Neustadt Leckerbissen für die Langstreckenläufer
Hans Spindler ist ein „Urforster“. Das Weingut Heinrich Spindler mit angeschlossenem Gutsausschank liegt seit vielen Generationen in Familienhand. Der Winzer war zwölf Jahre lang Ortsbürgermeister (bis 2009) und mehr als 30 Jahre lang Gemeinderatsmitglied. Spindler ist schon immer sehr sportlich gewesen, seine Hobbys sind Joggen, Skifahren und Tennisspielen. Die Teilnahme am Weinstraßenmarathon von Bockenheim nach Bad Dürkheim, der alle zwei Jahre stattfindet, gehört mit zu seinem Pflicht-Programm. Seine langjährigen Mitstreiter sind die „Forster Riesling Runners“, eine Gruppe aus sechs Gleichgesinnten, die sich vor 20 Jahren aus einer Riesling-Laune heraus formiert haben. Nach der ersten „Riesling und mehr“-Weinprobe im Keller des ehemaligen Gutshofes Schott wollten sie sich am „nächsten Morgen die Kalorien wieder ablaufen“, erinnert sich Spindler schmunzelnd. Seitdem treffen sich die Jogger zweimal pro Woche am frühen Morgen um 6.30 Uhr und laufen von Forst nach Wachenheim durch die Weinlagen über Deidesheim wieder nach Forst. Der Lauf dauert rund eine Stunde. Mit von der Partie sind neben ihm Hans-Peter Gans aus Deidesheim und die Forster Bernhard Klein, Peter Lucas, Peter Mosbacher und Sabine Mosbacher-Düringer. Mittlerweile hat Spindler den Weinbaubetrieb in die Hände seines ältesten Sohnes Marcus übergeben, dessen jüngerer Bruder Florian ist seit zwei Jahren Küchenchef des 83 Jahre alten Gutsausschankes, den Mutter Johanna leitet. Doch der Vater hat sich mit 68 Jahren noch lange nicht aufs Altenteil zurückgezogen. Er steht mit Rat und Tat weiterhin zur Verfügung. Neben seiner Passion, dem Riesling Wein, wird Sport weiter groß geschrieben. Im Winter unternimmt der drahtige Senior mehrmals Kurzreisen zum Skilaufen. Insgesamt läuft er 20 Kilometer pro Woche. Wenn er für einen Marathon trainiert, weitet er das Pensum auf 50 Kilometer wöchentlich aus. Ab sieben Tage vor dem Ereignis trainiert er überhaupt nicht. Ein tolles Erlebnis sei der 32. Marathon du Médoc in Bordaux im September gewesen, an dem er zum ersten Mal teilgenommen habe, berichtet der 68-Jährige. Anstoß dazu hat sein Freund Wolfgang Pauls aus Solingen gegeben, der ihn begleitet hat. Pauls kommt häufig in seine Ferienwohnung nach Deidesheim. „Wir sind für fünf Tage nach Frankreich geflogen und haben in einem alten Château übernachtet.“ Die Laufstrecke führte von Pauillac an der Gironde von einem Schloss zum anderen, insgesamt 59, die meisten unbewohnt. Selbst bei diesem Sport-Großereignis ließ das französische „savoir vivre“ grüßen. Denn schon nach zwei Kilometern habe es Frühstück gegeben, später Sekt und Austern und nach jedem weiteren Kilometer andere Leckerbissen, vom Käse bis zur Weinprobe, eine wahre Schlemmertour also. Auch Musikdarbietungen haben nicht gefehlt. Kein Wunder, dass viele der 8000 Teilnehmer aus aller Welt länger als gewöhnlich für die 42,195 Kilometer benötigten. Dennoch gab es auch in Bordeaux Läufer, die nur auf die Zeit achteten und die kulinarischen Verlockungen ignoriert haben. So erreichte der Sieger das Ziel schon nach zweieinhalb Stunden. Spindler und sein Freund liefen nach rund sechs Stunden über die Ziellinie und landeten im guten Mittelfeld auf Platz 3370. „Die als Mitbringsel gedachte Gänseleberpastete haben sie uns vor dem Rückflug leider aus dem Handgepäck genommen“, bedauern die beiden Läufer aus Forst und Solingen.