Neustadt
Lambrecht: Auria-Betriebsrat mit erstem Gespräch zur geplanten Schließung unzufrieden
Ein erstes Gespräch über die geplante Schließung des Lambrechter Werks von Auria Solutions war aus Sicht des Betriebsrats „nicht befriedigend“. „Wir hängen immer noch in der Luft“, sagte Betriebsratsvorsitzender Bernd Bay.
Das Unternehmen, das in Lambrecht mit zurzeit 87 Mitarbeitern Textilprodukte für die Automobilindustrie herstellt, soll im kommenden Jahr geschlossen werden. Die Mitarbeiter sind darüber im Oktober informiert worden. Als Grund für die Schließungspläne führt das Unternehmen Umsatzverluste und einen generell rückläufigen Markt in Europa an. Der Betriebsrat ist dagegen der Ansicht, dass die Schließungsabsicht eine „politische Entscheidung“ sei. Zwar sei es richtig, dass das Volumen eines Großauftrags für Opel auf ein Drittel seines Umfangs reduziert worden sei. Es sei jedoch nicht versucht worden, andere Aufträge nach Lambrecht zu bringen, kritisiert Betriebsratsvorsitzender Bernd Bay.
Erstes Gespräch am Mittwoch
Am Mittwoch nun gab es ein erstes Gespräch mit der Verhandlungskommission, der Vertreter der Geschäftsleitung aus der Deutschland-Zentrale sowie des Betriebsrats und der IG Metall angehörten. Doch Antworten auf die Fragen der Mitarbeiter habe es dabei nicht gegeben, so Bay. „Wir haben der Geschäftsleitung im Vorfeld Fragen zugemailt“, sagte er. Darauf sei aber kaum eingegangen worden.
Der Betriebsrat wolle eine „detaillierte wirtschaftliche Begründung“ für die geplante Schließung. Dazu lägen bislang keine Daten vor. Der Betriebsrat mutmaßt deshalb, dass es gar keine wirtschaftliche Notwendigkeit für die Schließung gebe, sondern dass es darum gehe, ein Zeichen zu setzen, „dass in Europa gehandelt“ wird. Auria Solutions ist ein Joint Venture der International Automotive Components (IAC)-Gruppe mit dem chinesischen Unternehmen Shanghai Shenda.
Mehr Informationen gewünscht
Den Mangel an „Daten, Fakten und Zahlen“ moniert auch Harald Lange von der IG Metall Neustadt, der an dem Treffen ebenfalls teilgenommen hat. „Ich hätte mir mehr Informationen gewünscht“, so Lange. Der Gewerkschaft kritisiert außerdem, dass offenbar keine Alternativen zur Schließung geprüft worden seien. Die Produktionsstätte könnte möglicherweise außerhalb der Auria-Gruppe eine Chance haben. Ganz aufgegeben hat Lange die Hoffnung auch noch nicht, dass eine solche Lösung zumindest geprüft wird.
Am 26. November soll es nun ein weiteres Treffen geben, an dem nach Informationen des Betriebsrats der Auria-Geschäftsführer Marc Flegler aus der Deutschland-Zentrale in Düsseldorf teilnehmen wird. Im Dezember sollen die Sozialplanverhandlungen beginnen. Einen genauen Zeitplan für die Schließung des Werks und die Verlagerung der Produktion gibt es laut Betriebsrat noch nicht.
Keine Angaben von Unternehmensseite
Pressesprecher David Ladd, der seinen Standort in den USA hat, wollte am Freitag auf RHEINPFALZ-Anfrage keine näheren Angaben zur Schließung machen. Als Grund nannte er die Verhandlungen mit dem Betriebsrat. Ladd wies lediglich nochmals auf die allgemeine Lage der Automobilindustrie hin. Inzwischen bestätigte er aber die Schließungsabsicht – während er Anfang November noch vage von der „Möglichkeit einer Schließung“ gesprochen hatte.
Auria Solutions hat seinen Hauptsitz in London. Weltweit werden nach eigenen Angaben knapp 7000 Mitarbeiter an 27 Produktionsstandorten beschäftigt.