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Lars Urich und der Kampf um einen Platz für die U20-WM
Eine Höhe und einen Termin hat Lars Urich seit vielen Monaten im Kopf. 5,10 Meter muss er bewältigen, will sich der Stabhochspringer aus Haßloch für die U20-Weltmeisterschaft in Lima qualifizieren. Auf den deutschen Meisterschaften Ende Juli verlangt der Deutsche Leichtathletikverband für die Nominierung zudem den ersten oder zweiten Platz.
Auf 5,00 Meter hat Urich sich auf den U23-Meisterschaften gesteigert. Er ist sich sicher: „Die geforderte WM-Normhöhe packe ich im entscheidenden Wettkampf auch noch.“ Einmal war er schon nahe dran. Bei den Pfalzmeisterschaften in Eisenberg ging es in einem Versuch „ganz knapp zu, aber vermutlich hatte ich einen zu weichen Stab benutzt“, blickt der 17-Jährige auf diesen Wettkampf zurück. Zuversichtlich stimmen ihn seine Leistungen in den Bereichen Schnelligkeit, Kraft und Sprungvermögen. Auch technisch habe er sich in diesem Jahr deutlich weiterentwickelt, so der mittlerweile für das LAZ Zweibrücken startende deutsche U18-Meister von 2023.
Ein Elternteil ist immer dabei
Der Wechsel von seinem Heimatverein war aus seiner Sicht ein logischer Schritt, absolviert er doch schon seit etlichen Jahren in dem auf Stabhochsprung spezialisierten Verein wichtige Trainingseinheiten. Die heimische Stabhochsprunganlage war für seine Qualität zu klein geworden. „Zunächst bin ich einmal die Woche zu Landestrainer Alex Gakstädter gefahren, der mittlerweile für alle meine Trainingspläne verantwortlich ist“, schildert Lars Urich die Entwicklung. „Aktuell trainiere ich jeweils dreimal die Woche in Haßloch und in Zweibrücken.“ Immer begleitet von einem Elternteil. Im Kraftraum dort darf er als unter 18-Jähriger noch nicht allein trainieren. Und auf der Fahrt in die Westpfalz muss er trotz Führerscheins mit 17 bis zu seinem Geburtstag im Oktober noch begleitet werden.
Dass er trotz Startberechtigung für einen anderen Verein noch weiter im LC Haßloch trainieren kann, dafür ist der Schüler der 11. Klasse des Hannah-Arendt-Gymnasiums dankbar. Seine ersten sportlichen Schritte mit fünf Jahren ging er noch in der TSG Haßloch an, in der er sich nebenbei die für den Stabhochsprung wichtigen turnerischen Grundlagen aneignete und später in Schifferstadt noch ausbaute. Es folgte der Wechsel zum LC Haßloch mit den Trainern Astrid und Gerd Berlin sowie Dietrich Roth. Über den klassischen Weg der Dreikämpfe („ich konnte gut laufen und springen, aber nie werfen“) und der Kinderleichtathletik kam er zum Stabhochsprung und bestritt auf Anregung von Astrid Berlin mit zwölf Jahren seinen ersten Wettkampf in der Halle in Ludwigshafen.
Zunächst ein Dreispringer
Ganz geradlinig ist sein sportlicher Weg in dieser Disziplin danach aber nicht verlaufen. Erstmals für die deutsche U16-Meisterschaft qualifizierte er sich im Dreisprung, der sich aber als zu große Belastung für den Körper entpuppte. Mit Rückenproblemen hatte er auch in der Folge nach seiner endgültigen Rückkehr zum Stabhochsprung zu kämpfen und musste daher die vergangenen beiden Winter in der Halle aussetzen. „Das Aufbautraining im Oktober/November ist schon eine große Belastung für den Körper, mittlerweile gehe ich damit aber professioneller um“, blickt Lars Urich auf diese hoffentlich überwundene Phase zurück. Mit regelmäßigem Rehabilitationstraining und Physiotherapie in Landau will er Fehlentwicklungen entgegenwirken. Auswirkungen hatten die körperlichen Probleme nach dem großen Erfolg des Vorjahres zu Beginn des neuen Wettkampfjahres, das von vornherein im Zeichen der angestrebten Qualifikation für die U20-Weltmeisterschaft stand.
Verkürzter Anlauf
„Ich bin zunächst mit verkürztem Anlauf gesprungen“, so Lars Urich zu seinem noch verhaltenen Saisoneinstieg. Das erste Ausrufezeichen setzte er Anfang Juni bei den Pfalzmeisterschaften mit 4,90 Metern, ehe bei der Juniorengala in Mannheim und dem ersten großen Schlagabtausch der deutschen WM-Kandidaten ein kleiner Rückschlag folgte. „Ich hatte Anlaufprobleme, aber gerade aus schlechteren Wettkämpfen nehme ich für mich sehr viel mit“, so Urich. „Konstant zu werden, ist für mich das Wichtigste.“
Dass er mit den fünf Metern mittlerweile eine für viele Stabhochspringer auch psychologisch wichtige Hürde gemeistert hat, ist für ihn eher nebensächlich, aber doch ein kleiner Meilenstein: „Ich habe mir die Startnummer des Wettbewerbs in Mönchengladbach ebenso aufgehoben wie die von meinen ersten Sprüngen über drei und vier Meter.“
Flutlichtspringen in Köln
Sein Augenmerk richtet sich jetzt ganz auf die deutschen U20-Meisterschaften in Koblenz, die im Deutschen Leichtathletik-Verband als entscheidende Qualifikation gelten. Hoher Favorit auf den Titel und das erste WM-Ticket ist Hendrik Müller (TSV Bayer 04 Leverkusen), der im Vorjahr in Zweibrücken schon 5,50 Meter übersprungen hat und in der laufenden Saison mit 5,42 Metern die deutsche Bestenliste klar anführt. Dahinter steht mit 5,20 Metern Amadeus Gräber, den Lars Urich als 8000-Punkte-Zehnkämpfer und Fixstarter in dieser Disziplin aber nicht auf der Rechnung hat. „Realistisch kämpfe ich vermutlich hinter Hendrik Müller mit Joshua Stellbaum um den zweiten Startplatz in Lima“, so der junge Haßlocher, der sich im Duell mit dem 5,20-Meter-Springer vom TSV Schmiden nach den letzten Trainingseindrücken gute Chancen für einen Start Ende August in der Hauptstadt Perus ausrechnet.
Mit dem Flutlichtspringen in Köln steht an diesem Samstag eine letzte Generalprobe unter Wettkampfbedingungen an, danach wird im Training noch hauptsächlich Wert auf die Schnellkraft gelegt. Dass diese letzte Phase vor der Meisterschaft in die Ferien fällt, kommt ihm dabei sehr gelegen: „Das ist ideal, denn da bleibt auch ausreichend Zeit zur notwendigen Regeneration nach den Einheiten, und der gelegentlich aufgekommene Druck bei der Abgabe von Aufgaben fällt erst einmal weg.“
Los Angeles und Brisbane im Kopf
Im Frühjahr 2025 kann er das Abitur haben. Noch weiter geht sein Blick in die Zukunft, wenn es um die ganz großen Ziele geht. „Die Teilnahme an Olympischen Spielen ist schon mein ganz großer Traum“, schaut er schon in Richtung der Spiele 2028 in Los Angeles und 2032 in Brisbane. Mit dem ebenfalls in Zweibrücken trainierenden EM-Dritten und Olympiastarter Oleg Zernikel vom ASV Landau hat er ein großes Vorbild im Training buchstäblich vor Augen. Ben Silas Kribelbauer und Jakob Legner sind zudem zwei gute Kumpel in seiner Trainingsgruppe, die ebenfalls große Ambitionen hegen. Dass er sich mit Kribelbauer eine Playlist zur Einstimmung auf die Wettkämpfe teilt („hauptsächlich Hip-Hop und Rap“), darf Urich als gutes Omen nehmen: Gerade ist sein Nachfolger als deutscher U18-Meister für die EM in Banská Bystrica (Slowakei) nominiert worden.