Neustadt „Manchmal an der Schmerzgrenze“

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Herr Valnion, ich hatte einen harten Tag bislang. Bringen Sie mich bitte zum Lachen ...

(lacht selbst) Fasnacht ist eine ernste Sache, da wird nicht oft gelacht, und es ist nicht immer zum Lachen, wie manche meinen. Manchmal geht es sogar fast an die Schmerzgrenze. Wie oft wurden Sie denn bereits dazu aufgefordert, so wie eben von mir? Ach Gott, unzählige Male. Während man andererseits nicht spontan sein darf, wie ich bei der Auswahl des Sitzungspräsidenten für die letztjährige Fernsehfasnacht erfahren musste. Da hatte mich die Vereinigung Badisch-pfälzischer Karnevalvereine vorgeschlagen, doch entschied sich das Südwestfernsehen für einen anderen. Das Fernsehen macht die Fasnacht schon ein Stück weit kaputt, da alles bis aufs letzte I-Tüpfelchen vorgeschrieben wird. Sie sind Sitzungspräsident, aber auch Aktiver, zum Beispiel als „Bote von Stadt, Land, Bund“. Und betreiben seit 13 Jahren einen Friseursalon. Schnappt man da einiges an Ideen bei der Kundschaft auf? Oh ja, es gibt schon einige Anregungen. Vor allem, wenn es um die Zufriedenheit mit der Stadtpolitik geht. Nicht umsonst habe ich als Bote davon gesprochen, dass Neustadt als früherer „Perle der Pfalz“ zwar die Pfalz geblieben, aber die Perle abhanden gekommen ist. Das fand nicht jeder Politiker witzig ... Jetzt machen Sie mich neugierig. Haben Sie denn auch schon einen Tipp für den Ausgang der OB-Wahl? Durchaus kristallisiert sich bei den Kunden schon heraus, wer es werden soll und wer auf keinen Fall. Aber selbstverständlich schweige ich an dieser Stelle darüber. In Ihrem Salon hier in der Branchweilerhofstraße ist auch die fünfte Jahreszeit eingekehrt. Sind die Dekostücke persönliche Erinnerungen? Ja, wie die beiden Clowns dort unter der Glashaube zusammen mit einigen Orden, die ich bekommen habe. Der Clown hat für mich schon immer eine große Rolle gespielt: Die Leute zum Lachen zu bringen, das ist schon schön. Aber nur, wenn es auch ehrlich gemeint ist und nicht aufgesetzt wirkt! Natürlich. Aber das Publikum spürt sofort, dass, wie in meinem Fall, Fasnacht ein Lebenselixier ist. Für das Sie indes vor allem in Köln auftanken. Reicht Neustadt nicht aus? Für mich ist die Kölner Fasnacht etwas ganz Großes, dort wird sie richtig gelebt. Deshalb bin ich auch immer wieder dort. Sie hat viel Potenzial, von dem ich auch ein wenig zu uns bringen will. Wie ist denn der aktuelle Trend? Auch in Köln geht der Trend hin zur Partysitzung, also mehr feiern und weniger zuhören. Wir haben beim Karnevalverein Neustadt schon viel Musik drin, das muss man jetzt noch besser in den Griff bekommen. Soll heißen? Zu überlegen wäre, ob wir eine Gala-Sitzung, sozusagen fürs reifere Publikum, und eine Kostümsitzung für jüngere Besucher machen. Zumindest habe ich mit Blick auf unser 177. Jubiläum in der nächsten Session schon mal den Till aus Mainz gebucht. Billig ist das alles ja nicht, vor allem, wenn man wie der KVN mit vielen Gastnummern lebt, oder? Wir haben zum Glück unsere Sponsoren, können uns das also leisten. Darüber hinaus ist es aber gar nicht so schlecht, nicht nur Eigengewächse zu haben. Ist es nicht genau umgekehrt? Ich denke nein. Denn bei Eigengewächsen besteht die Gefahr, dass das Programm jedes Jahr ähnlich ist. Andererseits ist es gut, wenn jeder Fasnacht nach seiner Façon macht. Aber schön ist doch, wenn es dafür genug Nachwuchs gibt. Wie steht es denn damit beim KVN? Bei den Garden sind wir gut aufgestellt. Schwieriger ist es mit Aktiven in der Bütt’ und im Senat. Was uns wirklich fehlt, sind Männer im Alter zwischen 30 und 60. Woran liegt das denn? Vielleicht gibt es heutzutage einfach zu viele Fasnachtsvereine oder Abteilungen. Früher zählte Neustadt nur drei, da war es möglicherweise einfacher. Es gibt jetzt eine Initiative, am 25. Februar die Straßenfasnacht wieder aufleben zu lassen. Sie sind dabei? Vor vielen Jahren gab es den Neustadter Narrenrat mit Vertretern aller Karnevalvereine. Da haben wir schon auf der Straße gefeiert, doch hat die Stadt das mit immer mehr Auflagen kaputt gemacht. Die jetzige Initiative sollte auf jeden Fall eine Chance bekommen. Ich bin dabei, und ich hoffe viele andere Neustadter auch. Apropos dabei: In der Martin-Luther-Kirche hält Pfarrer Frank Schuster am 26. Februar eine Fasnachtspredigt ... Da will ich auch dabei sein. Und vorher unseren Aktiven sagen, dann auch in die Kirche zu gehen. In Köln hat ja jeder Verein seinen Regimentsprediger. Der spendet vorab Gottes Segen. Schließlich sind Fasnacht und Christentum miteinander verbunden. Und jetzt noch Hand aufs Herz: Gibt es denn den ultimativen Tipp für einen Sitzungspräsidenten, wenn das Publikum im Saal so gar nicht in die Gänge kommen will? Klar: Aufstehen, an den Bühnenrand treten, zum Singen auffordern und den Takt vorgeben. Ein guter Sitzungspräsident weiß immer, wie er sein Publikum behandeln muss. Und ab wann ist er bereit, von der Bühne auf die Tische zu springen? Eigentlich immer. |

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