St. Martin RHEINPFALZ Plus Artikel Junge Kantorei: Alles hat seine Zeit

Die Junge Kantorei St. Martin bereitet sich auf eine Uraufführung vor.
Die Junge Kantorei St. Martin bereitet sich auf eine Uraufführung vor.

Mit der Uraufführung eines Auftragswerks macht die Junge Kantorei St. Martin am Sonntag, 16. Oktober, wieder einmal spektakulär von sich reden. Dann wird die 30-minütige Kantate „Alles hat seine Zeit“ von Michael Villmow, interpretiert durch die Ensembles von Kantorin Ute Hormuth und Instrumentalisten sozusagen das Licht der Welt erblicken.

Dass in der katholischen Pfarrkirche des Weinorts regelmäßig mit internationalem Zuschnitt konzertiert wird – vor wenigen Wochen erst war das Leipziger Calmus Ensemble zu Gast – ist mittlerweile längst kein Geheimtipp mehr.

Michael Villmow, Jahrgang 1956, aufgewachsen in Norwegen und den USA, avancierte nach seinem Studium an der Musikhochschule Köln rasch zu einem der führenden Jazz-Saxophonisten, konzertierte in den 1990er Jahren unter anderem mit Ray Charles, Sammy Davis Junior, Jennifer Rush und Markus Stockhausen. Immer auch pflegte er sein pädagogisches Faible, beim Bundesjugendjazzorchester etwa oder als Lehrer an der Rheinischen Musikschule Köln. Und die menschliche Stimme, das Komponieren für und Arbeiten mit Chöre(n) zählt nach eigenem Bekenntnis zu seinen großen Leidenschaften.

Erstkontakt bereits 2012

Ute Hormuth hatte, wie sie erzählt, erste Berührungspunkte 2012 im Rahmen eines Workshops, den Villmow gemeinsam mit dem Leiter der renommierten Kölner Kantorei, Volker Hempfling, leitete. Es sei schon „musikalische Liebe“ auf den ersten Blick gewesen. „Er folgte bereitwillig meiner Einladung in die Pfalz, wo er zuvor noch nie gewesen war“, wie sie schmunzelnd anmerkt. „Und wir haben in St. Martin dann 2013 spontan seine ,Missa de Angelis’ erarbeitet und aufgeführt.“

2018 gab es eine Neuauflage mit dem „Da Pacem“ von Michael Villmow – die Verbindung war auch zwischenzeitlich nie abgerissen –, und danach mehrten sich die Stimmen aus Reihen der Jungen Kantorei, doch mal über ein Auftragswerk nachzudenken. „Nicht allein, dass alle von der Musik begeistert waren – es gab auch umgehend Angebote zum Sponsoring“, begeistert sich die Kantorin noch jetzt.

Spannungsfeld des Lebens als Spielfeld

Rasch war das Thema des Werks ausgedeutet – „Omnia tempus habet – Alles hat seine Zeit“. Es zitiert Verse aus einem alttestamentarischen Bibeltext (Prediger 3, 1-11), sei ebenso zeitlos wie von stets aktueller Gültigkeit, so Ute Hormuth. Es geht um das Leben schlechthin, das Kontradiktum zwischen Geburt und Sterben, Schmerz und Glück, Zerstörung und Ausbau, Schweigen und Reden, Krieg und Frieden, schließlich Hass und Liebe. „Was für ein großartiges Spielfeld für mich als Komponist – eine fordernde, aber gleichzeitig beglückende Aufgabe!“, so beschreibt es Michael Villmow selbst.

Was sich dann in der Realisation ereignete, war sozusagen ein Work in Progress. Villmow lieferte in Etappen, ließ Raum für Besetzungswünsche – Kinderchor, Jugendchor hier; oder doch die reiferen Stimmen? –, integrierte Begehren nach Klangfarbe, inhaltlicher Akzentuierung. „Es war einfach fantastisch, wie das gewachsen ist, sich letztlich zum Werk aus einem Guss geformt hat.“ Die Vertrautheit mit dem Chor und seiner Leiterin Ute Hormuth schuf beste Voraussetzungen für den Prozess des Komponierens, sagt Michael Villmow. Und man staunt nicht schlecht ob dieser Bekundung. Denn mit solch demokratischem Umgang im Schaffensprozess ist er eine echte Ausnahmeerscheinung unter seinen schöpferischen Kollegen. Das instrumentale Fundament für die Chorensembles der Jungen Kantorei St. Martin liefern ein Streichquartett, Orgel, Saxophon und Perkussion. Ergänzend zur Uraufführung warten Jugendchor und Junge Kantorei noch mit Sätzen aus ihrem Repertoire auf und es gibt Instrumentalmusik von Michael Villmow.

Termin

Michael Villmow: „Alles hat seine Zeit“ – Uraufführung; Chöre der Jungen Kantorei, Michael Villmow, Saxophon, Manfred Öchsner, Klavier und Orgel, Felix Zeller, Schlagwerk, Sumin Lee und Karoline Janot, Violinen, Birgit Dorndorf, Viola, Zherar Yuzengidzhyan, Cello, Leitung: Ute Hormuth, Kath. Pfarrkirche St. Martin, 16. Oktober, 18 Uhr; Eintritt frei bei Bitte um Spenden; Info: www.junge-kantorei-stmartin.de

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