Neustadt Kritik am Rettungsdienst

Der junge Fahrer verließ das Wrack seines Wagens in der Holiday-Straße aus eigener Kraft.
Der junge Fahrer verließ das Wrack seines Wagens in der Holiday-Straße aus eigener Kraft.

Haßloch: Vom Rettungsdienst im Stich gelassen? Diesen Vorwurf macht in einer E-Mail an die Redaktion der Vater eines Unfallfahrers dem Deutschen Roten Kreuz (DRK). Der junge Mann war vergangene Woche mit dem Auto auf der Holiday-Park-Straße von der Straße abgekommen und auf dem Dach im Straßengraben gelandet.

„Der Fahrer, der alleine im Fahrzeug war, konnte aus eigener Kraft das Wrack verlassen und wurde durch den anwesenden Rettungsdienst versorgt“, heißt es in einem Pressebericht der Feuerwehr Haßloch. Sie war vor Ort, um das Fahrzeug mit der Seilwinde eines Rüstwagens wieder auf die Räder zu stellen und den Brandschutz zu übernehmen. Die Versorgung seines Sohnes durch den Rettungsdienst bemängelt der Vater in seinem Schreiben. Der 19-jährige Fahrer war bereits von Polizei und Ersthelfern aus dem Fahrzeug befreit worden, als der Rettungswagen eintraf. „Der Fahrer konnte sprechen, gehen, stand aber unter Schock und war desorientiert“, erklärt der Vater im Nachhinein. Der junge Mann habe gewartet, dass ein Freund ihn abhole. „Der Rettungswagen verließ daraufhin den Unfallort“, schildert der Vater die Situation. Die Mitarbeiter des Rettungsdienstes hätten zudem „keinen Versuch“ unternommen, „das immer noch desorientierte Unfallopfer zu einem Arzt oder ins Krankenhaus zu fahren zur Abklärung innerer Verletzungen, Blutungen, Schädigungen der Wirbelsäule oder der Halswirbelsäule oder eines drohenden Kreislaufzusammenbruchs durch die Hitze und den Schockzustand“.

Keine Prellmarken, keine Schmerzen

Die Mitarbeiter des Rettungsdienstes haben das anders gesehen. „Der junge Mann hatte keine Schmerzen“, haben sie auf Nachfrage von Dr. Anna Meinhardt, seit sechs Jahren Geschäftsführerin der DRK-Rettungsdienst Vorderpfalz GmbH, noch einmal bestätigt. Er habe auch keine Prellmarken gehabt und sei aus Sicht des Rettungsteams, das ihn noch vor Ort im Rettungswagen untersucht hätte, „völlig unauffällig“ gewesen. „Die Ausstattung der Rettungswagen und die Ausbildung der Sanitäter erlaubt es nicht, innere Verletzungen festzustellen, bei denen ein langsames Einbluten in das Gewebe, den Bauchraum oder den Schädel zu weiteren schwerwiegenden medizinischen Indikation führen kann“, erklärt der Vater des Unfallopfers.

Rettungsassistenten werden nachgeschult

„Die Rettungswagen sind mit neuester Medizintechnik nach DIN-Normen ausgestattet“, hält Anna Meinhardt dem entgegen. „Die Mitarbeiter sind so geschult, dass sie Notfallsituationen adäquat einschätzen und danach handeln können.“ Natürlich sei es für den Rettungsdienst „oft eine Gratwanderung“ zu entscheiden, ob nach einem Unfall äußerlich Unverletzte ins Krankenhaus einzuliefern seien. Die Notfallsanitäter des Deutschen Roten Kreuzes seien aber besonders „auf diese Sache geschult“ – zu erkennen, wann eine Fahrt zu einem Unfallarzt oder Krankenhaus unabdingbar sei. „Sie haben eine fundierte Ausbildung in drei Jahren beziehungsweise eine gleichwertige Zusatzqualifikation erworben“, erläutert Anna Meinhardt. Auch würden derzeit alle DRK-Rettungsassistenten „nachgeschult zu Notfallsanitätern“, führt Meinhardt weiter aus. Zu dieser Nachschulung gehöre es, dass die Teilnehmer ihre Kenntnisse in einer Prüfung nachweisen müssen. Der Vater des Fahrers rief auf dem Weg von Frankfurt nach Haßloch die Leitstelle in Ludwigshafen an und „forderte, dass sein Sohn sofort von einem Rettungswagen zu einem Arzt oder in das Diakonissenkrankenhaus nach Speyer gebracht werden solle“, heißt es in dem Schreiben des Vaters. Ja, der junge Mann sei „auf Geheiß des Vaters vom Rettungsdienst noch einmal abgeholt“ und ins Haßlocher Medizentrum gefahren worden, sagt Anna Meinhardt. Dort hat ein Arzt „mit einer Ultraschall-Untersuchung abgeklärt, dass es keine Blutungen im Bauchraum gab“, erklärt der Vater des Unfallopfers.

Zehn Rettungswachen

In Haßloch stehen ein Rettungswagen und ein Krankenwagen des DRK. Insgesamt ist der DRK Rettungsdienst in der Vorderpfalz mit seinen zehn Rettungswachen mit insgesamt 18 Rettungswagen, 21 Fahrzeugen für die Notfallrettung, acht Notarzteinsatzfahrzeugen und 25 Krankenwagen flächendeckend gut ausgestattet, erklärt Anna Meinhardt.

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