Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Meistersingerkurs im Herrenhof: Preisträgerkonzert am 6. September im Saalbau

 Claudia Eder (links) beim Meisterkurs mit Mezzosopranistin Gwendolyn Döring und Seung-Jo Cha am Flügel.
Claudia Eder (links) beim Meisterkurs mit Mezzosopranistin Gwendolyn Döring und Seung-Jo Cha am Flügel.

Zum 38. Mal beherbergt die Parkvilla des Herrenhofs aktuell den „Neustadter Meistersingerkurs“. Beim abschließenden Preisträgerkonzert am Freitag, 6. September, im Saalbau buhlt ein gutes Dutzend internationaler Bühnenstars von morgen um die Gunst von Jury und Publikum

Schon draußen, auf dem Weg durch den bereits zur Morgenstunde in flirrendes Sonnenlicht getauchten Park, umschmeicheln Mozarts Melodien die Gehörgänge. Drinnen dann, in der Villa des Mußbacher Herrenhofs, ist es die Mezzosopranistin Gwendolyn Döring, die der Verzweiflung des verlassenen Ramiro aus der Verwirrkomödie „La finta giarginiera“ – „Die Gärtnerin aus Liebe“ des jungen Mozarts Stimme und Gestalt verleiht.

Mit 15 weiteren Künstlerinnen und Künstlern auf dem Weg in eine berufliche Karriere hat sie sich beim 38. Neustadter Meistersingerkurs, der längst zu den wohlreputierten seiner Art zählt, unter die pädagogischen Fittiche von Professor Claudia Eder begeben. Die knapp zwei Wochen dauernde intensive Schulung endet nach guter Tradition des 1983 von Kammersängerin Erika Köth begründeten Formats auf der großen Bühne des Saalbaus. Beim Abschlusskonzert am 6. September, 19 Uhr, stellen sich die Teilnehmenden dem kritischen Urteil einer kompetenten Jury: Kammersängerin Anne Lünenbürger, Bariton Stefan Stoll, Karl Böhmer (Geschäftsführer Stiftung Villa Musica), Thomas Böckstiegel (Oper Heidelberg) sowie Axel Mendrok (ZAV- Künstlervermittlung Köln). Und buhlen um die mit 1.500, 1.000 und 500 Euro dotierten Haupt- und zwei Förderpreise sowie das Publikumsvotum. Opern-Fans indes verspricht der Abend einen inspirierten Ausflug ins Elysium des Musikdramas.

Mit jeder Stimme individuell gearbeitet

Für Claudia Eder, die während ihrer Bühnenlaufbahn als Altistin auf Opernbühnen weltweit präsent war und sich im pädagogisch-didaktischen Bereich hohe Meriten verdiente, ist dies bereits der 23. Meistersingerkurs in Nachfolge von Erika Köth und Sylvia Geszty. Und wer das Glück hat, ihrem vitalen Unterricht als Zaungast eine Weile beizuwohnen, hat schlicht Mühe, sich wieder loszureißen.

Claudia Eder bietet keine Konfektion, sondern arbeitet mit jeder Stimme individuell, baut gangbare Eselsbrücken. Jetzt etwa, bei Gwendolyn Döring, erläutert sie den Unterschied zwischen Reflexion und Vorausdenken. „Welche Geschichte willst Du erzählen – bereite das vor, denk das voraus“, rät Eder. Und sie korrigiert unerbittlich, bemängelt, was sich für den Laien vor der Bühne marginal ausnehmen mag. Wenn dann endlich Stimmsitz, Artikulation, Dynamik und expressive Gestaltung die gewünschte Symbiose eingehen, ist das Ergebnis unvergleichlich. „Unarten, auch wenn sie beiläufig scheinen, müssen in die Reihe kommen, damit sie sich nicht verfestigen.“

Auch der Stand-Spiegel, Teil des Konzepts, ist wieder dabei. Der ist anzusingen, da sitzt das Publikum, das sich allein von wunderbarer Musik in einem überzeugenden Narrativ verzaubern lässt. Zusehends bekommt man Respekt vor dem nicht allein den heißen August-Temperaturen geschuldeten schweißtreibenden Training beim Kultivieren der menschlichen Stimme, diesem so empfindlichen Sensor für die eigene Befindlichkeit. Claudia Eder weiß das. Und vergisst nie das Lob am Ende einer harten Trainingsphase.

Stimmübungen fürs Selbstvertrauen

Mit der französischen Mezzosopranistin Marie-Charlotte Alary kommt eine Konzertarie von Joseph Haydn aufs Notenpult. Sie singt das reizend, kapriziös und damit die Höhe sich lockert, schiebt Eder ein paar schlichte Stimmübungen ein. Das fruchtet unüberhörbar. Und verhilft der Elevin zu Selbstvertrauen.

Wie stets ist das Feld der Kursteilnehmenden international besetzt, stark vertreten – auch das ein Kontinuum – ist Südkorea; weitere Herkunftsländer sind Frankreich, Italien, Weißrussland, Russland und natürlich Deutschland. Mit 21 Jahren jüngster Teilnehmer ist der ukrainische Bariton Daniel Semsichko, von dem Eder nachdrücklich schwärmt. Dass diesmal neben den Sopranen und Mezzos auch zwei Tenöre sowie ein Bariton und ein Bass mit im Ensemble sind, freut die Professorin nicht zuletzt im Blick auf die Programmgestaltung des Preisträgerkonzerts.

Auch der Getränke-Support ist wichtig

Nachdrücklich unterstützt wird Eder durch die Pianistin Seung-Jo-Cha, die neben ihrer Konzerttätigkeit an der Musikhochschule Mainz unterrichtet, und den Pianisten Hedayet Djeddikar, der als Kammermusiker und Begleiter sowie als Dozent der Frankfurter Hochschule für Musik und Gestaltung reputiert. Ab der zweiten Kurswoche begleitet zusätzlich Jinju Oh am Flügel. Beide korrepetieren abwechselnd, betreuen aber die Künstlerinnen und Künstler auch im Nachgang und unterstützen die Ensemble-Proben zum Abschlusskonzert. Funktionieren würde der Kurs auch nicht ohne Hans-Georg Hoffmann, der sich als Vorsitzender des Fördervereins, unterstützt von seinem Vater Hansjürgen, um die organisatorische Arbeit im Hintergrund kümmert. Das beginnt bei der Vermittlung der Kursteilnehmenden in ihre Gastfamilien und reicht bis hin zum Getränke-Support für die Künstlerschar – angesichts der Hitze auch das ein unverzichtbarer Dienst.

Termin

Neustadter Meistersingerkurs mit Preisträger-Konzert am Freitag, 6. September, 19 Uhr, im Saalbau. Tickets gibt es in der Buchhandlung Quodlibet, Kellereistraße 10, bei der Tourist-Information Neustadt, Hetzelplatz 1, bei Schorle-Helden, Kreuzbergstraße 17, in der Tourist-Information Maikammer, Marktstraße 5, sowie über www.ticket-regionlal.de.

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