MAIKAMMER
Maikammer: Boulevardtheater feiert seinen Einstand im Bürgerhaus
Mit dem Einstand im Rassiga-Keller des Bürgerhauses wird das kulturelle Leben in Maikammer um eine weitere Attraktion reicher. Darin sind sich an diesem Abend alle einig. Und tatsächlich: der Raum mit seinem Sandstein-Gewölbe besticht beim Eintritt sofort durch seine warme Atmosphäre und das familiäre Flair mit seinen nur 90 Plätzen.
„Die Clique“ rockt den Abend
„Das große Interesse unseres Publikums hat dazu geführt, dass wir uns an weiteren Orten in der Umgebung umgesehen haben“, berichtet Theaterleiter Boris Stijelja im Gespräch, wie es zu dem zusätzlichen Standort kam. Und auch, dass er sehr froh sei, dass die Wahl letztlich auf Maikammer gefallen ist. Denn ihn verbindet inzwischen eine enge Freundschaft mit Christian Baumann, der als Hausverwalter des Bürgerhauses schon vor vier Jahren bei einem ersten Gastspiel der Deidesheimer sein Ansprechpartner war. Der 54-jährige Unternehmer aus Maikammer fungiert jetzt bei der Zweigstelle auch als verantwortlicher Mann vor Ort. Zusammen mit etlichen Freunden, die sich „Die Clique“ nennen, hat er erhebliche Investitionen für Licht und Technik getätigt und auch das Bühnenbild für die Auftritte angefertigt. Das Inventar verbleibt deshalb stets in Maikammer. „Das einzige, was wir hin- und herfahren, sind die Kostüme“, sagt Boulevardtheater-Vorstandsmitglied Rüdiger Willisch. „Das ist schon beeindruckend, was man hier geschaffen hat“, ergänzt der Deidesheimer Foyerleiter Stefan Beyer mit Blick auf das Equipment, das wegen den vielen Veranstaltungen im Rassiga-Keller allerdings immer wieder auf- und abgebaut werden muss.
Theater statt Karneval
Auch Schauspieler Tim Poschmann, der an diesem Abend an der Seite von Patricia Kain in „Bleib doch zum Frühstück“ auf der Bühne steht, zeigt sich beeindruckt von den Bedingungen vor Ort. Sogar ein Schminkraum sei vorhanden. „Es ist schön, auch an weiteren Orten spielen zu können“, meint er etwas aufgeregt so unmittelbar vor der Premiere, während Baumann in der Maske vor dem Spiegel Patricia Kain in die Arme nimmt. „Mich hat das Theater begeistert“, sagt er, wundert sich aber selbst ein bisschen, wie schnell letztlich alles realisiert wurde. Noch vor fünf Jahre engagierte er sich beim örtlichen Karnevalsclub. „Ich habe mir dann eine Pause verordnet und von der Fasnacht verabschiedet. Jetzt bin ich froh, dass wir hier ein Theater haben. Es macht einfach Spaß“, sagt er. Und beim Stück „Pleite, aber sexy“ steht er sogar selbst auf der Bühne. „Das war eine Spontan-Idee von Boris, aber mehr möchte ich auch nicht machen“, lacht Baumann. Er engagiere sich lieber hinter den Kulissen.
Und die Aufgaben sind keinesfalls wenig. Von der Programmerstellung über die Webseite bis hin zu Ticketverkauf, Bardienst und Reinigung – um alles kümmert sich die „Clique“, der auch noch Rainer und Renate Orth, Frank und Stephanie Großhans, Meggy und Joachim Kiefer, Bettina Horn, Frank Heß, Ilona Steinmetz sowie Baumanns Ehefrau Michaela angehören. Natürlich sind alle froh, dass an diesem Abend alles reibungslos klappt – und auch das zahlende Publikum mit Begeisterung reagiert. In der Spielzeit 2020 sind nach aktuellem Stand 20 Veranstaltungen des Boulevardtheaters in Maikammer geplant. Der nächste Höhepunkt soll schon am 1. Mai folgen, wenn das „Lachfestival Maikammer XXL“ mit Comedy-Größen wie Markus Maria Profitlich, Kättl Feierdach, Spitz & Stumpf und einigen mehr im großen Saal mit über 400 Plätzen über die Bühne gehen wird. „Der Zuspruch ist enorm“, freut sich Stijelja. Die Veranstaltung ist bereits ausverkauft.
Kein Wegzug auf Raten
Mit der Filiale in Maikammer werde sich allerdings am Standort Deidesheim nichts ändern. „Deidesheim bleibt unser Mutterhaus“, sagte der Theaterleiter. Damit erteilt er allen Spekulationen, wonach nun ein Wegzug auf Raten eingeleitet sei, eine klare Absage. Und er belegt dies mit Zahlen: „In Deidesheim haben wir in der Spielzeit über 170 Veranstaltungen mit insgesamt 17.000 Besuchern. Da kommen wir schnell an unsere Grenzen.“ Mit der Ausweitung nach Maikammer wolle das „Theater mit Herz“ schlicht und ergreifend seine Kapazitäten erweitern.