St. Martin RHEINPFALZ Plus Artikel Klappstuhl-Event: „Kein schöner Land“ vor imposanter Skulpturenkulisse

Kam gut an: die Gruppe Gretchens Pudel im Grünen.
Kam gut an: die Gruppe Gretchens Pudel im Grünen.

Die Kunst ist schon da, jetzt kommen auch noch Künstler hinzu: Der Kunstpfad-Verein der VG Maikammer bietet künftig Konzerte, Lesungen, Tanz oder Theater an den Großskulpturen in den Weinbergen. Den Anfang machte jetzt eine Band, die mit Volks- und Kinderliedern im Jazzgewand bundesweit Erfolge feiert.

Von Hans Kraus

Kunst kommt erst dann richtig zur Geltung, wenn sie mit Leben erfüllt wird. In der Verbandsgemeinde Maikammer hat man sich diese Erkenntnis zu Herzen genommen. Auf den Kunstpfaden dort sollen künftig Kunst stattfinden, die in ungezwungen-entspannter Atmosphäre möglichst viele Menschen zu den dort aufgestellten Großskulpturen namhafter Künstler locken sollen.

Die erste Veranstaltung dieser Art, die vom organisierenden Kunstpfad-Verein unter der Überschrift „Klappstuhl-Event“ beworben wurde, fand am Samstag in St. Martin, nahe dem Bildhäusel, an der von dem Dänen Gleb Dusavitskiy geschaffenen Stahlrohr-Installation „I believe I can fly“ statt. Für musikalische Unterhaltung sorgte die südpfälzisch-badisch-saarländische Gruppe Gretchens Pudel.

Zwei LPs veröffentlicht

Das 2011 gegründete Quintett besteht aus dem Pianisten und Leiter der Kreismusikschule Südliche Weinstraße, Adrian Rinck, Sänger Ralf Eßwein, Kontrabassist Jan Mikio Kappes, Schlagzeuger Julian Losigkeit und dem Posaunisten Jan Kamp. Zwei Langspielplatten hat das Ensemble bisher veröffentlicht, „Liedgutrecycling“ und „Kein schöner Land“. Letztere, über die sich die Band über eine Nominierung für den „Preis der Deutschen Schallplattenkritik“ freuen darf, wurde auf dem „Sturm & Klang“-Label des Münchener Songpoeten Konstantin Wecker veröffentlicht, der es sich sogar nicht nehmen ließ, während der Aufnahmen selber zum Mikrofon zu greifen und zu der Rinck-Komposition „Remembering June“ das Gedicht „Wunderliches Wort“ von Rainer Maria Rilke zu rezitieren.

In St. Martin war Wecker natürlich nicht anwesend, dafür aber rund 60 Fans, die gekommen waren, um vor der Kulisse der pinkfarbenen „I believe I can fly“-Konstruktion die leider auf nur 45 Minuten Spielzeit begrenzte Gretchens Pudel-Show zu genießen. Gretchens Pudel, die mit dem Mannheimer Bassisten Simon Schallweg für den verhinderten Jan Mikio Kappes antraten, legten eine Spielfreude an den Tag, wie man sie sonst nur selten zu sehen und zu hören kriegt.

Zuschauer per Handschlag begrüßt

Ihre Mischung aus deutschem Liedgut mit Texten bekannter Dichter und Lyriker, von Ralf Eßwein oft mit von ihm geschriebenen zeitgemäßen Veränderungen dargeboten, kam an und ließ keine Wünsche offen. Dass die nicht ernst gemeinten Kabbeleien zwischen Eßwein und Jan Kamp die Sache außerdem mit einer großen Portion Humor würzten, tat dem Geschehen zusätzlich gut. Den Zuhörern jedenfalls, die zu Anfang von den Musikern alle persönlich per Handschlag begrüßt worden waren, gefiel, was ihnen da bei freiem Eintritt serviert wurde. Darum sparten sie auch nicht an Applaus, wenn die Pudel mit großem handwerklichen Geschick und einem besonderen Verständnis für die Songs Stücke wie „Du, du liegst mir im Herzen“, „Im Frühtau zu Berge“ oder auch „Oh du lieber Augustin“ auf ihre ganz spezielle Art und Weise swingend und jazzend interpretierten.

Leider ging die Zeit dabei viel zu schnell um. Aber, weitere „Klappstuhl-Events“ stehen bereits fest. Das nächste gibt es schon am Donnerstag (Fronleichnam), 30. Mai, 20 Uhr, in Maikammer an der Skulptur „Wächter“. Auch hier will der Kunstpfad-Verein unter seinem Vorsitzenden Herbert Pauser noch nicht preisgeben, wer dann für das Entertainment zuständig sein wird. „Klappstuhl-Events sind wie Wundertüten, niemand soll schon im Voraus wissen, was dabei herauskommt“, erklärt Pauser.

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