Maikammer RHEINPFALZ Plus Artikel Mehr als nur Face-Lifting: Orgelsanierung in der Johanniskirche schreitet voran

Die Orgelbauer Klaus Dieterle (oben) und Markus Seeger von der Manufaktur Lenter aus Sachsenheim bei Ludwigsburg sind aktuell in
Die Orgelbauer Klaus Dieterle (oben) und Markus Seeger von der Manufaktur Lenter aus Sachsenheim bei Ludwigsburg sind aktuell in der Johanniskirche in Maikammer an der Arbeit.

In der protestantischen Johanniskirche Maikammer geben sich die Restaurateure gerade die Klinke in die Hand. Auf der Empore nämlich erblüht die „Königin“ allmählich zu neuer, nein: eigentlich alter Schönheit. Und erfährt aktuell Anerkennung von prominenter Stelle.

Unversehens steht sie im Fokus, die 1914 – nahezu zeitgleich mit dem Gotteshaus, auf dessen Empore sie thront – geweihte Steinmeyer-Orgel der Johanniskirche in Maikammer: Die Bundesstiftung Orgelklang mit Sitz in Hannover hat das gerade in der Restaurierungsphase befindliche Instrument mit den Titel „Orgel des Monats September“ geadelt. Und damit auch die innerorts zunächst durchaus umstrittene Entscheidung des Presbyteriums von 2018, sie restaurieren zu lassen, nachträglich belobigt.

Seit wenigen Wochen arbeitet die nach Ausschreibung beauftragte Orgelmanufaktur Lenter aus dem württembergischen Sachsenheim vor Ort und hat in einem ersten großen Abschnitt vor allem die technische Zurüstung aufgearbeitet, die Bälge saniert, Lederbeschläge erneuert, in vielen Bereich lädiertes Material ersetzt. Sowie Funktionen, die durch eine unsägliche Umwidmung des Instruments in den 1950er Jahren stillgelegt waren, wie etwa die Manualkoppeln, wieder ihrer ursprünglichen Funktion zugeführt. Wie Markus Seeger und Klaus Dieterle erläutern, war da viel akribische Handarbeit nötig. „Aber sie soll wieder so authentisch erklingen, wie ihre Schöpfer sie vor mehr als 100 Jahren erbaut haben.“

Verkürzte Pfeifen müssen wieder verlängert werden

In einem nächsten Abschnitt sollen in den kommenden Wochen die gereinigten Pfeifen, nebst jenen, die erneuert oder auch restauriert, das heißt „angelängt“ werden mussten, aus der Orgelwerkstatt zurückkommen und wieder eingebaut werden. Letzteres erläutert Klaus Dieterle: „Die im Zuge der Barockisierung nach dem Krieg verkürzten Pfeifen werden mit gleicher Legierung wieder ergänzt und in den Zustand von 1914 rückgeführt. Bei vielen ist das möglich; in wenigen Fällen müssen Pfeifen aber ersetzt werden.“

Mehr als ein halbes Jahrhundert hatte das zweimanualige und 14 Register umfassende Instrument der protestantischen Kirche in Maikammer im Dornröschenschlaf in seiner klanglichen Verfremdung verharrt. Auch der Verschleiß, die Aussetzer waren längst nicht mehr zu überhören. Vor allem aber hatte sie ihre einzigartige Originalität eingebüßt und der damalige Orgelbausachverständige der Landeskirche, Gero Kaleschke, wurde nicht müde, auf Qualität und historischen Wert hinzuweisen; denn „mit dem Kirchenraum bildet die hochklassige Orgel ein Ensemble von hohem Reiz und ein beachtenswertes Dokument des Kirchenbaus aus der Frühzeit des 20. Jahrhunderts.“

Aus Fisch sollte in den 50er Jahren plötzlich Fleisch werden

Als Glücksfall wertete es Kaleschke, dass die durch die „barockvernarrte“ Orgelbewegung geprägten Umbau-Maßnahmen 1955 letztlich nicht von der damals vom Orgelsachverständigen Adolf Graf präferierten Firma durchgeführt wurden, sondern von Steinmeyer selbst, „der das sehr pietätvoll und sorgsam erledigt hat“.

Hatte das Instrument den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet überstanden, waren eben diese vom damaligen Landeskirchenmusikdirektor verordneten Eingriffe substanziell und fatal. Im Übrigen für alle protestantischen Orgeln in der Pfalz. Instrumente der romantischen und spätromantischen Epoche – nicht selten Walcker und Steinmeyer – traf es besonders hart. Aus dem Kleinod in Maikammer sollte ein Instrument mit barockem Erscheinungsbild werden, „aus Fisch plötzlich Fleisch“. Die Eingriffe in Disposition und technische Abläufe, und damit ins Klangbild, waren erheblich.

Auch die Hitzejahre 1946 und 1976 setzten dem Instrument zu, führten jeweils zum massivem Kollaps. Seit rund zehn Jahren massierten sich die Mängel. Es klapperte allerorten, Risse und Schwund, erhebliche Windgeräusche wurden diagnostiziert. Vor allem aber: So viel der wertvollen Substanz von einst lag brach.

Schon in der Adventszeit soll die Orgel wieder ihren Dienst aufnehmen

Mit 180.000 Euro kalkuliert die protestantische Kirchengemeinde Maikammer nach Aussage von Pfarrer Jochen Keinath die Maßnahme, auch wenn das Angebot des Orgelbauers leicht darunterliegt. „Wie sich zeigte, mussten wir bereits einen Maler und einen Elektriker hinzuziehen.“ Durch Benefizkonzerte, Vorträge, Verkauf von Orgelwein, private Spenden und Sponsoring aus der Wirtschaft seien inzwischen 70.000 Euro erwirtschaftet. Die Landeskirche gewährt einen Zuschuss von 15.000 Euro, die Stiftung Denkmalschutz ist mit 10.000 Euro dabei, und die Stiftung Orgelklang honoriert die Komplettrestaurierung, wie Ihrer Webseite zu entnehmen, mit immerhin 58.000 Euro, inklusive einer großzügigen Spende des „Fördervereins Maikammerer Orgel“.

Wenn im November die sensible Phase der Intonierung abgeschlossen sein wird – Andreas Lenter wird dafür geraume Zeit in Maikammer verbringen -, soll die historische Orgel auch zur Vorweihnachtszeit schon ihren Dienst wieder aufnehmen dürfen, denn für den zweiten Advent sei ein Gottesdienst mit den neuen Konfirmanden geplant, so Keinath. Für die würdige Wiederinbetriebnahme indes ist eine Feierstunde mit Konzert im März 2024 in Regie von Bezirkskantor Simon Reichert vorgesehen.

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