Neustadt Königsbacher Kerwerednerin macht Platz für nächste Generation

Geschichten werden das ganze Jahr über gesammelt, das Schreiben dauere dann nur einen Tag: Timo Krämer und Marina Orth beim Vort
Geschichten werden das ganze Jahr über gesammelt, das Schreiben dauere dann nur einen Tag: Timo Krämer und Marina Orth beim Vortrag der Kerweredd in Königsbach.

Von 19. bis 23. Juni wird in Königsbach Weinkerwe gefeiert. Kerwerednerin Marina Orth stand über bis zuletzt in der ersten Reihe und blickt zurück auf ein Dorffest im Wandel.

Seit 23 Jahren bringt Marina Orth das Königsbacher Ortsgeschehen in der jährlichen Kerweredd auf den Punkt. Zum Schreiben fürs und übers Dorf kam die heute 60-Jährige durch ihre Vorgängerin Angelika Fröbis. „Sie hat mich angesprochen, ob ich nicht Lust hätte“, erzählt Orth. Nach dem Tod von Fröbis Mitte der 2000er-Jahre verfassten und hielten Orth und Hubert Oberhettinger die Rede gemeinsam, bis er Ende 2018 verstarb. Im vergangenen Jahr trug Orth zum letzten Mal selbst die Kerweredd vor, ist als Autorin aber weiter aktiv. „Ich schreibe unheimlich gerne, möchte nach all den Jahren aber nicht mehr auf der Bühne stehen.“

Eine gute Kerweredd greift auf, was im Ort passiert – und lässt dabei Raum für Kritik. „Natürlich wollen wir niemanden beleidigen oder verunglimpfen. Die Themen sollten nicht zu persönlich, sondern für die Allgemeinheit witzig sein“, erklärt Orth, die in vielen Vereinen aktiv war und so viel vom Dorfleben mitbekommen hat. „Manchmal wird gewarnt: Pass auf, was du sagst, sonst kommst du in die Kerweredd“, erzählt die 60-Jährige und lacht. Sobald sie irgendwo etwas Spannendes mitbekommt, macht sie sich Notizen. So schenkten die Königsbacher ihren Kerwebaum im vergangenen Jahr an die Mußbacher weiter. Der dortige Ortsvorsteher Roland Ipach (FWG) versprach im Gegenzug für jeden Meter Baum eine Flasche Weinbrand. „Es hat ein wenig gedauert“, merkt Orth augenzwinkernd an. Doch inzwischen seien neun Flaschen von Mußbach nach Königsbach gewandert.

Wenig Nachwuchs, hohe Auflagen

Mit den Jahren sei es schwieriger geworden, Themen für die Kerweredd zu finden, einerseits weil in den meisten Vereinen der Nachwuchs fehle und seltener Ausflüge unternommen werden. Andererseits wird das Fest an sich immer kleiner, die Auflagen werden immer höher. „Die Jungen zieht man mit Livemusik. Das muss man aber auch bezahlen“, sagt Orth und meint damit nicht nur die Gage der Musiker, sondern auch Gebühren und Kosten, etwa für die vorgeschriebene Sicherheitsprüfung der Elektrik.

1999, als Orth aus Duttweiler zuzog, sei die Weinkerwe in Königsbach noch größer und mit Kerwelauf und Fassanstich traditionsreicher gewesen. „Beim Umzug waren damals zum Beispiel noch die Fasnachter und die Kerwekinder mit einem Wagen dabei. Die Kinder machten an jeder Ausschankstelle Halt, um einen Spruch aufzusagen“, erinnert sich Orth. Günter Pritzl kündigte als Dorfbüttel 15 Jahre lang den Zug mit einer Glocke an, bis er aus Altersgründen aufhören musste. Werner Benz zog bis ins hohe Alter seine als Bäuerin verkleidete Frau Christel in einem Leiterwagen durchs Dorf, während sie Wurstbrote verteilte.

Aus der Prinzessin wird ein Prinz

Heute läuft alles eine Nummer kleiner ab. Aber es gab und gibt Versuche, dem Fest wieder mehr Schwung zu verleihen. Neue Formate, wie etwa die Mitmach-Rallye, die der Musikverein 2024 aufwendig vorbereitet hatte, werden nach Orths Erfahrung auf lange Sicht nicht ausreichend angenommen. „Jungen Eltern fehlt die Zeit, sich zu engagieren – gerade, wenn beide berufstätig sind. Wenn aber immer weniger Leute mitziehen, muss man sich irgendwann fragen: Wie lange kann es die Kerwe so noch geben?“, meint Orth und erinnert daran, wie wichtig das Fest fürs Dorfleben und auch für die Vereinskassen sei.

Eine Neuheit steht 2026 in Sachen Weinhoheit an: Nach der zweijährigen Amtszeit von Lynn Pompeus hat sich in diesem Jahr kein junges Mädchen aus Königsbach für das Amt der Weinprinzessin gefunden – deshalb wird nach der Kerwe, am Sonntag, 28. Juni, 11 Uhr, auf dem Schulhof erstmals ein junger Mann zum Königsbacher Weinprinz gekrönt: Julian Bormke wird keine Krone, sondern eine Schärpe tragen.

Duettpartnerin gesucht

Beim Kerweumzug am Samstag, 20. Juni, ab 17 Uhr ab dem Anwesen Kaub werden aber noch Weinprinzessin Lynn und Traubensaftprinzessin Annabell zu sehen sein. Anschließend wird die Kerwe auf dem Kerweplatz mit Aufstellung des Kerwebaums eröffnet. Es folgen die Kerweredd, vorgetragen von Timo Krämer und einer zwei Wochen vor Feststart noch unbekannten Duettpartnerin, sowie „musikalische und sportliche Beiträge“.

Die Brandlöscher öffnen freitags, samstags und dienstags von 17, sonntags und montags ab 11 Uhr. Schluss ist jeweils um Mitternacht. Mit dabei sind auch die Katholische Frauengemeinschaft (Sonntag und Montag, 13.30 bis 17 Uhr) mit Kaffee, Kuchen und Waffeln, das Weinstraßenatelier Ludwig Fellner mit eigener Ausstellung (Samstag und Sonntag, 14 bis 18 Uhr) sowie die Weinbar Unique (täglich 11 bis 19 Uhr).

Livemusik und DJs

Neben Essen und Getränken wird es auch Livemusik geben: Beim Musikverein tritt am Freitag um 19 Uhr der Musikverein Lachen-Speyerdorf auf, samstags zur gleichen Zeit die Ruppertsberger Bloskapell. Ab 22 Uhr wird das WM-Spiel Deutschland-Elfenbeinküste gezeigt. Sonntags um 12 Uhr ist die Musikkapelle Waldmichelbach zu Gast, um 14 Uhr startet der Kinder- und Jugendnachmittag mit Jugendorchestern aus der Region. Um 19 Uhr spielt der Musikverein Diedesfeld. Montag um 19.30 Uhr steht dann der Musikverein Königsbach selbst auf der Bühne.

Beim Förderverein Die Kinschbacher unterhält freitags ab 20 Uhr die Band Pina Colada, samstags läuft ab 19 Uhr Partymusik. Sonntags gibt es von 15 bis 17 Uhr ein Bastelangebot für Kinder. Im Lavendelhof lockt freitags ab 17.30 Uhr Loungemusik, samstags bieten die DJs Sven Kegel, Tombra und Mao ein Afterwork-Programm. Sonntags sind ab 14 Uhr „Wein, Beats und Genuss“ angekündigt, montags ab 18 Uhr spielt Liedermacher Oli Roth.

Am Sonntag findet um 10.30 Uhr ein ökumenischer Kerwegottesdienst an der Klausenkapelle mit Pastoralreferentin Melanie Müller statt. Montags ab 17 Uhr winken für Kinder Freifahrten an den Fahrgeschäften am Kerweplatz. Dienstag um 19 Uhr wird das Fest offiziell eingekoffert, wobei seit 2021 eine Flasche Wein, die RHEINPFALZ, der Kerweflyer sowie die Kerweredd in einen Koffer gepackt werden. Ganz zum Schluss singen alle das Königsbach-Lied.

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