Weidenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Kult-Veranstaltung: Mountainbike-Rennen mit Festivalcharakter

Ein bisschen Woodstock, ein bisschen Wacken: das Festivalgelände im Erdbeertal.
Ein bisschen Woodstock, ein bisschen Wacken: das Festivalgelände im Erdbeertal.

Das Mountainbike-Rennen „Schlaflos im Sattel“ ist einmalig: ein Nachtrennen und gleichzeitig ein riesiges Festival. In diesem Jahr feiert es seinen 20. Geburtstag.

Schon die Anmeldung für „Schlaflos im Sattel“ hat Kult-Status. Wer an dem nächtlichen Mountainbike-Rennen teilnehmen will, schreibt in der Silvesternacht genau um 0 Uhr eine Mail an den Veranstalter. Formlos. Klar ist: Wer sich nicht sputet, hat keine Chance. Rund 900 Menschen werden in diesem Jahr von Donnerstag bis Sonntag im Erdbeertal in Weidenthal zusammenkommen, mehr gehe nicht, sagt Hermann Daniel, der in der Anfangszeit von „Schlaflos im Sattel“ Vorsitzender des TV 1908 Weidenthal war und heute unter anderem für die Streckenführung des Rennens zuständig ist.

Der Turnverein leistet bei der Veranstaltung das Gros der Organisationsarbeit, der „Kopf“ dahinter ist Christian „Pathy“ Krämer aus Neunkirchen. SIS, wie das Rennen abgekürzt wird, passe in keine Kategorie, sagte Krämer einmal im Interview mit dem „Spiegel“. Auf die Frage, ob es an ihm liege, dass die Leute zu SIS kommen, fragte er zurück: „Weil ich groß, laut und dick bin, einen Kilt trage und meinen Bart orange färbe? Bestimmt.“ 2010 war das, da war das Festival gerade mal fünf Jahre alt. In diesem Jahr sind es 20 Jahre .

Kult, Sport und Spaß

„Schlaflos im Sattel“ ist Kult, Sport und Spaß. Am Samstagabend startet die nächtliche Tour durch den Wald, der krönende Abschluss der Veranstaltung. Zwölf Kilometer lang ist die Strecke, auf der die Radler die ganze Nacht über unterwegs sind. Das heißt: Nicht alle fahren die Nacht auch wirklich durch, es gibt kein Muss. Manche fahren nur die erste und die letzte Runde mit, andere haben noch nicht einmal ein Rad dabei. Allerdings: Im vergangenen Jahr gab es einen Appell an die Gäste, erzählt Daniel. „Bitte mehr Sport“, hieß es. Dennoch seien die Kinderrennen am Freitag und Samstag „fast wichtiger“ als das Hauptrennen. Denn die finden direkt auf dem Gelände statt, die Zuschauer sind hautnah dabei. Auch Laufräder sind zugelassen, was zählt, ist das Engagement.

Und dann gibt es noch den „Weihersturm“, ein Singlespeedrennen, also ein Rennen mit Rädern ohne Gangschaltung. Dafür mit Kostümen. Ziel ist, wie der Name schon sagt, der Weidenthaler Badeweiher, wo eine Schorle auf die Fahrer wartet. Auch beim Hauptrennen sind übrigens etliche ohne Gangschaltung, dafür aber mit Kostüm unterwegs.

Wo der Spaß ganz oben steht, darf natürlich auch die Musik nicht fehlen. Bei SIS steht die am Freitag auf dem Programm, wenn die Band „Schlammbein“, die im „echten“ Leben „The Magic of Radio“ heißt, auf die Bühne kommt. Zum 20. Geburtstag von SIS bringen die Musiker ein kleines Geschenk mit: eine Vinyl-Platte in limitierter Auflage. „Ich habe zwar keinen Plattenspieler mehr, aber die muss ich natürlich haben“, sagt Daniel.

Gut 90 Helfer beim TV

Drei Tage mit so viel Spaß wollen gut vorbereitet sein. Zwei Wochen vor und eine Woche nach „der Nacht von Donnerstag auf Sonntag“ ist „Schlaflos im Sattel“ eine sehr arbeitsintensive Veranstaltung. Allein beim TV Weidenthal packen 90 Helfer mit an, damit alles rund läuft im Erdbeertal, berichtet Daniel. Darüber hinaus unterstützen befreundete Vereine wie der FC Wacker und der Schützenverein die Veranstaltung, außerdem sind Teams des DRK und der Feuerwehr im Einsatz.

Zuständig für Versorgung und Catering ist Daniels Frau Heike, die in den Tagen vor dem Start in einer Küche des Vereins zeitweise „bis über die Arme im Knödelteig“ steht und zusammen mit Heike Hepp und Ursel Baumann rund 300 Portionen Spinatknödel vorbereitet – unter anderem. Frühstück, Mittagessen, Kaffee und Kuchen, Weinlounge, Pommes Bude und Flammkuchen: Alles will vorbereitet sein. Bei der Essensausgabe bildeten sich dann schon häufig Schlangen, erzählt Daniel. „Aber das bleibt immer sehr unaufgeregt. Die Leute nutzen die Zeit, um sich zu unterhalten.“

Die SIS-Teilnehmer kommen aus allen Teilen Deutschlands, aus Luxemburg, Belgien, den Niederlanden, Frankreich und England. Es sei eine ganz bunte Gemeinschaft, betont Daniel. Einmal hätten amerikanische Soldaten, die zuvor im Irak im Einsatz gewesen waren, ihren Platz neben einem homosexuellen holländischen Friseur gehabt, erinnert er sich. „Und es hat funktioniert.“ An den drei SIS-Tagen sei „die Welt so, wie sie immer sein sollte“. Friedlich, bunt, ein bisschen verrückt. Für viele sei es eine Auszeit. Dazu passe, dass es im Erdbeertal keinen Handy-Empfang gebe. Es habe schon Vorschläge gegeben, das zu ändern, doch davon wollen die Organisatoren nichts wissen. Für die notwendige Kommunikation gebe es Funk-Geräte.

Sicherheit stärker im Blick

Stärker noch als bisher haben die Veranstalter jetzt die Sicherheit im Blick. „Es gibt erstmals ein schriftliches Sicherheitskonzept“, sagt Daniel. Obwohl auf dem Gelände „nur“ rund 900 Besucher seien, würden die Voraussetzungen für Veranstaltungen mit bis zu 5000 Teilnehmern erfüllt. „Das schafft Klarheit in den Abläufen und hat auch Konsequenzen im Handeln“, verdeutlicht Daniel. Da der Weg zu dem Gelände im Erdbeertal sehr schmal sei, und im Notfall sowohl von Rettungskräften als auch von Besuchern genutzt werden müsse, seien auch Evakuierungshelfer bestimmt worden. Das Sicherheitskonzept sei mit dem Ordnungsamt der Verbandsgemeindeverwaltung abgestimmt.

Letztere ist nicht die einzige Behörde, die im Vorfeld involviert ist. Auch die Kreisverwaltung als Untere Naturschutzbehörde muss das Rennen genehmigen. Mit eingebunden werden auch Förster und Jäger. Der ganze Genehmigungsprozess beginnt laut Daniel schon im Frühjahr.

Ein großes Thema sind auch die sanitären Anlagen. Toiletten stehen laut Daniel zum einen im Vereinsheim des TV zur Verfügung, darüber hinaus würden Dixie-Klos gemietet. Und zum Duschen fahren die Besucher zum Sportheim in den Ort – entweder mit dem Rad oder in kleineren Gruppen mit dem „Dusch-Taxi“. So wird auch die Dusche zum Event.

Mit sechs bis sieben Stunden Schlaf rechnet Daniel in der langen „Nacht von Donnerstag auf Sonntag“. Doch seelisch sei sein „Akku“ nach den drei Tagen voll aufgeladen.

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