Neustadt Kreisverkehr statt Amore

«Deidesheim». „Zwei Seelen wohnen, ach!, in meiner Brust“ – mit diesem Goethe-Zitat kann sich Roberto Capitoni identifizieren. Ist der Comedian doch mit einer schwäbischen Mutter aus dem Allgäu und einem italienischen Vater gesegnet. Welche Auswirkungen dieses Dasein zwischen Spätzle und Spaghetti haben kann, arbeitete Capitoni am Samstagabend im ausverkauften Deidesheimer Boulevardtheater in seinem neuen Programm „Italiener schlafen nackt – manchmal auch in Socken“ sehr gut heraus.
„Zwei Nationalitäten im Kopf: Das ist wie ein Vegetarier im Schlachthof“, bekannte Capitoni gleich zu Beginn. Immerhin tröstlich: „Ich bin ab dem Bauchnabel runter Italiener!“ In Italien sei „Sex“ das häufigste Suchwort bei „Google“, schiebt er noch nach, in Deutschland dagegen „Routenplaner“. „Kreisverkehr statt Amore. Wie krank ist das denn?“, fragt er augenrollend ins Publikum. Und es geht munter weiter mit deutsch-italienischen Vergleichen: 1,94 Meter große Frauen seien bei „Germany’s Next Topmodel“ eher Pygmäen, während die durchschnittliche italienische Mamma nur 1,12 Meter hoch sei – mit „High Heels“. Anfällig für Produkte in limitierter Auflage sei seine deutsche Frau. Capitoni sieht sich dann mit Läden konfrontiert, in die er normal keinen Fuß setzen würde. Geht es zum DM-Markt, fühlt er sich wie der Scheinriese Turtur, wird von Schritt zu Schritt kleiner: „Das ist nicht mein Tempel.“ Anders bei Bau- und Elektronikmärkten: „Da kenn` ich jedes Regal.“ „Die Berliner Mauer war nichts dagegen“, stellt er beim Anblick der riesigen Wand mit Damendeosprays mit Namen wie „Bahama Dream“ oder „Coconut Joy“ fest. Für Männer dagegen gibt’s nur ein einziges Fach mit den beiden Deosorten „Sport“ und „Fresh“. Höher schlagen lässt den Schwaben in ihm das 48-Stunden-Deo. „Nach 24 Stunden roch ich wie ein überfahrener Iltis, nach 48 Stunden musste ich raus auf die Terrasse“, stellte er fest. Und: „Bei einem 72 Stunden-Deo hätte ich wohl anschließend einen Kärcher gebraucht.“ Italienische Tomatensuppe quillt vor Tomaten nur so über. Schwäbische dagegen: „roter Teller, heißes Wasser!“ Schwäbischen Kreuzfahrtschiffen flögen deswegen auch nie Möwen hinterher. Auch das von Anfang an begeistert mitgehende Publikum bezog der Halbitaliener virtuos in seine Show mit ein – so ein Pärchen, das sich anscheinend uneins ist, ob es wirklich zusammen ist, was Capitoni als „Tagesabschnittsgefährten“ einstufte. Allgegenwärtig im Programm war auch Onkel Luigi, der als Sizilianer eine Vorliebe für Betonschuhe hat. Und warum nackt und mit Socken im Bett? In der linken ein Messer, in der rechten eine Pistole, um allzeit gewappnet zu sein. Ohne ginge der Schuss nach hinten los, klärt Capitoni auf. Dass auch Onkel Luigi nackt schläft, erzeugt beim Neffen aber „schlimme Bilder im Kopf“. Fazit: Capitoni kredenzte Comedy vom Feinsten. Manchmal unter die Gürtellinie gehend – siehe beliebtestes italienisches Suchwort – aber nie vulgär. Er sollte bald wiederkommen. In Socken, nicht in Betonschuhen.