Haßloch
Kultur fürs Großdorf – der Kulturverein Ältestes Haus feiert Geburtstag
17 Haßlocher waren es, die im Januar 1985 beschlossen, den Kulturverein Ältestes Haus zu gründen. Ziel war es, Leben in das gerade erst sanierte Älteste Haus in der Gillergasse 11 zu bringen – und in die etwas verschlafene Haßlocher Kulturszene allgemein. Am Wochenende wird der 40. Geburtstag groß gefeiert.
Der damalige Haßlocher Bürgermeister Kurt Flockert (SPD) hatte zu dem Treffen im Filmsaal der Schillerschule eingeladen. „Für mich war wichtig, dass es ein größeres kulturelles Angebot in Haßloch gibt, auch Veranstaltungen, zu denen man mit Kindern hingehen kann“, blickt Kurt Siebein heute zurück. Der langjährige Leiter der Haßlocher Musikschule war eines der 17 Gründungsmitglieder des Kulturvereins, lange Jahre Vize-Vorsitzender und prägte drei Jahrzehnte das musikalische Programm.
„Der Kulturverein ist entstanden, weil es das Älteste Haus gibt“, bringt es Armin Jung, seit vier Jahren Vorsitzender des Kulturvereins, auf den Punkt. In dem stattlichen Dreiseithof aus dem Jahr 1599 hatte das Heimatmuseum seinen Sitz, doch habe der Wunsch bestanden, dass sich dort noch mehr tun soll, so Siebein. Der inzwischen verstorbene Klaus-Dieter Ihlenfeld (CDU) wurde bei der offiziellen Gründung einige Wochen später zum Vorsitzenden gewählt. Die Gemeinde unterstützte den Verein mit 5000 Mark pro Jahr.
Musik war bei dem Verein von Anfang an drin
Eine der ersten größeren Veranstaltungen war 1986 ein Konzert mit den „Südwestdeutschen Barocksolisten“. 1987 legte der Verein erstmals ein Jahresprogramm vor. „Das Angebot sollte vielfältig sein, wir haben vieles gemacht“, blickt Siebein auf die Anfangsjahre zurück. Großen Wert habe man immer auf niedrige Eintrittspreise gelegt, um Kultur möglichst vielen zugänglich zu machen. 1988 hatte der Verein dann schon eine kleine Krise, es wurde von Auflösung gesprochen, doch man berappelte sich wieder.
In den Anfangsjahren waren Jazz- und Bigband-Matineen an Sonntagen ein fester Programmpunkt. „Das haben wir aufgegeben, nachdem ähnliche Veranstaltungen bei Weinfesten zunahmen“, sagt Siebein. Inzwischen bietet der Kulturverein noch einmal im Jahr an einem Samstagabend „Wein & Jazz“ an. Veranstaltungsorte für die Konzerte waren entweder der Hof des Ältesten Hauses, Kirchen, der Kammermusiksaal der Musikschule oder die Aula der damaligen Realschule. Im Ältesten Haus stand neben dem Hof sonst nur noch ein kleiner Raum, der Otto-Dill-Saal, zur Verfügung. „Dort haben wir Ausstellungen gezeigt, wir haben eigens eine spezielle Lichtanlage und eine Vorrichtung zur Hängung der Bilder gekauft“, erzählt Siebein. Gezeigt wurden etwa Arbeiten des bekannten Haßlocher Malers und Grafikers Bernd Kastenholz, Aquarelle von Martin Lutz und Skulpturen von Martin Schöneich.
Der Otto-Dill-Saal war auch Ort der Europäischen Winterabende. „Dabei wurde immer Musik, Geschichten und Essen eines Landes vorgestellt, wir haben in dem kleinen Raum 60 Leute untergebracht“, blickt Siebein zurück. Ähnlich seien die heutigen Länderabende, die in der Regel im Herbst auf dem Programm des Kulturvereins stehen, sagt Jung. Im Oktober ist Österreich an der Reihe, im vergangenen Jahr war es Argentinien, ein Jahr zuvor Italien. Früher wurde das Essen von einer Metzgerei geliefert. „Inzwischen kochen wir selbst, wir haben einige Aktive, die das gern und gut machen“, berichtet Jung.
„Haßlocher Geschichten“, die nicht jede(r) gerne hören wollte
Auch Konzerte für Kinder, Lesungen und Kleinkunst wurden Teil des Programms. Eine Ballettaufführung nennt Siebein als einen der Höhepunkte. Das ruandische Nationalballett gastierte 2002 bei einer gemeinsamen Veranstaltung des Kulturvereins und des von Uta Ihlenfeld geleiteten Ruanda-Vereins in Haßloch. Auch das erste Konzert des später ungemein beliebten Bläserensembles „Rennquintett“ sei bei dem Haßlocher Kulturverein über die Bühne gegangen, erzählt er nicht ohne Stolz.
Eine besondere Rolle spielt bis heute das Theater. Bereits 1988 waren einige Aktive des Haßlocher Theatervereins 1926 zum Ältesten Haus gewechselt. Unter dem Namen „Theaterkiste“ spielte man in den folgenden Jahren unter der Regie von Heinz Issler vor allem Komödien. Eine Zäsur brachte dann das Jahr 1993. Der heutige Bad Dürkheimer Landrat und zeitweilige Haßlocher Bürgermeister Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU), der damals Vorsitzender des Kulturvereins war, und der langjährige SPD-Kommunalpolitiker Haro Schreiner hatten die Idee, Gespräche mit Haßlochern über die Jahre 1930 bis 1950 zu führen und daraus ein Theaterstück, später auch eine DVD und ein Bilderbuch zu machen. Geschrieben wurde das „Haßlocher Geschichten“ betitelte Stück von Ursula Sommer, Prinzipalin einer bekannten Neustadter Theaterfamilie, und sie führte bei der Inszenierung auch Regie. „Das alles hat in Haßloch einiges Aufsehen erregt und war nicht unumstritten, einige Familien wollten nicht, dass das Verhalten ihrer Eltern und Großeltern thematisiert wird“, erzählt Siebein.
Das Theater spielt bis heute eine besondere Rolle
Aus der „Theaterkiste“ wurde danach das „Theater im Hof“, das seitdem jährlich im Sommer im Hof des Ältesten Hauses spielt. Anfang führte Ursula Sommer Regie, später waren lange Monika und Kai Scharfenberger die Regisseure. 2002 übernahm erstmals Armin Jung die Leitung – wie auch in der Folge noch viele Male. Eine weitere Theater-Besonderheit des Vereins ist die 2004 von Peter Ruffer gegründete „Märchenbühne“. „Es ist eine der wenigen Theatergruppen, in der Kinder und Jugendliche für Kinder spielen“, sagt Jung.
Im Ältesten Haus waren Veranstaltungen fast nur im Freien möglich. Bereits 1990 wurde darüber gesprochen, die Scheune neben dem historischen Anwesen zu renovieren und für Veranstaltungen zu nutzen. „Das verlief jedoch im Sand“, erinnert sich Siebein. Einige Jahre später wurde die historische Scheune dann zu einem heftig umstrittenen Thema in der Haßlocher Kommunalpolitik, schließlich abgerissen und das „Kulturviereck“ gebaut, ein Gebäude mit einem großen und einem kleinen Raum für Veranstaltungen, die auch vom Kulturverein genutzt werden.
Volles Programm am Jubiläumswochenende
Dort steigt nun am Samstag, 10. Mai, ab 14 Uhr, und am Sonntag, 11. Mai, von 12 bis 18 Uhr, auch das Kultur- und Kunstwochenende, mit dem der Haßlocher Kulturverein seinen 40. Geburtstag feiert. Jeweils zur vollen Stunde sind etwa 30 Minuten dauernde kulturelle Darbietungen vorgesehen. Unter anderem wird der Pianist Mika Heck spielen, die „Leisböhler Seemöven“ werden singen, ebenso Fiona Fuhrer. Gaby Kiessling spielt Zither, Schüler der Musikschule treten auf und zeigen Theaterszenen. Außerdem präsentieren Künstler und Kunsthandwerker ihre Arbeiten, und es werden Kostüme aus dem Fundus des „Theaters im Hof“ verkauft. Höhepunkt am Samstag, 20 Uhr, ist ein Live-Konzert mit dem „Angel Cuba Trio“, das überwiegend kubanische Musik spielt. Am Sonntag zeichnet der Neustadter Cartoonist Steffen Boiselle von 11 bis 17 Uhr live. Die offizielle Eröffnung ist am Samstag, 14 Uhr.