Neustadt Männer, Männer, ach so leidend

Bei der Kur zeigen sich die Klassenunterschiede: Martin Rassau (links) ist „privat“, Bernhard Ottinger nur „Kasse“. Die Zipperle
Bei der Kur zeigen sich die Klassenunterschiede: Martin Rassau (links) ist »privat«, Bernhard Ottinger nur »Kasse«. Die Zipperlein plagen die beiden in »Lou mer mei Rouh« aber gleichermaßen.

«Deidesheim». „Bin ich froh, dass ich ein Mann bin. Wenn ich denke, was ich als Frau alles auszuhalten hätte mit den Männern …“ Klar doch: rauschender Beifall von weiblichen Handpaaren nach diesem Statement. In der Tat war es ein herber, zuweilen derber Blick hinter die Kulissen des von der Midlife-Crisis geschüttelten männlichen Egos, den das Duo Martin Rassau und Bernhard Ottinger da am Dienstagabend im Boulevardtheater Deidesheim über die Rampe schickte. Der ausverkaufte Saal tobte.

„Männer, Schnupfen und andere Wehwehchen“, auf gut Fränkisch „Lou mer mei Rouh“, war das gnadenlos mit allen Klischees rund um die altersbedingten Ausfallerscheinungen des „starken Geschlechts“ hausierende Programm der beiden überschrieben. Angesiedelt hat das an der Comödie Fürth beheimatete Comedy-Gespann sein Slapstick-Panorama im Kurort Bad Kissingen – gelegentliche Ausflüge nach Deidesheim allerdings nicht ausgeschlossen –, wo man, ganz en passant, im Garten des Reha-Zentrums auf einer Parkbank den alten Freund wiedertrifft. Kleiner Unterschied: er – Martin – ist „privat“, jener – Bernhard – nur „Kasse“. Das liefert nun jede Menge Steilvorlagen für drastische Schilderungen des jeweiligen Kur-Alltags und freche Anspielungen auf das Oben und Untern im deutschen Gesundheitswesen. Wohlgemerkt – stets schlagfertig und zum Schenkelklopfen witzig, eher unterschwellig kritisch, mit dem Akzent auf parodistischer Übertreibung. Im Grunde ist der ganze Abend dabei entwaffnend unpolitisch. Die männliche Befindlichkeit schlechthin ist das Thema. Und der spüren die beiden in der ganzen Bandbreite zwischen der Business-Class eines gehobenen Kuraufenthalts und der eines Kassenversicherten mit drittklassiger Minimalversorgung nach – vom Frühstück zwischen Büfett-Lounge und Margarineschrippe bis zu den eigentlichen Behandlungen mit Moorbad und Verwöhn-Massage hier, Trimm-dich-Pfad und Blutabnahme durch einen ehemaligen Metzger da. Auch die gerne bemühte Chefarztbehandlung fehlt natürlich nicht, wie auch sonst alle nur denkbaren Medizin-Gemeinplätze fröhliche Urständ’ feiern. Dargeboten wird das alles in einem rhetorisch absolut feingeschliffenen Schlagabtausch der beiden Comedians. Kinderlosigkeit wird da zum Thema – „Wir haben keine Kinder, es wird ja immer mal eine Generation ausgelassen“ –, ebenso wie das Schreckbild der veganen Ernährung: „Eines Tages steh’ ich noch mit meiner Bratwurst bei den Rauchern vor der Tür.“ Die Larmoyanz – da zwickt`s, dort zwickt’s – wird köstlich choreographiert in einer alle Zipperlein der Gesamtkörpererfahrung geradezu feiernden Slapstick-Szene. Auch Schwiegermutter-Blues und die nur unterschwellig eingestandene Umschau nach einem Kurschatten – Tanztee! – beleben den Plot erfrischend. Wer im Bezug auf kernige Anmachsprüche noch was lernen wollte, findet ebenfalls beste Anregungen: „He, Schnittchen – schon belegt?“ Alles spielt sich dabei auf einer einzigen Parkbank in der Bühnenmitte ab, die die beiden Herren der Schöpfung in jeweils der Szene angepassten Outfits mit herbsüßem fränkischen Zungenschlag sehr unverkrampft und in ständigem Dialog mit dem Publikum belagern. Mancher mochte sich da wehmütig der „Sketchup“-Szenen einer vergangenen TV-Epoche erinnern. Mit Sprachwitz und rasantem Schlagabtausch kalauerten sich die beiden Stars so durch mehr als zwei Stunden „Lachsack“-Programm. Kein erdenschwerer Tiefgang, aber allerbeste Unterhaltung, einfach nur zum Ablachen. Auch das Deidesheimer Publikum ging dabei prächtig mit.

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