Neustadt
Krankenhaus Hetzelstift bekommt neuen DaVinci-Operationsroboter
1000 Eingriffe haben Hetzelstift-Ärzte aus den Bereichen Urologie, Gynäkologie und Viszeralchirurgie (Chirurgie des Bauchraums) in den vergangenen acht Jahren mit dem DaVinci-Operationsroboter gemacht. „Wir waren eine der ersten Kliniken unserer Größe in Rheinland-Pfalz, die einen DaVinci bekommen haben“, erinnert sich Gynäkologie-Chefarzt Gerald Staudenmaier. Er sei damals schon sehr froh über die Entscheidung der Klinikleitung gewesen, „da wir viele Patienten sehr gut behandeln konnten“. Dieses Lob erneuert er: Angesichts der wirtschaftlich schwierigen Zeiten für Krankenhäuser „sind wir unserer Geschäftsführung umso dankbarer, dass sie uns nun das neueste DaVinci-System zur Verfügung stellt“. Immerhin sei dafür eine Investition von rund einer Million Euro erforderlich gewesen. Für Staudenmaier besitzt das 362-Betten-Haus dadurch ein Alleinstellungsmerkmal mit Blick auf ähnlich große Kliniken in der Region. Staudenmaier bringt die Vorteile des OP-Roboters so auf den Punkt: „Wir können zum Wohle der Patienten schneller und effizienter operieren.“
Der Abschied vom alten DaVinci erfolgt in einer Woche. Der Roboter sei zwar noch voll funktionsfähig. Aber der Hersteller stelle nun den Support mit Ersatzteilen und der Software ein, sodass die Neuinvestition erforderlich sei. „Das ist ähnlich wie bei einem iPhone, da muss man dann auch die Schritte zur nächsten Generation mitgehen“, erklärt Christoph Justinger, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie. Er sei sehr froh, nun mit der Innovation arbeiten zu können. Das neue Gerät verfüge über schlankere Greifarme und sei generell weiterentwickelt worden: „Somit können wir noch besser und auch schneller operieren.“
„Wichtiger Standortvorteil“
Das Hetzelstift profitiere jetzt davon, dass die Operationsteams schon über eine mehrjährige DaVinci-Erfahrung verfügen. Dadurch sei die Schulung fürs neue Gerät schnell gegangen. Gerade mal eine Stunde habe das jeweils gedauert – während zur DaVinci-Einführung vor Jahren noch Besuche bei anderen Krankenhäusern im Ausland sowie lange Trainings nötig waren. „Das ist jetzt wie bei einem neuen Auto. Man kennt sich aus, aber alles ist eben moderner und besser“, so Justinger. Er und auch Staudenmaier sehen außer dem Vorteil für die Patienten auch ein wichtiges Signal an die Hetzelstift-Mitarbeiter. Junge Ärzte und die gesamten OP-Teams könnten mit der modernsten Technik arbeiten. „Das ist beim Thema Personalbindung ein wichtiger Standortvorteil“, sagt Staudenmaier.
Justinger ist ohnehin überzeugt: „Robotik ist die Zukunft, weil wir so immer besser operieren können.“ Die minimalinvasiven Verfahren hätten schon einen großen Fortschritt bedeutet, da nicht mehr großflächig aufgeschnitten werden müsse. Mit der Roboterhilfe könne man bei Eingriffen noch genauer und schonender arbeiten. Tobias Lingenfelder, Leitender Oberarzt in der Urologie, erklärt die Vorteile anhand der Operationen bei Prostata-Krebs. Man müsse da sehr tief im kleinen Becken arbeiten – „mit schwerer Sicht und kaum Platz“. Das sei mit dem Roboter deutlich einfacher, weil die Geräte punktgenau ansetzen können, „und wir zudem viel besser sehen“.
Nur kleine Schnitte
Alle drei Mediziner erkennen in der neuen Technik nur Vorteile. „Patienten können viel früher wieder nach Hause, haben weniger Blutverlust und können dann schneller wieder an ihrem normalen Leben teilhaben“, zählt Lingenfelder auf. Und er nennt auch einen großen Vorteil für den Operateur: Man arbeite in einer ergonomischen Haltung. Denn beim Eingriff sitzt der Arzt etwa ein, zwei Meter neben dem Patienten und bedient über eine Konsole die Arme des Roboters, an denen sich dann auch das Operationsbesteck befindet. Über einen Bildschirm wird für den Arzt alles vergrößert und exakt dargestellt. Der DaVinci werde vor allem bei komplexen und filigranen Operationen an Prostata, Blase, Darm, Niere, Bauchspeicheldrüse oder Gebärmutter sowie bei sehr adipösen Patienten eingesetzt. Die kleinen Schnitte helfen den Ärzte zufolge dabei, dass sich die Patienten von den Operationen (oft bei Krebserkrankungen) rasch erholen können. Zudem gebe es den kosmetischen Faktor, weil keine große Narben am Körper zu sehen sind.
Patienten müssten sich keine Sorgen machen. „Es operiert nicht der Roboter, sondern der Chirurg, wir setzen nur eben ganz moderne Technik ein und können so anspruchsvolle Highend-Chirurgie machen“, sagt Justinger. Lingenfelder: „In den acht Jahren hatten wir nie ein gravierendes Problem. Beim DaVinci haben wir eine sehr zuverlässige Technik.“ Staudenmaier ergänzt, dass das Hetzelstift dank des Roboters bei Krebsbehandlungen ein „ganz anderes Spektrum“ anbieten könne als andere Krankenhäuser vergleichbarer Größe. „Wir sehen das als gutes Signal, dass wir am Hetzelstift gute Perspektiven haben.“