Neustadt Kleine Seitenhiebe

Zum ersten Mal begegnen sie sich: Wachenheims Stadtbürgermeister Torsten Bechtel (CDU), Birgit Blaul (FWG) und Birgit Stegmann, die als parteilose Kandidatin für die SPD ins Rennen um das Amt des Wachenheimer Verbandsbürgermeisters geht. Die rund 400 Zuhörer nehmen die beiden Neulinge bei der RHEINPFALZ-Podiumsdiskussion in Friedelsheim unter die Lupe: Wie schlagen sie sich gegenüber dem erfahrenen Kommunalpolitiker Bechtel, der bei der Wahl im Januar gegen Udo Kittelberger verlor, sich aber nach dessen plötzlichen Tod zu einer zweiten Kandidatur entschlossen hat? Entscheidungshilfe für die Wahl am 10. Mai. Beide Frauen setzen auf ihre Kompetenz in der Verwaltung. Die 40-jährige Gönnheimerin Birgit Blaul ist Regierungsrätin im Mainzer Wirtschaftsministerium, die neun Jahre ältere Birgit Stegmann, die aus Pirmasens stammt und seit drei Jahren in Gönnheim lebt, leitet in der Stadtverwaltung ihres Heimatorts das Personalamt. Sie legen auf Fragen der RHEINPFALZ-Moderatoren Peter Spengler, Julia Plantz und Stephan Alfter dar, was sie beim Sprung in die Politik wagen wollen. Der 45-jährige Torsten Bechtel präsentiert sich als politisch erfahrener Wachenheimer Bürgermeister und Leiter der Stadtwerke, der sich auch auf Fragen aus dem Publikum hin dazu bekennt, dass er Stadtbürgermeister bleiben und gleichzeitig Verbandsbürgermeister werden will. Alle lassen sich höflich ausreden, legen Wert auf Schlagfertigkeit und Wortwitz. So kontert Bechtel auf die Frage, wer in eine Stichwahl am 24. Mai gehe: „Welche Stichwahl?“ Eingehend wird die wahrscheinliche Fusion mit der Verbandsgemeinde Deidesheim beleuchtet, die verwaltungstechnischen Begriffe der Supermarktfrage übersetzt oder Möglichkeiten für den Tourismus aufgezeichnet. Selten kommt es zu direkten Konfrontationen. So fühlt sich Birgit Stegmann zu einer kritischen Frage an den Kontrahenten herausgefordert, als der Geografielehrer seine Nepal-Kenntnisse dazu nutzt, vor möglichen chinesischen Einflüssen beim Wiederaufbau nach dem verheerenden Erdbeben zu warnen. „Gibt es keine anderen Themen?“, fragt sie in die Runde. Bechtel lässt dies unberührt. Blaul plädiert für einen Seniorenbeirat, den sie gerne als Verbandsbürgermeisterin installieren würde, außerdem möchte sie den Tourismus weiter ausbauen in Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden. Dem demografischen Wandel gilt ihr Hauptaugenmerk: „Etwa 50 Prozent der Bevölkerung ist älter als 50 Jahre, dem müssen wir Rechnung tragen.“ Sie bedauert, dass sie ihr Mandat im Gönnheimer Rat aufgeben müsse, während Bechtel Stadtbürgermeister bleiben könne, wenn er zum Verbandsbürgermeister gewählt werde. Bechtel bekräftigt, dass er keinen Konflikt bei der Ausübung beider Ämter erkennen könne. Außerdem sei dies „nichts Besonderes“, und er sei auch in der Lage, die Interessen aller vier Orte gleichberechtigt zu berücksichtigen. Der Lehrer an der IGS in Wachenheim, der donnerstags freigestellt ist, um seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Stadtbürgermeister nachzugehen, sieht die Verbandsgemeinde in der Pflicht, mehr zu agieren, statt nur zu verwalten. „Bisher überließ man die politische Gestaltung mehr den Ortsgemeinden. Es gibt aber genug Ideen, die man einbringen müsste“, meint Bechtel und verweist beispielsweise auf Hochzeiten an Samstagen. Außerdem gebe es auf den Schulhöfen in Friedelsheim und Wachenheim „noch einiges zu tun“. Pläne müssten in der Verwaltung so erarbeitet werden, dass sie in der Praxis funktionierten, forderte er am Beispiel des Plans zum Ausbau des Ellerstadter Feuerwehrgerätehauses, der nachgearbeitet werden müsse. Für „alternative Wohnformen für Senioren“, tritt Birgit Stegmann ein. So ließen sich leerstehende Häuser in den Dorfzentren besser nutzen. „Womöglich könnte die Verbandsgemeinde die Hausbesitzer von solchen guten Ideen begeistern“, erläutert sie. Ein wichtiges Thema sei der Brandschutz, der ein hohes technisches Niveau erreicht habe, jedoch sei eine Verbesserung der Tagesalarmbereitschaft durch weitergehende Kooperationen denkbar, schlägt Stegmann vor. Auf die Frage, wie die Debatten im Verbandsgemeinderat mit FWG und SPD auf der einen und CDU auf der anderen Seite konstruktiver geführt werden könnte, bekennt sie: „Das ist schwierig.“ Jedoch habe sie bislang nur einmal die Gelegenheit gehabt, einer Ratssitzung beizuwohnen, schränkt Stegmann ein. Blaul setzt auf „ein Einsehen aller Beteiligten“ sowie „interfraktionelle Gespräche“, um verhärtete Fronten insbesondere bei der Frage um den Supermarkt-Standort aufzubrechen. „Wir müssen endlich zusammenstehen“, fordert Bechtel, der Gespräche zwischen den Ortsparlamenten favorisiert, „um mehr voneinander zu wissen“. Die Zeiten der Stellvertreterkämpfe im Verbandsgemeinderat könnten dann vorbei sein, glaubt der Wachenheimer. (led)