Neustadt Kegelbahn ist im Urlaub immer in der Nähe
«St. Martin/Hassloch.» Deutscher Meister, Inhaber des deutschen Rekords: Dieter Rackow wurde kürzlich von Maikammers Verbandsbürgermeister Karl Schäfer für seine herausragende Leistung im Kegeln im Jahr 2016 ausgezeichnet. Die Leistungen des 70-Jährigen aus St. Martin sind so außergewöhnlich wie seine Lebensgewohnheiten, die er dem Sport völlig unterordnet.
Urlaub ohne eine Kegelbahn in der Nähe kommt für den Ü70-Rekordinhaber nicht infrage. „Ich kann nicht vier Wochen pausieren, muss immer im Rhythmus bleiben, immer trainieren“, sagt der in St. Martin lebende Ruheständler, der früher bei der Deutschen Bahn in Maikammer eine Ausbildung absolviert hat. Zu jener Zeit, Ende der 1950er-, Anfang der 1960er-Jahre, kegelte Rackow im Mußbacher Bürgerstübel mit Freunden und Bekannten. Da reifte bei ihm der Gedanke, Kegeln als Leistungssport zu verstehen. So fuhr er abends nach der Arbeit mit dem Zug nach Landau, wo er sich dem Eisenbahner-Sportverein und dessen Kegelabteilung angeschlossen hatte. Später wurde Rackow über Jahrzehnte beim Postsportverein Neustadt heimisch, feierte drei deutsche Mannschafts-Postmeisterschaften und vier Einzeltitel. Seit zwei Jahren kegelt er bei der TSG Haßloch – und zwar in der Regionalliga der Deutschen Classic-Kegler-Union (DCU), dem größten deutschen Keglerverband. Hier trifft er auf teils bis zu 50 Jahre jüngere Gegner, die aber Rackow immer wieder in den Griff bekommt. Gespielt werden 200 Würfe, Spieldauer: etwa 1:20 Stunden. „Von der Belastung her gibt es Studien, die sagen, das sei mit einem 10.000-Meter-Lauf vergleichbar“, verweist Rackow darauf, dass Leistungskegeln nicht mit dem Image eines Kneipensports in verrauchter Umgebung und mit reichlich Alkohol zu tun habe. Seine Frau, die ihn schon als begeisterten Kegler kennengelernt hatte, hat seine Leidenschaft immer unterstützt. Nun revanchiert er sich, hilft ihr immer in ihrem Keramikwarenladen aus. „Ein guter Ausgleich zum Sport“, findet Rackow. Die Liga ist längst abgehakt. Die TSG-Mannschaft um Rackow beendete sie mit einem „guten siebten Platz“. Im Sommer ist wieder die Zeit der Einzelwettbewerbe. Bei der deutschen Meisterschaft der Seniorinnen und Senioren vom 8. bis 9. Juli in Nußloch ist Rackow als Titelverteidiger gesetzt, dennoch tritt er auch wieder bei der Landesmeisterschaft an. An jeweils zwei Tagen werden je 100 Wurf absolviert. 50 in die Vollen, 50 im Modus „Abräumen“. Seine 925 Holz aus den 200 Wurf bei der DM 2016 in Lampertheim sind deutscher Rekord in der Altersklasse Senioren C. „Wenn die Leistung stimmt, dann spielt das Alter keine Rolle“, sagt Rackow über seine Ambitionen in der Regionalliga, wo er zuletzt gesetzt war. „Aber wenn Jüngere besser sind, dann spiele ich auch gerne in der Zweiten Mannschaft weiter“, so der kinderlose Oldie des TSG-Teams. Neben dem Kegeln hat Rackow noch ein großes Hobby. Er hat die Kunstfigur „Maademer Karl“ entworfen und schlüpft so immer wieder in eine zweite Identität. So unterhält er Leute mit „Gereimtem und Ungereimtem auf Pfälzisch“, bei historischen Dorfführungen durch St. Martin auch im Schlafanzug vom heimischen Balkon aus oder auf Geburtstagsfeiern, Betriebsfestlichkeiten und ähnlichen Anlässen. Weil auch das viel Zeit in Anspruch nimmt, ist Dieter Rackow beim Kegeln eher spartanisch ausgestattet. Auf eine eigene Kugel verzichtet er zum Beispiel. „Ich nehme immer die des Veranstalters. So muss ich keine eigene Kugel umhertragen und spare die Zeit, die durch die Pflege der Kugel auf mich zukäme“, erläutert der deutsche Senioren-C-Meister.