Neustadt
Mannheim gewinnt Mixed-Staffel auf Mastersschwimmfest in Deidesheim
Roland Böhme vom SV Mannheim wollte es diesmal wissen. Der 58-jährige Schwimmer nimmt schon seit 30 Jahren am Mastersschwimmfest in Deidesheim teil. Bei der jetzt 58. Veranstaltung hat er es endlich geschafft, für die Mixed-Staffel zum Abschluss des Wettkampfes sieben weitere Teammitglieder zu aktivieren. „Das ist gar nicht einfach, schließlich müssen es vier Frauen und vier Männer sein, das Mindestalter ist 20 Jahre“, erklärte er.
Deidesheim. Überglücklich waren die Mannheimer nach dem Sieg über achtmal 50 Meter Kraul vor dem SV Nikar Heidelberg. „Wir können es selbst kaum glauben“, sagten sie. Die Jüngste im Team war Lina Salerno. Die 32-Jährige arbeitet an ihrem schwimmerischen Comeback, nachdem Tochter Lotta inzwischen ein Jahr alt geworden ist. Startschwimmerin war Silke Will. Die 54-jährige frischgebackene Großmutter wollte als Erste ins Wasser, „damit ich die Staffel nicht versaue“. So baute sich das Mannheimer Team nach Schwimmstärke auf. „Bis zum dritten Schwimmer lagen wir noch auf Platz drei“, so Roland Böhme. Er wusste nur, dass seine Mannschaft jetzt den Wanderpreis, ein Holzfass, gewonnen hatte. Ob und mit wie viel Weininhalt, das war noch offen. Bei der Siegerehrung aber wurde deutlich: Das Fass war leer. Es dient lediglich als Trophäe zu Dekorationszwecken. Wer es dreimal beim Masterschwimmfest erobert, darf es behalten. Wenn es fünfmal hintereinander keinen Wiederholungstäter gibt, verbleibt es schließlich bei dem Verein, der es dann gerade verdient hat. Eine komplizierte Regelung, wie SV-Vorsitzender Möbus gesteht. Wein gab es schließlich doch noch. Je nach Starts erhielten die Vereine eine gewisse Anzahl an Weinpräsenten.
Mit drei Siegen trumpfte Lokalmatador Thomas Oehl auf. Der 55-Jährige klagte aber, dass die Teilnehmerfelder etwas dünn besetzt gewesen seien. So hatte er über 50, 100 und 200 Meter Kraul nur wenige Konkurrenten. Oehl startete vor zwei Wochen bei den deutschen Masters-Meisterschaften in Karlsruhe und landete über seine Paradestrecken auf den Plätzen sechs, sieben und zehn. Interessant für ihn ist bei den Schwimmwettkämpfen, dass die Bahnen und Wettbewerbe nach den Meldezeiten zusammengestellt werden. „Da kann es passieren, dass man gegen einen 30-Jährigen schwimmt. Das motiviert einerseits, andererseits denkt man, oweia, das könnte ja mein Sohn sein“, verrät Oehl.
Die 79 Schwimmer absolvierten in Deidesheim 288 Starts. Vereinschef Möbus war mit vielen Helfern schon Tage zuvor mit der Organisation befasst. „Es ist ein tolles Gemeinschaftsgefühl, etwas im Verein zu bewegen. Wir sind dankbar, dass wir dieses Schwimmbad in Deidesheim nutzen können“, sagte er. Und Sylvia Meng, die für den sportlichen Ablauf verantwortlich war, freute sich über die vielen bekannten Gesichter. „Gisela Petry aus Mainz ist die älteste Teilnehmerin. Die 82-Jährige war nur einmal nicht in Deidesheim am Start, seit es unser Schwimmfest gibt“, erklärte Meng. Eine der weitesten Anreisen dürfte Andreas Molitor aus Berlin gehabt haben. Meng: „Auch er kommt immer wieder. Ein Zeichen, dass es ihm bei uns gefällt.“
Am Ende waren die Wettkämpfe sogar schneller durch, als ursprünglich im Zeitplan vorgesehen. „Es gab keine Disqualifikationen. Es war heute einfach eine runde Sache“, erzählte Meng.
Das zeigte auch die gelöste Atmosphäre im gesamten Schwimmbadareal. Die einzelnen Vereine wuchsen in Deidesheim erneut zu einer großen Schwimmerfamilie zusammen. So gab es auch fünf Familienstaffeln, zwei davon konnte der SV Deidesheim bestücken. Voraussetzung war, dass mindestens zwei Generationen in einer Mannschaft vertreten sind. Gewonnen hat Familie Behnsch vom Offenbacher SC. Als gute Gastgeber überließen die Deidesheimer Familienstaffeln Möbus und Becker Rang zwei der Familie Traxel aus Mainz.
Nur eines müssen Möbus und Becker noch klarstellen: „Wir sind keine Senioren, es heißt nicht Seniorenschwimmfest, sondern Mastersschwimmfest.“ Laut Deutschem Schwimmverband dürfen Schwimmer mit einem Mindestalter von 20 Jahren an Wettkämpfen für Masters (Masters-Wettkampfveranstaltungen) teilnehmen. Die Altersklassen reichen von der AK 20 in Fünf-Jahres-Schritten bis hinauf zur AK 100.