Neustadt
Liebesklänge zwischen Treppen: Folk-Duo „Minor Gold“ begeistert in Volkshochschule
Tracy McNeal und Dan Parsons, beide Gesang und Gitarre, sind beruflich und privat eng verbunden, was nicht immer einfach ist, denn McNeal stammt aus der kanadischen Provinz Ontario, während Parsons in Queensland/Australien beheimatet ist. Im Zuge des Corona-Lockdowns fanden sie sich auf Parsons elterlicher Farm wieder und nutzten die Zeit, um Songs zu schreiben, die sie jetzt unter dem Namen „Minor Gold“ präsentieren. Ihre stark am Sound amerikanischer Westcoastbands angelehnten Lieder kamen hervorragend an, was dazu führte, dass schnell Tourneen in Australien, Amerika und Europa gebucht wurden.
In Deutschland ist das Duo, nach 2025, nun bereits zum zweiten Mal unterwegs und scheint sich spürbar wohlzufühlen. Dan Parsons hat sich ein paar Worte Deutsch beigebracht. Für seinen mit viel Mühe herausgebrachten Satz „Guten Abend – ich freue mich hier, in Neustadt, zu sein“ durfte er rauschenden Beifall entgegennehmen. Mit Applaus und begeisterten Pfiffen zeigte sich das Publikum an diesem Abend überhaupt sehr großzügig – selten wurde bei einem Treppenhauskonzert so viel geklatscht. Vielleicht lag das auch an der neuen Location, die es erlaubte, die provisorische Bühne so zu platzieren, dass sie von zwei Treppen gleichzeitig eingesehen werden konnte. Wahrscheinlicher ist aber, dass die romantische, und damit zum Valentinstag passende, Musik überzeugte. Viele Pärchen hatten es sich auf den Treppenstufen, so weit das möglich war, gemütlich gemacht und lauschten den verzauberten Klängen der „Goldglöckchen“, einer Forsythienart, nach der sich „Minor Gold“ benannt haben. Zwar behaupten manche, „Minor Gold“ wäre der Geologensprache entnommen und bedeute eine geringe Menge gefundenes Gold. Am „Tag der Liebenden“ kommt die „blumige“ Namenserklärung aber schöner rüber.
Reduziert aufs Notwendige
Fast alle Lieder drehten sich um die Liebe. Ein Songtitel aus dem aktuellen Album „Way To The Sun“ lautet „Lighter Shade Of Blue“, frei übersetzt „Ein Hauch von Melancholie“. Tatsächlich hätte kaum jemand die Atmosphäre, die über dem Konzert lag, treffender beschreiben können. Das Repertoire beinhaltete, neben bereits bekannten Stücken wie „Mona Lisa“ oder „Cannonball“, alle zehn Songs aus der neuen Langspielplatte, die deutlich balladesker daherkommt als die früheren Aufnahmen. Vielleicht scheint das aber auch nur so, weil die Nummern im Duo-Vortrag auf das Wesentliche reduziert sind und somit zwangsweise ohne Perkussionsinstrumente vorgetragen werden müssen, was ihnen viel mehr Ruhe gibt.
Auch beim Equipment beschränkten sich McNeal und Parsons auf das unbedingt Notwendige. Ein zentrales Bühnenmikro in Kugelform im Stil alter Folk- und Bluegrass-Sessions genügte ihnen, um Gesang und Gitarren abzunehmen. Ihre Songs leben von den zwei perfekt harmonisierenden Singstimmen. Parsons sieht aus wie ein junger Cat Stevens und singt wie ein später James Taylor, und McNeal versteht es, den Satzgesang mit glockenklarer Sangeskunst zu veredeln.
Noch nicht drüber hinweg
„The One Who Loves You“ startet mit einem A-cappella-Intro, „Way With Words“ glänzt mit Ohrwurmcharakter, und „Pretty Peggy“ hat – in kompletter Bandstärke gespielt – das Zeug dazu, ein echter Rocker zu sein. Zu einem Highlight des Konzerts, bei dem es während der Liedvorträge mucksmäuschenstill war, wurde „(I’m Not) Over You“. Wayne McNeil, Singer/Songwriter und Vater von Tracy McNeal, hatte das Stück kurz vor seinem Tod geschrieben und es wurde ihm nun von seiner Tochter und ihrem Partner gewidmet. Auch hier geht es um die Liebe. Der Erzähler glaubt, mit seiner großen Liebe abgeschlossen zu haben – und dann steht die Person plötzlich wieder vor ihm, und alles, was er rational sortiert hatte, fällt in sich zusammen. Die logische Folgerung: Nicht Drama, sondern die Erkenntnis, dass nicht Wut, nicht Vorwurf, sondern dieses leise, fast beschämte Eingeständnis „Ich bin doch noch nicht über dich hinweg“ neue Perspektiven eröffnet. Ein wunderbarer Schlusspunkt zu diesem bemerkenswerten Valentinskonzert.