Neustadt „Jedes Wasser ist anders“

Wie Trinkwasser gewonnen wird, haben Besucher am Wochenende im Maxdorfer Wasserwerk erfahren. Diesen nicht alltäglichen Einblick in die Wasseraufbereitung hat die Friedelsheimer Gruppe anlässlich ihres 90-jährigen Bestehens gewährt. Der Wasserzweckverband versorgt auch Niederkirchen und Meckenheim.
Rund 1,5 Millionen Kubikmeter: So viel Wasser ist in dem Werk im Heideweg nahe dem Kreisbad im vergangenen Jahr aufbereitet worden. „So viel wie noch nie zuvor in der Geschichte unseres Verbands“, berichtet Werkleiter Wilfried Weber. Zusammen mit den beiden Werken in Hochdorf und Wachenheim waren es sogar 2,5 Millionen Kubikmeter, auch das ein Rekord. „Das lag an der extrem langen Trockenheit im Sommer“, so Weber. Allein im Juli wurden demnach 280.000 Kubikmeter aufbereitet. „Das sind die Spitzenleistungen, für die wir gerüstet sein müssen, obwohl dieser Bedarf nur für einige Stunden im Jahr besteht“, sagt der Werkleiter. Bis zu 1000 Kubikmeter je Stunde werden dann maximal geschafft. „Dann laufen auch alle zwei Aufbereitungsstraßen. Normalerweise ist nur eine in Betrieb“, ergänzt Wassermeister Achim Süntzenich. Zum Vergleich: Im Wintermonat Januar wurden nur 150.000 Kubikmeter benötigt. Das erforderliche Wasser fördert die Friedelsheimer Gruppe aus derzeit drei Brunnen, die bis zu 300 Meter tief in den Boden reichen. Um die genannten Mengen dauerhaft sicherstellen zu können, plant die Friedelsheimer Gruppe den Bau eines weiteren Brunnens. Das Genehmigungsverfahren dafür läuft bereits. Erste Station für das Wasser im Werk ist die Enteisenung. Hier wird dem Wasser aus einer Kaskade Luft zugeführt, damit die Oxidation einsetzt, sprich durch eine chemische Reaktion Eisen aus dem Wasser gelöst wird. Hinterher durchläuft es den sechs Meter hohen Enthärtungsreaktor. Dort werden dem Wasser im sogenannten Natronzimmer Natronlauge und feiner australischer Sand beigemischt. „Der im Wasser enthaltene Kalk legt sich jetzt um die Sandkörnchen, die zu harten Kalkkugeln anwachsen und in großen Becken gesammelt werden“, erläutert Weber, wie das Entkalken funktioniert. Der Weg des Wassers geht weiter durch das Ozonbecken sowie den Entmanganungs- und den Aktivkohlefilter. Erst danach erfüllt das Wasser die Vorgaben der Trinkwasserverordnung und darf mit 7,1 bar Druck ins Leitungsnetz eingespeist werden. „Das ist ein relativ hoher Druck, aber er ist nötig, um die 75 Meter Höhenunterschied nach Wachenheim zu überwinden“, erläutert der Werkleiter. Auch der Aufwand, der im Maxdorfer Werk zur Wasseraufbereitung betrieben werde, falle recht groß aus. „Jedes Wasser ist anders und muss entsprechend anders behandelt werden. Die Methode in unserem Werk hat sich als die beste für das Wasser hier erwiesen“, sagt er. Anderswo reiche es bisweilen, lediglich Luft zuzuführen. Wiederum andere Anbieter müssten dagegen noch mehr Aufwand auf sich nehmen. Über den Aufbereitungsprozess des Wassers etwa informierten sich am Sonntag bei den verschiedenen Führungen jeweils bis zu 30 Teilnehmer. (mamü)