Neustadt
Lambrecht/Maikammer/Deidesheim: Dürresommer setzt oberflächlichen Quellen zu
Deutschland zählt zu den wasserreichsten Regionen der Welt, Wasser galt bisher als unendlich verfügbar. In manchen Regionen gibt es jedoch erste Zeichen, dass sich das ändern könnte. Wie sieht es in der Region aus?
Wasser kommt aus der Leitung – das scheint in Deutschland vielen eine Selbstverständlichkeit zu sein. In manchen Regionen jedoch sind in diesem Jahr Brunnen und Flüsse ausgetrocknet. Das ist vor Ort erst einmal nicht zu befürchten. Aber die Trockenheit ist teilweise doch schon ein Thema.
VG Lambrecht: Ein Riesenthema
So läuft in der Verbandsgemeinde Lambrecht jetzt eine Machbarkeitsstudie, die zeigen soll, wie die Wasserversorgung in der gesamten Verbandsgemeinde auf sicherere Füße gestellt werden kann. „Das ist zurzeit ein Riesenthema“, sagt Volker Neumann, der bei der VG-Verwaltung für die Werke zuständig ist. In der Verbandsgemeinde ist die Wasserversorgung eine große Herausforderung, weil es viele kleine Wasserwerke gibt. Denn die Ortschaften liegen weit auseinander. So haben beispielsweise Esthal oder Erlenbach eine eigene Wasserversorgung. Das Wasser wird zu 80 Prozent aus Quellen bezogen. Und die liefern zwar noch ausreichend Wasser, aber weniger als vor zwei, drei Jahren, wie Neumann erklärt. „Die Trockenheit macht sich in der Regel zwei Jahre später bemerkbar.“
In Lambrecht ist die Situation eine völlig andere. Die Stadt und Lindenberg beziehen ihr Wasser aus Tiefbrunnen in der Sattelmühle. „Die Trockenheit ist dort nicht spürbar“, sagt Michael Frech, Leiter der Stadtwerke Lambrecht. Die Stadtwerke könnten sogar noch Wasser zur Verfügung stellen. Allerdings müssten dafür Leitungen gelegt werden.
Maikammer: Ergiebige Quellen
Die Verbandsgemeinde Maikammer kann auf ergiebige Quellen im Wald zurückgreifen, die auch trotz der längeren Trockenperiode stabil geblieben sind, wie Andreas Reuter, Leiter der Werke, erläutert. 80 Prozent des Wassers stamme aus Quellen in St. Martin, so Reuter: aus der Einarmquelle, der Hollerbrunnenquelle und der Wappenschmiedquelle. Sie seien so stabil, weil das Wasser aus großer Tiefe komme. Weitere 13 Prozent des Wassers kommen aus Tiefbrunnen und sieben Prozent aus Neustadt. Wobei die St. Martiner ausschließlich mit Wasser aus den Quellen versorgt werden, während für Maikammer und Kirrweiler das Quellwasser aus St. Martin mit Wasser aus dem Tiefbrunnen und aus Neustadt gemischt wird. „Wir haben einfach Glück“, sagt Reuter. Von daher ist der Wasserpreis auch vergleichsweise niedrig. Er liegt er bei 1,58 pro Kubikmeter. Hinzu kommt lediglich eine Art Zählermiete in Höhe von 50 Euro. In der Stadt Lambrecht zahlen die Bürger 1,94 plus eine Grundgebühr, die gestaffelt ist und bei einem durchschnittlichen Verbrauch bei 143 Euro liegt.
VG Deidesheim: Kooperation mit Neustadt
Wie in der Verbandsgemeinde Lambrecht gibt es auch in der Verbandsgemeinde Deidesheim verschiedene Wasserversorger: die Stadtwerke Deidesheim, die VG Werke (Forst und Ruppertsberg) und der Zweckverband Friedelsheimer Gruppe (Meckenheim und Niederkirchen). Letzterer bezieht sein Wasser aus Tiefbrunnen in Maxdorf und Hochdorf, die eine Tiefe von 300 (Maxdorf) und 200 Meter haben. „Das Wasser ist 100.000 Jahre alt“, sagt Werkleiter Wilfried Weber. Die Trockenheit mache sich da nicht bemerkbar. Weil aber der Wasserverbrauch bei so hohen Temperaturen wie in diesem Jahr auf Rekordhöhen steige, laufe zurzeit ein Genehmigungsverfahren für einen breiteren Brunnen, damit das Wasser bei Bedarf schneller an die Oberfläche gebracht werden kann.
Auch die Stadtwerke Deidesheim sind zurzeit noch nicht von der Trockenheit betroffen. Das Wasser kommt hier zu je einem Drittel aus Brunnen, Quellen und aus Neustadt. Forst wird komplett aus Neustadt versorgt, Ruppertsberg bekommt sein Wasser zur Hälfte aus Neustadt und zur Hälfte aus eigener Quelle.
Doch auch die Versorger, die zurzeit noch nicht von der zunehmenden Trockenheit betroffen sind, haben das Thema auf dem Schirm, betonte Alexander Will, Geschäftsführer der Stadtwerke Deidesheim. So habe es unter der Federführung der Stadtwerke Neustadt bereits eine Studie gegeben, die untersucht, wie die Versorger sich gegenseitig unterstützen könnten. Auch die Struktur- und Genehmigungsdirektion überwache die Entwicklung.