoch gleich mehrere Nachrichten von Peter Jacque und Peter Kuhn, die als Anwohner gleich vor Ort waren und zumindest für unser Klubheim „Entwarnung“ gaben. Durch das schnelle Eingreifen der Feuerwehr und dank einer günstigen Wetterlage konnte Schlimmeres verhindert werden. Ein großes Dankeschön an die Freiwillige Feuerwehr Neustadt und Ihren Einsatz. Betroffen waren Geräte- und Materialräume der Stadtwerke, sowie die angrenzenden Klubheime der DLRG und des Tauchsportclubs Nautilus. Unsere Räumlichkeiten scheinen unbeschadet davon gekommen zu sein.
Sie haben DLRG und Nautilus Unterstützung angeboten. Wie sieht es jetzt damit aus?
Wir haben sofort und solidarisch mit dem DLRG und Nautilus Kontakt aufgenommen und angeboten, dass sie in dieser für sie schwierigen Zeit auf unsere Unterstützung bauen können. Unser Klubheim ist zwar gut genutzt, aber nach Absprache findet sich da sicher ein Weg, ihnen unsere Räumlichkeiten mit zur Verfügung zu stellen. Dafür gibt es eine Stadt- und Sportgemeinschaft.
Das Wasserball Zweitliga-Team soll nach dieser Saison wieder erstklassig werden, trotz starker Konkurrenz in der 2. Liga. Wie sehen Sie die aktuelle Lage?
Die Saison ist noch recht jung, doch nach fünf Spieltagen haben wir noch kein Spiel verloren und liegen derzeit unangefochten auf dem ersten Tabellenplatz. Wir haben uns in der Januar Wechselphase sogar noch einmal verstärkt und ich wäre sehr enttäuscht, wenn wir diese Position nicht halten könnten. Danach müssen wir uns jedoch noch im Aufstiegsturnier behaupten, doch ich glaube, die Vorzeichen stehen in diesem Jahr, das zudem unser Jubiläumsjahr ist, recht gut.
Was muss im Falle eines Aufstiegs noch getan werden, um die Bundesliga-B-Gruppe zu halten?
Wir haben eine gute Basis und viele junge Spieler. Wir müssten uns jedoch mit ein bis zwei Spielern verstärken, damit wir uns zumindest mittelfristig in der Bundesliga halten könnten. Um das langfristig stabil zu halten, bräuchten wir noch weitere finanzielle Unterstützung. Wir reden hier nicht über große Summen, da in dieser Sportart noch der Idealismus überwiegt. Jedoch sind die finanziellen Aufwendungen für einen kleinen Verein ohne Sponsoren und Spender nicht tragbar. Daran ist in diesem Jahr auch der SV Ludwigsburg gescheitert und musste seine Mannschaft mitten in der Saison abmelden.
Seit November sind Sie Vorsitzender des Schwimmclubs, gleichzeitig Manager der SCN-Wasserballer und im Vorstand der BASF. Wenn die „Rheinpfalz“ eine Frage an Sie hat, melden Sie sich noch am gleichen Tag. Wie viele Stunden hat Ihr Tag?
Auch für mich hat der Tag nur 24 Stunden. Wenn man sich gut organisiert, priorisiert und seine eigenen Belange manchmal hinten anstellt, dann bekommt man das eigentlich ganz gut unter einen Hut. Ich sage immer, wenn man für etwas brennt, dann findet man auch die Zeit dafür. Zudem haben wir im Klub ein super Team. Da verteilen sich die Aufgaben auf mehrere Schultern.
Der Schwimmclub wird 125 Jahre. Welche Pläne gibt es für das große Jubiläum?
Wir werden am 16. August für Vereinsmitglieder und geladene Gäste eine Feier mit vielen Aktivitäten, hoffentlich im Carré, ganz sicher jedoch im Stadionbad, abhalten. Die grobe Planung steht, in den nächsten Wochen und Monaten werden wir als Vorstandschaft dieser Planung den notwendigen Feinschliff verpassen, um diesen Anlass gebührend zu feiern. Wir werden dafür auch eine Festschrift aufsetzen, für die wir noch Sponsoren suchen. So könnte man auch die sportliche und gesellschaftliche Leistung unseres Vereins unterstützen. Interessenten dafür können sich für mehr Informationen gerne unter E-Mail an 1_Vorsitzender@sc-neustadt.de an mich wenden.
Man müsste annehmen, neben Ihrem Brotberuf gäbe es keinen Freiraum mehr für solche ehrenamtlichen Aktivitäten. Wie oft sehen Sie zum Beispiel auch Ihre Enkeltochter, die jetzt sieben Monate alt ist?
So lange ich in den USA gearbeitet habe, sah ich sie leider nur einmal im Monat. Seit Januar bin ich jedoch wieder in Deutschland ansässig. Da meine Tochter nicht weit weg von uns wohnt, wird das in Zukunft deutlich einfacher und öfter werden. Unsere Gesellschaft lebt vom Ehrenamt. Obwohl sporadische Ehrenamtstätigkeiten wieder zunehmen, nimmt die Bereitschaft dauerhafte Aufgaben anzunehmen ständig ab. Ich habe dem Verein sehr viel zu verdanken. Oft denken unsere Sportler, dass sie dem Verein als Aktive etwas geben. Doch in Wirklichkeit ist es genau anders herum. Daher will ich dem Verein nun etwas zurück geben. Dies war eigentlich erst nach meiner Pensionierung geplant. Doch dann hat sich mein Engagement bei BASF ein wenig verlängert. Dennoch werde ich nicht wortbrüchig und stehe zu meiner Verantwortung. Die trage ich ja auch nicht alleine, ich kann auf ein tolles Team von Unterstützern zurück greifen.
Sie haben auch einen Familienhund, den zwölfjährigen französischen Hirtenhund Bella. Hunde haben ein sehr feines Gespür und zeigen, was sie denken. Ignoriert Sie Bella, weil Sie so oft abwesend sind?
Ich werde nach wie vor stürmisch begrüßt. Doch der Alpha in der Familie ist ganz klar meine Frau. Da hatte ich noch nie eine richtige Chance.
Sie sind jetzt 60 Jahre. Wie lange werden Sie noch für die BASF tätig sein?
Mein Mandat läuft bis zur Hauptversammlung 2026.
Zur Person
Michael Heinz ist seit November Vorsitzender des SC Neustadt. Der 60-Jährige ist im Hauptberuf seit 14 Jahren im Vorstand der BASF und dort zuständig für drei operative Bereiche sowie Südamerika. Er hat selbst Wasserball gespielt und engagiert sich nach seiner aktiven Zeit als Spieler seit über einem Jahrzehnt bereits als Manager der SCN-Wasserballer. Nun hat er dazu noch die Aufgabe als Vereinsvorsitzender übernommen und plant mit seinem Vereinsteam die Feiern zum 125-jährigen Bestehen in diesem Jahr. Doch fast wäre zu allen Aufgaben noch ein Brandunglück im Vereinsheim gekommen. Vor zwei Wochen hat es in den angrenzenden Räumen gebrannt. Für den SCN lief es noch glimpflich ab.