Neustadt
Kaufkraft steigt an: Neustadter haben 780 Euro mehr im Geldbeutel als noch vor zwei Jahren
Was ist die Kaufkraft und wie berechnet sie sich?
Die Kaufkraft gibt einen Hinweis darauf, wie viel Geld zum Konsum verfügbar ist, und basiert auf dem Einkommen der privaten Haushalte in Deutschland. Berechnet wird sie aus amtlichen Lohn- und Einkommenssteuerstatistiken. Dafür wird vom Nettoeinkommen – zuzüglicher sonstiger Einkommen wie Renten, Arbeitslosen-, Wohn-, Eltern-, Kindergeld oder BAföG – ein Kürzungsbetrag der Höchstverdiener abgezogen. Nettoeinkommen über 300.000 Euro werden also herausgerechnet. Dies ist nötig, um eine Verfälschung der Kaufkraftwerte gerade in kleineren Gemeinden zu vermeiden. Denn laut der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) weicht das Konsummuster von Unternehmern, die ab einer bestimmten Grenze ihre Einnahmen meist in ihren eigenen Betrieb reinvestieren, deutlich von dem der privaten Haushalte ab. Diese verwenden ihr Einkommen für Konsumzwecke (Reisen, Ausgaben im Einzelhandel), für die Miete, das Sparen und die Altersvorsorge. Ferner werden die Berechnungen mit volkswirtschaftlichen Informationen und Prognosen von Wirtschaftsinstitutionen verknüpft. Für ganz Deutschland wird die Kaufkraft in diesem Jahr auf fast 2000 Milliarden Euro geschätzt.
Wie sind die Werte für Neustadt?
Die GfK hat für Neustadt eine Kaufkraft von insgesamt 1,3692 Milliarden Euro berechnet, was 25.762 Euro je Einwohner und damit 780 Euro mehr als noch vor zwei Jahren entspricht. Damit liegt Neustadt 8,4 Prozent über dem Bundesdurchschnitt (23.766 Euro) und pfalzweit auf Platz drei. Nur im Rhein-Pfalz-Kreis (26.914 Euro) und dem Landkreis Bad Dürkheim (26.664 Euro) haben die Einwohner in diesem Jahr mehr Geld im Portemonnaie. Der Landesdurchschnitt liegt in Rheinland-Pfalz bei 23.241 Euro je Einwohner.
Wie ist die Lage im Landkreis Bad Dürkheim?
Im Landkreis Bad Dürkheim ist die durchschnittliche Kaufkraft im Vergleich zu 2018 um 861 Euro pro Kopf gestiegen. Das meiste Geld haben die Menschen in Battenberg (39.056 Euro) zur Verfügung, wohingegen die Elmsteiner mit 20.494 Euro weit abgeschlagen das Schlusslicht bilden. Aber auch zwischen Deidesheim (28.426 Euro / 2018: 26.861), Forst (30.338 Euro / 29.158), Frankeneck (22.575 Euro / 21.378), Haßloch (24.201 Euro / 23.198), Lambrecht (20.631 Euro / 20.295), Lindenberg (23.645 Euro / 22.970), Meckenheim (27.737 Euro / 26.627), Neidenfels (22.739 Euro / 22.315), Niederkirchen (26.744 Euro / 25.991), Ruppertsberg (28.995 Euro / 27.953) und Weidenthal (21.240 Euro / 20.338) lassen sich deutliche regionale Unterschiede erkennen. Die gesamte Kaufkraft im Landkreis Bad Dürkheim wird von der GfK mit 3,5372 Milliarden beziffert.
Wie hoch ist die Kaufkraft im Landkreis Südliche Weinstraße?
Mit einer Kaufkraft von 24.639 Euro (2018: 23.876) pro Kopf und einem Gesamtbetrag von 2,719 Milliarden Euro rangiert der Kreis Südliche Weinstraße pfalzweit im Mittelfeld, liegt aber trotzdem noch 3,4 Prozent über dem bundesweiten Durchschnitt. In Kirrweiler liegt die Kaufkraft je Einwohner bei 25.993 Euro (2018: 24.751) und damit zwischen den Werten für Maikammer (26.015 Euro / 25.000) und Sankt Martin (25.086 Euro / 24.971). Spitzenreiter im Kreis ist Leinsweiler (31.444 Euro), am Ende der Tabelle findet sich Völkersweiler (19.648 Euro).
Wie sieht es in den Nachbarstädten aus?
Zweibrücken ist nicht nur die kleinste kreisfreie Stadt Deutschlands, sondern hat in absoluten Zahlen auch die geringste Kaufkraft der pfälzischen Städte und Landkreise: 732,4 Millionen Euro. Gemessen an der Einwohnerzahl ist die Kaufkraft jedoch in Pirmasens am niedrigsten (19.970 Euro). In Bad Dürkheim liegt sie mit 27.559 Euro deutlich höher, ebenso in Kaiserslautern (21.166 Euro), Landau (23.576 Euro) und Speyer (25.113 Euro).
Wie sieht es mit der Einzelhandelskaufkraft aus?
Ein Teil der allgemeinen Kaufkraft ist die Einzelhandelskaufkraft. Darunter wird der Betrag verstanden, der den Bürgern für Einkäufe im Einzelhandel zur Verfügung steht – während andere Teile der Kaufkraft beispielsweise für Mieten, Zinsen, Versicherungen und Reisen ausgegeben werden. Die GfK hat für 2020 für Deutschland eine Einzelhandelskaufkraft von knapp 500 Milliarden Euro ermittelt, was 6012 Euro pro Kopf entspricht. Sowohl Neustadt (6443 Euro), Haßloch (6106 Euro) als auch Bad Dürkheim (6628 Euro) liegen damit über dem bundesweiten Durchschnitt.
Wie attraktiv ist Neustadt für den Handel?
Für die Standortattraktivität ist die sogenannte Einzenhandelszentralität ein wichtiger Indikator. Sie steht im direkten Zusammenhang mit den Kundenströmen zwischen den Städten und ihrem Umland und beschreibt den Kaufkraftzufluss beziehungsweise -abfluss einer Gemeinde oder Region. Für Neustadt beziffert die GfK die Einzelhandelszentralität mit einem Wert von 111,5. Das bedeutet, dass der Einzelhandel 11,5 Prozent mehr Umsatz generiert, als die Neustadter im Handel ausgeben. Vor allem der Tourismus dürfte ein Grund dafür sein. Im Gegensatz zu Neustadt verzeichnen Haßloch (Zentralitätskennziffer 89,6) und Bad Dürkheim (93,4) einen Kaufkraftabfluss.
Wie belastbar sind die Angaben?
Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat ihren Sitz in Nürnberg. Sie existiert seit 1935 und ist das größte Marktforschungsinstitut in Deutschland. Die Daten zum Konsumpotenzial in der Bundesrepublik sind am Markt anerkannt.