Neustadt Leben wahrlich „kä Kinnerschpiel“
Die Pfälzer Heimatdichterin Lina Sommer war die erste Frau, nach der in Haßloch eine Straße benannt wurde. Seit Mai 1982 heißt eine 150 Meter lange Straße in der Nähe des Parkfriedhofs Lina-Sommer-Straße. Elf Häuser stehen hier.
Geboren wurde die in früherer Zeit über die Pfalz hinaus bekannte Autorin am 8. Juli 1862 in Speyer als Karolina Müller. In der Domstadt verbrachte sie ihre Kindheit, bekam vier jüngere Geschwister, ging erst in die Volksschule und dann in die Töchterschule. Als das Mädchen zwölf Jahre alt war, zog die Familie nach Mannheim, und Karolina Müller besuchte eine Höhere-Töchter-Schule. Im Jahr 1875, ein Jahr nach dem Umzug, beging die Mutter Selbstmord. Die folgenden Jahre waren für das junge Mädchen wohl nicht einfach. Der Vater heiratete bald wieder und die Stiefmutter bekam im Lauf der Jahre acht Kinder. Als Lina Müller 25 Jahre alt war, heiratete sie den Witwer Adolph Sommer, der nur zwei Jahre jünger war als ihr Vater, vier Kinder hatte und in Blankenburg im Harz lebte. Durch die Ehe ist das Leben von Lina Sommer wahrscheinlich nicht wirklich besser geworden. Sie bekam sechs Kinder, von denen drei kurz nach der Geburt starben. 1891, vier Jahre nach der Heirat, musste ihr Ehemann, der Geschäftsmann war, Konkurs anmelden. Die Familie hatte wenig Geld, zog häufig um und lebte ab 1900 in Köln. Dort begann Lina Sommer Gedichte und Erzählungen im Dialekt ihrer Heimat zu schreiben. Es gelang ihr, diese an Zeitungen in ganz Deutschland zu verkaufen und so zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen. 1904 starb ihr Mann, und in den folgenden Jahren wurde das Leben der Witwe deutlich besser. 1905 veröffentlichte Lina Sommer erstmals ein Buch, das den Titel „Schtillvergniegt“ hatte. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1932 erschienen 40 weitere Bücher, außerdem zahlreiche Gedichte und kürzere Prosatexte. Ab etwa 1910 konnte Lina Sommer von den Einnahmen ihrer schriftstellerischen Tätigkeit leben. 1911 zog sie nach Weinheim und acht Jahre später im Alter von 57 Jahren nach Jockgrim. Lina Sommer, die inzwischen eine bekannte Heimatschriftstellerin war und eine Anhängerschar hatte, lebte in Jockgrim in der Villa Sommer. Die letzten Jahre ihres Lebens war sie in einem Altenheim in Karlsruhe, wo sie am 27. Juli 1932, wenige Tage nach ihrem 70. Geburtstag, starb. Beerdigt wurde sie in Jockgrim. Trotz ihres über viele Jahre nicht einfachen Lebens, hatten viele der Texte und Gedichte von Lina Sommer Humor. Doch hat sie auch Nachdenkliches geschrieben. Auch Bücher für Kinder gehören zu ihrem umfangreichen Werk, so das Bilderbuch „Im Himmelland“. „Kochrezeptchen für junge und jüngste Damen“, „Des Lewe is kä Kinnerschpiel“, „Des un Sell“, „Im Vorübergehn“, „Wisseblumme“, „Im Himmelland“ sind einige der Titel der Bücher von Lina Sommer, die manche ältere Pfälzer wohl noch kennen. Kurz vor ihrem Tod stellte sie die „Pälzer Hausapothek“ zusammen, eine Sammlung von Gedichten und Prosatexten, die sie für ihre besten hielt. Die „Pälzer Hausapothek“ gehörte in früherer Zeit zur Standardausstattung der Bücherschränke in Pfälzer Haushalten. In Jockgrim wurden unter anderem eine Schule, ein Weg, ein Platz und ein Altenheim nach Lina Sommer benannt. In Speyer gibt es eine Lina-Sommer-Straße und in Karlsruhe eine Lina-Sommer-Anlage. (ann)