Neustadt Lebensfreude und Wein

Ging in die Beine: die „Kultnacht“ in Deidesheim.
Ging in die Beine: die »Kultnacht« in Deidesheim.

«Deidesheim.»Eine „Kulturnacht in den Mai“ mit allem, was das Leben heiter und schön macht, hat die TC-Bigband aus Haßloch in der Stadthalle Deidesheim den Freunden des Swing am Dienstag geboten.

Zutaten waren nicht nur Swing-Musik, sondern auch Swing-Tanz, eine Weinprobe des Pfarrweinguts St. Urban in Deidesheim, damit sich die Beine ein wenig erholen konnten, und – auch die Dichtung sollte zu ihrem Recht kommen – in der Pause trug der Präsident der TC-Bigband, Dr. Gerd Wolff ein Lobgedicht auf die Pfalz vor, das viel bejubelt wurde. Was bei den vielen Bigband-Konzerten manchmal aus dem Blick gerät: Swing ist von ihrem Ursprung her Tanzmusik. In den Ballsälen New Yorks entstand ab den 1920er Jahren der Swing als Musik- und Tanzrichtung aus afroamerikanischem Jazz und „weißer“ Marschmusik. Seine Blütezeit erlebte der Stil in den 1930er und 40er Jahren. Der Titel „Stomping at the Savoy“ – gemeint ist der Savoy Ballroom in Harlem, New York – erinnert noch daran. „Lindy hop“ hieß der ursprüngliche Tanz, später kamen andere Richtungen hinzu, in Deutschland, wohin der Swing durch die amerikanischen Soldaten ab den 1950ern kam, entstand der Boogie-Woogie. In Deidesheim zeigten die „K-Town Swing-Dancers“, eine Hobby-Tanzgruppe aus Kaiserslautern, den Gästen zunächst die Grundschritte des Lindy hop zum Mitmachen. Eine ganze Stunde wurde vergnüglich miteinander geübt. Die „Dancers“ mischten sich unter die Anfänger und übten mit ihnen. Die Musik dazu kam erst vom Band. Etwa nach einer guten Stunde betraten die Musiker der TC Bigband die Bühne, und nun wurde es ernst. Aber auch mit der Live-Musik nahmen es manche der Anfänger-Paare auf, die Kaiserslauterer Swing-Dancers sowieso – es war ein Vergnügen für die Zuschauer, den Kaiserslauterern zuzuschauen. Die TC Bigband haben mit Paul Schütt einen Dirigenten, der quasi mit allen Wassern des Swing gewaschen ist – als Posaunist hat er mit der SWR-, HR- oder Rias-Berlin Bigband, mit Peter Herbolzheimer, Paul Kuhn oder Max Greger gespielt. Neben den Musikern aus Haßloch zeigte Angelika Rotherth, dass sie sich als Sängerin sehr wohl neben den großen amerikanischen Vorbildern behaupten kann. Mit „Tuxedo Junction“ eröffnete die Band das Konzert, „Little Brown Jug“ von Glenn Miller gehörte zum Programm ebenso wie der „Fat man Boogie“ von Peter Herbolzheimerund „Wake me up“ mit der Soloposaune von Paul Schütt. Angelika Rothert sang „My baby just cares for me“ von Nina Simone, „Every day I hear the Blues“ mit viel Gefühl, „Summertime“, ein richtiges Highlight, und „Georgia on my mind“. Der Präsident der TC Bigband, Gerd Wolff, immerhin schon über 80 Jahre, ließ es sich nicht nehmen, ein eigenes Solo beizusteuern: Er sang „Green green grass of home“. Die vier Rieslinge des Pfarrweinguts St. Urban, des kleinsten Weinguts von Deidesheim, werden rein ehrenamtlich produziert, ursprünglich von ehemaligen Messdienern. Weinwissen haben auch die, schließlich arbeiten in Deidesheim viele auch hauptberuflich in den bekannten Weingütern. So war, alles zusammen, eine sehr pfälzische Auffassung von Kultur am Werke, die Gäste in den Mai zu geleiten – mit viel Lebensfreude und Wein.

x