Maikammer RHEINPFALZ Plus Artikel Metzgerei Garrecht: Lehrsaal gegen Wurstküche getaucht

Metzger aus Überzeugung: Tobias Hagenbucher (links) mit Martina und Jürgen Garrecht.
Metzger aus Überzeugung: Tobias Hagenbucher (links) mit Martina und Jürgen Garrecht.

Immer mehr Metzgereien mussten in den vergangenen Jahren schließen. Fachkräftemangel, explodierende Einkaufs- und Energiepreise sowie das Fehlen von Nachfolgern gehören zu den Gründen. Doch es gibt auch Metzgereien, wo die Welt noch in Ordnung ist.

„Wir wursteln noch mit Herz und Hand, nach alter Väter Sitte!“: Schon beim Slogan der Metzgerei Garrecht in Maikammer wird klar, mit welcher Einstellung Jürgen und Martina Garrecht ihr Geschäft betreiben. Er ist Metzgermeister, sie Fachverkäuferin, und zusammen mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bieten sie ein breites Sortiment an Fleisch- und Wurstwaren an. Aber auch wer Lust auf fleischlosen Genuss hat, wird bei Garrechts fündig. So finden sich mehrere Sorten von Heumilchkäse im Angebot, den die Dorfkäserei Geifertshofen im Landkreis Schwäbisch-Hall liefert.

Während in anderen Metzgereien der Arbeitstag in der Wurstküche gegen sechs Uhr morgens beginnt, werden im Hause Garrecht die Messer schon um zwei Uhr in der Früh gewetzt. „Das hängt damit zusammen, dass bis zum Jahr 2002 eine Gaststätte an die Metzgerei angebunden war. Dort wurde von 11 bis 14 Uhr das Mittagessen serviert. Das setzte voraus, dass bis etwa zehn Uhr die Arbeiten in der Wurstküche abgeschlossen sein mussten, da wir dann in der Gaststätte gefordert waren. Damals unterstützten uns meine Eltern, aber auch das Personal aus der Metzgerei wechselte zeitweise hinter die Theke der Gaststätte“, erinnert sich Jürgen Garrecht.

Mit 1,4 bestanden

Den frühen Arbeitsbeginn hat er bis heute beibehalten, und auch Mitarbeiter Tobias Hagenbucher hat sich an das frühe Aufstehen gewöhnt. Im April hat der erst 23-Jährige aus Kirrweiler die Meisterprüfung mit großem Erfolg absolviert. Seine Bestnote (1,4) in der Prüfung „Meister im Fleischer-Handwerk“ brachte ihm den Meisterpreis der Bayerischen Staatsregierung ein. Die Meisterausbildung absolvierte er auf eigenen Wunsch, nach nur neunmonatiger Ausbildung in Augsburg, im bayerischen Schwaben. „In Bayern sind die Voraussetzungen für uns Metzger einfach besser, weil dort unser Handwerk viel mehr wertgeschätzt wird, als dies hier bei uns der Fall ist“, stellt Hagenbucher fest. Martina und Jürgen Garrecht sowie das ganze Personal sind „saumäßig“ stolz auf „ihren“ Tobias.

Schon die Ausbildung zum Metzgergesellen durchlief Hagenbucher bei Garrechts, im Juli vergangenen Jahres schloss er sie erfolgreich ab. Dabei sah seine berufliche Planung eigentlich mal ganz anders aus. Nachdem er im März 2020 das Abitur am Gymnasium in Edenkoben abgelegt hatte, wollte er Betriebswirtschaftslehre und Informationstechnik studieren. Die sechs Monate bis zum Beginn des Studiums überbrückte er mit einem Praktikum in der Metzgerei Garrecht. Die Verbindung dorthin kam über Lorena, die Tochter der Garrechts zustande, die er in der Abiturszeit kennen – und lieben – lernte.

Ein Jahr lang widmete der junge Mann sich dann der BWL und der IT, um schließlich festzustellen, dass weder das eine noch das andere seinen Vorstellungen entsprach. Er schwenkte um und tauschte den Lehrsaal gegen die Wurstküche. Ein Schritt, den er bis heute nicht bereut hat. „Der Metzgerberuf macht mir einfach Spaß“, erklärt Hagenbucher mit Überzeugung.

„Ich kann es eigentlich immer noch nicht glauben, dass er sich gegen Anzug und Krawatte und für den Metzgerberuf entschieden hat“, sagt Jürgen Garrecht. Langfristig will Tobias sein eigener Herr sein. Ob dies auch als Nachfolger von Jürgen Garrecht der Fall sein könnte, lassen beide einstweilen offen.

Immer umfangreichere Auflagen und Vorgaben

Tobias sagt, dass man sehen müsse, wie sich die Gesellschaft in puncto Fleischkonsum weiter entwickele. Zudem würden Auflagen und Vorgaben immer umfangreicher, was das Leben als Metzger nicht leichter mache. „Diejenigen, die solche Auflagen und Vorschriften machen, haben doch noch nie eine Wurstküche von innen gesehen“, echauffiert sich Jürgen Garrecht. Und fügt hinzu: „Wenn man heute bei null anfangen muss, um seine eigene Metzgerei zu eröffnen, sind Investitionen von mindestens einer halben Million Euro nötig. Wer kann sich das denn erlauben?“

Auf die Frage, ob er auch schlachten kann, antwortet Tobias: „Theoretisch schon, praktisch nicht.“ Das soll sich nächstes Jahr ändern, wenn er bei der Firma Kohl-Kramer-Kästel im hessischen Borken das fachgerechte Schlachten und Zerlegen von Schweinen und Rindern lernt. Fritz Kästel, Mitinhaber der Firma, ist der Sohn des in der Südpfalz noch bestens bekannten Metzgermeisters Viktor Kästel aus Edenkoben, bei dem schon Jürgen Garrecht einst das Schlachten lernte.

Notwendig ist das in Maikammer schon lange nicht mehr. Hier wird das Schweinefleisch zweimal pro Woche fertig zerlegt von der „Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall“ angeliefert. Das Rindfleisch wird bei der Firma Fleischhandel Frank Seis aus Aurach im bayerischen Landkreis Ansbach geordert, die Maikammer einmal pro Woche beliefert.

Metzgerei im Jahr 1870 gegründet

Die Metzgerei in der Maikammerer Hartmannstraße gibt es seit 1870, gegründet wurde sie von Familie Platz. 1933 übernahm Karl Garrecht, der Großvater des heutigen Firmenchefs, den Betrieb. Diesem folgte 1986 Sohn Walter, in dessen Ägide die Metzgerei umgebaut und modernisiert wurde. 1999 übernahm dann Jürgen Garrecht, der zuvor im elterlichen Betrieb ausgebildet wurde. Nach seinem erfolgreichen Abschluss arbeitete er bei Kästel, ehe er nach Maikammer zurückkehrte und 1994 die Meisterprüfung ablegte.

Garrechts Frau Martina kommt aus Edesheim, wo ihre Eltern die Gärtnerei Albrecht betrieben. Aus der gelernten Industriekauffrau wurde die Fachverkäuferin für Fleisch- und Wurstwaren. Das Ehepaar legt großen Wert auf selbst gemachte Produkte zu fairen Preisen. Dazu gehört unter anderem die von der Deutschen Lebensmittel-Gesellschaft mit Silber prämierte Fleischwurst. Zudem wird ein breitgefächertes Sortiment verschiedener Fleischkäsesorten angeboten. Hier gibt es beispielsweise noch den echten „Läwwerkees“, wie ihn die älteren Pfälzer kennen. Und natürlich auch alle anderen Pfälzer Spezialitäten, wie Leber- und Blutwurst, Schwarten- und Saumagen, Leberknödel und Bratwurst.

Info

Metzgerei Garrecht, Hartmannstraße 33, Telefon 06321 5072, E-Mail: info@metzgerei-garrecht.de, Website: metzgerei-garrecht.de.
Öffnungszeiten: Montag und Dienstag 7 bis 12.30 Uhr, nachmittags geschlossen, Mittwoch bis Freitag 7 bis 12.30 Uhr und 14.30 Uhr bis 18 Uhr, Samstag 7 bis 12.30 Uhr.

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