Wasserball RHEINPFALZ Plus Artikel Matteo Ananias feiert mit Cannstatt Titel, der SC Neustadt feiert mit

Matteo Ananias fällt nach dem Erfolg zuerst dem Chief, seinem früheren Trainer Peter Jacqué, in die Arme.
Matteo Ananias fällt nach dem Erfolg zuerst dem Chief, seinem früheren Trainer Peter Jacqué, in die Arme.

Der Neustadter Matteo Ananias ist deutscher U16-Meister. Diesen Erfolg feiert er mit seiner neuen Mannschaft im SV Cannstatt. Aber nicht nur mit ihr.

Jetzt fehlt nur noch eine Mail vom Jugend-Bundestrainer der Wasserballer, Nebosja Novaselac, mit einer Einladung zum nächsten Kaderlehrgang, und die Kalkulation ist im SC Neustadt und für Matteo Ananias voll aufgegangen. Matteo wurde am Wochenende deutscher Meister der U16-Junioren mit dem SV Cannstatt.

Der 15-Jährige Neustadter, der das Wasserball-Abc unter Peter Jacqué im SC Neustadt gelernt hat, fiel bei den Jugendspielen schon immer mit seinem Spielwitz, seiner Körpergröße und seinem Durchsetzungsvermögen auf. Doch um auch national an die Spitze gespült zu werden, fehlte im „kleinen“ Neustadt das Umfeld.

Ein besonderer Weg

Auch wenn Jacqué bereits erstaunliche Erfolge mit seinen Junioren in den jeweiligen Jahrgängen erzielt hat und schon dreimal unter den besten vier Teams in Deutschland gelandet ist: In der aktuellen U16 des SCN sind die Spieler noch nicht so weit. So schlug der SCN im Sommer in Absprache mit Trainerteam, Manager Michael Heinz und Familie Ananias einen besonderen Weg ein, um auch den Bundestrainer auf das Neustadter Talent aufmerksam zu machen. Matteo trainierte unter der Woche im SCN weiter, wurde aber offizieller Spieler des U16-Teams vom SV Cannstatt. Die U16 des SCN erreichte ohne Matteo die Zwischenrunde um die deutsche Meisterschaft und verlor dabei Anfang Oktober gegen Hannover mit 1:23 und Potsdam mit 4:22. Auch mit Matteo Ananias an Bord hätte das Unheil nicht abgewendet werden können. Hannover und Potsdam erreichten die Endrunde, auch Hamm war neben Cannstatt qualifiziert.

Im ersten Spiel am Samstag bei der Finalrunde in Cannstatt taten sich die Gastgeber gegen Hannover relativ schwer und siegten mit 14:9. Auch gegen Hamm lief es beim 14:9 noch nicht so gut. Selbst Ananias kam nicht so richtig ins Rollen, kassierte sogar eine Rote Karte im letzten Viertel gegen Hamm. „Das war unnötig, aber es war eben nicht so toll bei mir“, gesteht der Spieler. Am Abend ging er skeptisch ins Bett, denn ein Blick auf die Spiele von Potsdam (27:3 gegen Hamm und 17:4 gegen Hannover) zeigte Cannstatt, dass Potsdam auf dem Papier die besten Chancen hatte, den Titel zu holen. Dabei hatte Matteo Ananias die Tage zuvor in den Herbstferien bereits eine harte Trainingswoche hinter sich, teils mit zwei Einheiten pro Tag, ansonsten war tägliches Training in Cannstatt angesetzt. „Ich weiß nicht, was bei uns los war, wir hatten großen Respekt vor Potsdam“, so Ananias. Am Sonntagmorgen jedoch, bevor es zum dritten Spiel des Turniers und damit zu einem echten Endspiel gegen Potsdam kam, herrschte Zuversicht. Er habe ein gutes Gefühl gehabt, sich gesagt, alles spreche für sein Team. Potsdam habe als Titelverteidiger den Druck. Cannstatt könne mit seinen Fans im Rücken alles gelingen. So überlegte Ananias vor der Begegnung.

Ein Krimi

Das Spiel gegen Potsdam, das zwar ein reines Gruppenspiel war, doch durch die Konstellation der Ergebnisse tags zuvor zum Duell der beiden unbesiegten Teams wurde, sollte ein Krimi werden. Aus Neustadt war eine große Fandelegation dabei. Jugendtrainer Jacqué kam mit dem Mannschaftsbus und fünf Teamkollegen der U16. An Bord waren Leon Köppl, Tim Weißler, Max Boeckmann, Joona Vagts und Benedikt Grüne. Die Familie von Matteo einschließlich dessen Bruder und Zweitliga-Spieler Luis Ananias war ebenfalls vor Ort. Vater Lars Ananias: „Es war unglaublich spannend und eng. Potsdam führte zunächst mit zwei Toren.“ In der umkämpften Partie mit sehr vielen Zeitstrafen erzielte Matteo das wichtige 1:2, doch dann zog Potsdam erneut mit zwei Toren davon und verteidigte den Vorsprung. Ananias verkürzte auf 6:7, übernahm dann aber wichtige Aufgaben in der Abwehr und im Mittelfeld. Dennoch ging Potsdam bis zum Ende des dritten Viertels immer mit zwei Toren in Führung. Erst fünf Minuten vor Schluss gelang das 12:12. Zwei Minuten vor Spielende folgte erstmals die Führung für die Gastgeber zum 14:13. Ananias schildert die letzten Minuten: „Wir hatten so viel Energie. Wir haben ganz eng verteidigt. Wir haben alles abgeblockt.“ Denn ein Unentschieden hätte den Titel für die Ostdeutschen bedeutet. Die letzten drei Sekunden überstand Cannstatt in Unterzahl, dann war der große Traum erreicht. Ananias: „Unsere Fans waren unglaublich. Es war auch so toll, dass meine Familie und Leute vom SCN da waren. Ich habe für sie gespielt.“

Den Chief umarmt

Daher gehörten auch die Minuten nach dem Triumph Trainer Jacqué. Zu ihm stürmte Matteo nach dem Schlusspfiff und umarmte den „Chief“ des SCN innig. Jacqué wiederum hat die Partie ganz abgeklärt verfolgt und ließ sich nach dem Erfolg nicht in seine Gefühlswelt blicken. Stattdessen analysierte er die Spielweise seines Schützlings: „Matteo hat sich gut präsentiert. Er zeigte viele Zuspiele, die zu Toren für Cannstatt führten, holte Zeitstrafen. Er hat gezeigt, was er bei uns gelernt hat. Er hat abgeklärt gespielt, seine Pässe sind angekommen, er hat das Spiel beruhigt. Er hat zum Sieg beigetragen.“

Für Jacqué kamen Erinnerungen auf, als er 2019 mit der Neustadter U16 Rang drei im Finalturnier geholt und zwei Jahre später mit der U18-Mannschaft deutscher Vizemeister geworden war. Damals war jeweils Matteos Bruder Luis im Juniorenteam erfolgreich. Ob die aktuelle U18 des SCN, zu der Matteo Ananias im Januar nach dem Vereinswechsel zurückkehrt, erneut zu solchen Höhenflügen gegen die große nationale Konkurrenz fähig ist, wird sich zeigen.

Matteo Ananias (l.) bedankt sich bei seinen SCN-Kollegen (v. l.) Leon Köppl, Tim Weißler, Max Boeckmann, Joona Vagts, Benedikt G
Matteo Ananias (l.) bedankt sich bei seinen SCN-Kollegen (v. l.) Leon Köppl, Tim Weißler, Max Boeckmann, Joona Vagts, Benedikt Grüne.
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