Sportstypen RHEINPFALZ Plus Artikel Leichtathletin Gina Felden will wieder auf zwei gesunden Füßen stehen

Gina Felden vom TV Gimmeldingen beim Neuroathletiktraining für das Speerwerfen, rechts Trainer Lothar Spilke.
Gina Felden vom TV Gimmeldingen beim Neuroathletiktraining für das Speerwerfen, rechts Trainer Lothar Spilke.

Gina Felden vom TV Gimmeldingen liebt Leichtathletik. Eigentlich will sie Siebenkämpferin werden. Seit einer Verletzung plagen sie Schmerzen im linken Fuß. Sie gibt nicht auf und wird sogar Pfalzmeisterin. Eine Therapie soll ihr jetzt helfen.

Obwohl sie seit drei Jahren an einer schmerzhaften Fußverletzung laboriert, gibt Gina Felden nicht auf. Die 16-Jährige aus Lachen-Speyerdorf wurde jüngst trotz körperlicher Einschränkungen vierfache Pfalzmeisterin im Kugelstoßen und Speerwurf. Zwei der Titel holte sie in der höheren Altersklasse U20. Ihr Trainer Lothar Spilke vom TV Gimmeldingen hat sich in den vergangenen Monaten viele Gedanken gemacht, wie er für Felden ein Wurftraining aufbauen kann, ohne den erkrankten Fuß zu belasten.

Ausgerechnet beim ersten Siebenkampf 2020 meldeten sich die Schmerzen in Gina Feldens linkem Fuß. Die Diagnose „Kahnbeinbruch“ musste Felden neun Monate lang aussitzen und auf eine normale Belastung des Fußes verzichten. Aufs Training hat sie dennoch nicht verzichtet. Krafttraining für den Oberkörper und Würfe im Sitzen mit Tennisbällen, 600 Gramm-Bällen und schweren Medizinbällen sollten zumindest einen Teil ihrer Fähigkeiten erhalten.

Schmerzen kommen wieder

Die Verletzung war auskuriert, zwischendurch folgte eine fast normale Saison, sieht man von den Wettkampfeinschränkungen in der Corona-Zeit einmal ab. Felden: „Doch dann hatte ich wieder Schmerzen in dem Fuß und war bei sehr vielen Ärzten, es wurde auch ein MRT gemacht. Doch erst ein Spezialist am Tegernsee erkannte die Ursache meiner Probleme.“ Er diagnostizierte ein „Morton Neurom“. Die Verdickung der Mittelfußnerven führte zu den Schmerzen.

Die erste Behandlung erfolgte mit einem gespritzten Medikament, durch das eine Art Keil zwischen Nerven und Knochen geschoben werden sollte. Felden: „Man sagte, dass dadurch 80 Prozent der Patienten beschwerdefrei werden.“ Zunächst ging es ihr wieder besser, doch jetzt tauchten die Probleme wieder auf. Im Sommer ist daher eine Spritzenkur mit Eigenblut vorgesehen. Felden: „Es ist meine letzte Hoffnung.“ Und sie setzt darauf, dass danach die Beschwerden verschwinden. Denn sonst hätte sie ihren Sport schon an den Nagel gehängt.

Stark bei Pfalzmeisterschaften

Ein spezielles Trainingsprogramm ihres Trainer Lothar Spilke hat ihr in den vergangenen Wochen geholfen und sie so an die pfälzische Spitze ihrer Altersklasse im Speerwurf und Kugelstoßen gebracht. Felden: „Der Arzt sagte uns, dass sich die Beschwerden durch Belastung nicht verschlimmern. Es ist einfach nur schmerzhaft und gereizt, wenn die Belastung zu stark wird.“ Daher läuft sie sich im Training auch ganz normal locker ein. Es kommt ihr zugute, dass sie als Linkshänderin als Stemmbein beim Wurf das rechte Bein einsetzt, das daher automatisch stärker belastet wird als ihr linker Fuß. Sie schildert lapidar ihre Technik: „Speerwurf einfach nur im Fünferrhythmus, da gibt es keinen langen Anlauf.“

Bei den jüngsten Pfalzmeisterschaften ihrer Altersklasse U18 siegte sie mit 30,85 Meter im Speerwurf und mit 10,77 Meter im Kugelstoßen. Doch sie nahm einen Tag vorher bereits bei den Pfalzmeisterschaften in der U20 teil. Dort war die Kugel ein Kilogramm schwerer, das bedeutet „Frauengewicht“ ab der U20. Felden: „Der Unterschied von drei auf vier Kilo ist natürlich krass.“ Trotzdem siegte sie mit 8,96 Metern. Beim Speer steigerte sich das Gewicht von 500 Gramm auf 600 Gramm. Damit kam sie gut klar und gewann mit 32,22 Metern.

Warten auf die Kur

Jetzt fiebert sie der Spritzenkur entgegen. Sie gesteht: „Es war anfangs mental schon schwer, nicht das zu machen, was man eigentlich möchte. Schließlich wollte ich Siebenkämpferin werden. Aber dann sagte ich mir, ich mache jetzt seit zwölf Jahren Leichtathletik, ich habe das Problem seit drei Jahre. Das überstehe ich auch, und dann bin ich wieder voll dabei.“

Coach Spilke hat in den Zeit der Verletzung neben den Kontakt zu den Ärzten immer wieder neue Übungen für seine Athletin eingebaut. Er betont: „Eine solche Zeit als Athletin durchzustehen, ist eine Frage des Charakters. Während ihres Kahnbeinbruchs hat Gina quasi neben der Gruppe trainiert. Hut ab, die meisten Sportler hätten aufgegeben.“ Kraft und Rumpfbeugen sollten den Körper trainieren, ohne auf den Füßen zu stehen. Beidseitige saubere Kniebeugen ohne den Fuß zu bewegen, Würfe aus dem Stand, sitzend und auf den Knien baute Spilke ins Training ein. „Ich habe mit den Ärzten telefoniert, gemailt, irgendwie immer auch improvisiert.“

Geholfen hat Gina Felden die restliche Trainingsgruppe des TV Gimmeldingen: „Natürlich war es einerseits schwierig zu sehen, dass die anderen Mädels alles machen können. Aber sie motivierten mich auch, sie wollten, dass ich dabei bleibe.“ Jetzt heißt es also abwarten, ob die geplante Behandlung erfolgreich ist und Felden wieder als Mehrkämpferin ins Training auf zwei gesunden Füßen einsteigen kann.

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