Neustadt Landgericht: Streit um die Rolle der Mutter

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Wusste die Mutter des im Sommer 2014 vermissten Zwölfjährigen aus Lambrecht, dass er sich bei Bekannten versteckte, um seine Unterbringung in einem Kinderheim zu verhindern? Diese Frage stand gestern vor dem Landgericht Frankenthal nicht auf der Tagesordnung, wurde aber dennoch heftig diskutiert.

Fast vier Wochen suchte die Polizei nach dem Vermissten, der zu einem Bekannten geflüchtet war, der sich jetzt wegen Kindesentzug verantworten muss. Im Februar hatte das Amtsgericht den 67-Jährigen deshalb zu einer Geldstrafe über 1250 Euro (50 Tagessätze) verurteilt. Dagegen hat er Berufung eingelegt. „Vom Bauchgefühl her glaube ich, dass die Mutter in die Pläne eingeweiht war“, sagte der ermittelnde Polizeibeamte aus Neustadt. Eine Zeugin bestätigte dies. Die Mutter habe ihr gegenüber berichtet, dass alles geplant worden sei, um das Jugendamt der Kreisverwaltung, das den geschiedenen Eltern das Aufenthaltsbestimmungsrecht entzogen hatte, in der Öffentlichkeit an den Pranger zu stellen. Allerdings haben sich die Zeugin und die Mutter mittlerweile überworfen. Auch der Anwalt des angeklagten Bekannten, der auch mal der Anwalt der Zeugin beziehungsweise ihrer Tochter war, liegt mit der Frau im Zeugenstand im Clinch. Man droht gegenseitig mit Strafanzeigen. Bevor es noch komplizierter wurde, platzte dem Vorsitzenden Richter Uwe Gau der Kragen: „Bei dieser Beweislage werden wir nicht gerichtsverwertbar belegen können, dass die Mutter eingeweiht war. Lassen sie uns doch endlich zurück zum eigentlichen Thema kommen.“ Der Angeklagte erklärte, er habe eben ein großes Herz und damals befürchtet, dass der Junge sich etwas angetan hätte, wenn der Beschluss des Jugendamtes umgesetzt worden wäre. Der heute 15-Jährige machte im Zeugenstand nur Angaben zu seiner Person. Er habe schließlich schon vor dem Amtsgericht alles gesagt. Die Aussage, dass er aus freien Stücken zu dem Bekannten gelaufen sei, wurde verlesen. Derweil die Mutter Partei für den Angeklagten ergriff: „Er hat meinem Sohn das Leben gerettet. Er hätte sich umgebracht, wenn er zurück ins Heim gemusst hätte.“ Da Staatsanwaltschaft und Verteidigung weitere Zeugen hören wollen, wurde das Verfahren auf den 4. Oktober vertagt. Südwest |wkr

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