Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Lambrecht: Hersteller von Spezialgewebe von Handelsstreit kalt erwischt

Geschäftsführer Horst Walther (links) an einem Schwerlastwebstuhl im Gespräch mit seinem Mitarbeiter Wolfgang Schmidt.
Geschäftsführer Horst Walther (links) an einem Schwerlastwebstuhl im Gespräch mit seinem Mitarbeiter Wolfgang Schmidt. Foto: Mehn

Die Firma J.J. Marx, die in Lambrecht Spezialgewebe für Papiermaschinen ist vom Handelsstreit zwischen den USA und China voll getroffen worden. Zum ersten Mal seit vielen Jahren gab es betriebsbedingte Entlassungen. Aber es gibt Hoffnung, die Krise meistern zu können.

Horst Walther, Geschäftsführer der J.J. Marx AG, ist seit rund 30 Jahren bei dem traditionsreichen Unternehmen, dessen Wurzeln bis ins 16. Jahrhundert zurückgehen, und er hat schon etliche Krisen erlebt. Die derzeitige habe es jedoch besonders in sich. Kurzarbeit allein habe nicht ausgereicht, als Reaktion auf den Rückgang bei den Aufträgen. Zum ersten Mal seit vielen Jahren mussten betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen werden. Drei Mitarbeiter auf zusammengerechnet zwei Vollzeitstellen waren betroffen.

Investitionen ausgebremst

„Das war wie ein Nackenschlag im Juni“, sagte Walther am Dienstag in Deidesheim, wo er das Unternehmen J.J. Marx beim Wirtschaftsforum der Strukturentwicklungsgesellschaft für den Landkreis Bad Dürkheim präsentierte. „Wir wussten zunächst gar nicht, woher das kommt“, erzählte er. Schnell war jedoch klar: Die Ursache der Krise liegt im Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und China. Die Unsicherheiten, die dadurch ausgelöst werden, führten dazu, dass Investitionen überall zurückgehalten würden, erklärte Walther. Im Sommer habe der Rückgang beim Auftragsvolumen bei 30 Prozent gelegen. Inzwischen habe sich die Lage zwar leicht verbessert. Walther geht indes auch mittelfristig von niedrigeren Zahlen aus.

J.J. Marx beschäftigt zurzeit 34 Mitarbeiter, die dem Unternehmen fast alle seit vielen Jahren angehören, wie Walther sagt. Die Firma produziert Trockensiebe und Spiralsiebe, die in der Papierindustrie zur Bespannung der Maschinen gebraucht werden. 70 Prozent der Kunden haben ihren Sitz in Deutschland. Beim Auslandsgeschäft spielt seit einigen Jahren China eine größere Rolle.

Arbeitsplätze haben Priorität

Der Erhalt der Arbeitsplätze habe bei J.J. Marx immer Priorität gehabt, sagt Walther. Schließlich gehört die Firma den Mitarbeitern. Dennoch ist die Anzahl der Mitarbeiter auch in den vergangenen Jahren weiter zurückgegangen.

Zur Überwindung der aktuellen Krise setzt Walther zum einen auf die Zusammenarbeit mit einem Produzenten aus China, durch die J.J. Marx Standard-Produkte, deren Herstellung in Deutschland zu teuer ist, günstig anbieten kann. „Das hat sich vor etwa zehn Wochen ergeben“, erzählt der Geschäftsführer. Erste Proben der Produkte seien inzwischen angekommen, sie seien zufriedenstellend. Noch vor zwei, drei Jahren sei das anders gewesen. Die Kontakte zu dem Handelspartner haben sich laut Walther durch die Aktivitäten des Unternehmens auf dem chinesischen Markt ergeben.

Mittel für Modernisierung

Darüber hinaus soll der Verkauf eines Grundstücks in Lambrecht die nötigen Mittel für Modernisierungen bringen. Das Grundstück – es geht um rund 8000 Quadratmeter – war bisher an die Firma J.H.Ziegler verpachtet. Der Vlies-Produzent geht ursprünglich auch auf die J.J. Marx Holding zurück, wechselte aber mehrfach den Eigentümer. Mitte 2018 erwarb eine Tochterfirma des japanischen Chemie- und Pharmakonzerns Tejin (rund 20.000 Mitarbeiter) den Mittelständler, der seinen Sitz in Achern hatte. Diese stellt die Produktion in Lambrecht nun ein, wie ein Mitarbeiter in Lambrecht bestätigte. Eine offizielle Auskunft war am Mittwoch nicht zu bekommen.

Und wie beurteilt Walther den Standort Lambrecht? Mittlerweile ist der 60-Jährige nicht mehr ganz zufrieden. Die wiederkehrenden Straßenausbaubeiträge stellten eine Wettbewerbsverzerrung dar. „Unternehmen in Bayern oder Baden-Württemberg zahlen das nicht“, betont Walther. Für J.J. Marx lägen die Kosten bei 17.000 Euro jährlich.

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