Neustadt Jede Menge Premieren

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Schon seit Jahren geht die Neustadter Schauspielgruppe neben dem traditionellen Freilichttheater im Park der Villa Böhm auch andere Wege. Das solle im kommenden Jahr fortgesetzt werden, kündigt der Vorsitzende Pascal Bender an. So steht mit „Amely, der Biber und der König auf dem Dach“ von Tankred Dorst erstmals ein Kinderstück auf dem Programm. Regie führt Timo Auer, der seit zwei bis drei Jahren bei der Gruppe mitmacht, und von dem auch der Vorschlag stammt. Im Mittelpunkt des Stücks, das Elemente mehrerer Märchen der Brüder Grimm vereinigt und für Kinder ab fünf Jahren gedacht ist, steht Amely, die von ihrer bösen Stiefmutter und ihrer bösen Stiefschwester getriezt wird. Die Premiere ist am 11. März im Theater Katakombe. Einige der weiteren Aufführungen finden im Casimirianum statt – einem neuen Spielort für die Schauspielgruppe, der sich durch die Zusammenarbeit mit der Stiftskirchengemeinde ergeben hat. Schon in der Vergangenheit habe es kleine gemeinsame Projekte gegeben, so Bender. Nun habe Pfarrer Oliver Beckmann Isolde Opielka, Aktive der Schauspielgruppe, wegen einer Zusammenarbeit zum Reformationsjahr angesprochen. Daraus ist das aktuelle Winterstück entstanden, „Waschtag bei Luthers“, eine Eigenkreation Opielkas. Waschfrauen hatten früher eine wichtige Funktion, nicht nur weil sie die Wäsche säuberten, sondern auch, weil sie eine Art Informationszentrale waren. Böse, natürlich männliche, Zungen behaupteten, dass sie tratschten. In dem Stück treffen sich 1546 nach dem Tod Martin Luthers sechs Waschfrauen in seinem Haus, um die Wäsche für die große Trauerfeierlichkeit vorzubereiten und reflektieren über ihre Zeit. Die Premiere ist am 21. Januar im Casimirianum. Der Erlös der Premiere soll dem Frauenhaus gespendet werden. Im Sommer steht dann wieder einmal ein Stück von William Shakespeare, einem der „Hausautoren“ der Schauspielgruppe, im Park der Villa Böhm an, die dunkle Königstragödie „Richard III.“. Regie führen Christoph Frey und Christian Keppler. Einen amerikanischen Komödienklassiker von Thornton Wilder hat sich das Dramatische Hoftheater für seine mittlerweile fünfte Produktion im Herrenhof Mußbach vorgenommen: „Die Heiratsvermittlerin“ spielt Ende des 19. Jahrhunderts in New York und handelt von der quirligen Witwe Dolly Gallagher Levi, die sich als Heiratsvermittlerin über Wasser hält, aber auch selbst gerne unter die Haube kommen würde. Ausgesucht hat sie sich den reichen Kaufmann Horace Vandergelder, der aber erst noch auf die richtige Spur gesetzt werden muss. „Das Stück wird trotz des wunderschönen Plots nur recht selten auf deutschen Bühnen gespielt“, sagt Markus Mohr, der auch Regie führt. Weitaus bekannter ist allerdings das Musical „Hello Dolly“, dem es als Vorlage diente. Für das Hoftheater bedeute die Inszenierung in mehrerer Hinsicht eine Weiterentwicklung, so Mohr. Es ist von der Größe des Ensembles her die bislang aufwendigste Produktion seit der Gründung der Gruppe. Möglich sei dies nur, weil das Hoftheater in dieser Zeit sowohl, was die Zuschauerzahlen als auch die Aktiven vor und hinter der Bühne betrifft, kontinuierlich gewachsen sei. Die Premiere ist am 22. April im Herrenhof. Die Hauptrollen spielen Christina Jakobs, Wolfgang Braunstein, Debora Thomas-Chmielus, Guntram Raquet und Lucas Müller. Das Theater Minko hat seine Durststrecke überwunden und feiert am 9. März in der Parkvilla des Mußbacher Herrenhofs die Premiere einer neuen Produktion. Der Theatergruppe waren die meisten der Aktiven abhanden gekommen, so dass zuletzt keine Inszenierung mehr möglich war. Durch eine Werbeaktion im Frühjahr kamen aber neue Leute dazu. „Verdammt lang her“, heißt das neue Stück, eine Eigenproduktion des Theaters. Von den acht Mitwirkenden sei die Hälfte neu dabei, erzählt Sprecher Bodo Redner. Regie führt Bernhard Weller („Spitz und Stumpf“). „Es geht um Beziehungen, die scheinbar intakt sind, bei denen sich aber Abgründe auftun“, beschreibt Redner das Stück. Das Edelhoftheater Kirrweiler spielt immer im Herbst. „Wir hatten sehr erfolgreiche Aufführungen sowohl beim Erwachsenen- als wie auch beim Kinder- und Jugendtheater“, blickt Redner, Hausregisseur der Kirrweilerer, zurück. Sicher sei, dass die meisten der Mitwirkenden auch 2017 wieder mitmachen wollten, so dass es wieder ein Stück für Erwachsene und eines für Kinder und Jugendliche geben werde. Was gespielt wird, sei aber noch vollkommen offen. Bei den Erwachsenen könnte sich Redner wieder eine englische Komödie vorstellen. Eine weitere Premiere feiert er am 13. Mai im Bürgerhaus in Maikammer mit dem Duo „Text-Taxi“, einem gemeinsames Projekt mit Kerstin Bachtler. Das Programm heißt „Schneewittchen-vergiften.de“. „Wir verfremden Märchen, indem wir sie durch mehrere Übersetzungsprogramme jagen, dadurch bekommen sie ganz neue Facetten, das wird sehr, sehr lustig“, so Redner. Nachdem das Haßlocher „Theater im Hof“ in diesem Jahr sein Sommerstück absagen musste, weil der Hauptdarsteller kurz vor der Premiere mit Bandscheibenvorfall ausfiel, werde es 2017 auf jeden Fall wieder Freilichttheater im Hof des Ältesten Hauses geben, verspricht Regisseur Tommy Schmidt. Was gespielt werde, entscheide sich allerdings erst in diesen Tagen, denn er liebäugele damit, ein eigenes Stück in Angriff zu nehmen. „Ich habe ja auch schon Stücke für die Märchenbühne geschrieben“, sagt er. Allerdings ist das vorgesehene Stück, das im England der Shakespeare-Zeit spielen soll, noch nicht fertig, und so hänge letztlich alles daran, wie schnell er vorankomme. „Wir planen aber auf jeden Fall was“, beruhigt Schmidt alle, die befürchten, dass das Sommertheater erneut in Gefahr ist. Auch die schon 2016 vorgesehene Satire „Schwarz auf Weiß“ von Ephraim Kishon sei ja wieder eine Option. Für die von ihm begründete Haßlocher Märchenbühne, deren Stücke traditionell im Herbst anstehen und bei der Schmidt nach wie vor als Ideengeber fungiert, könnte sich der Regisseur gut den „König der Löwen“ vorstellen. Hier hänge allerdings alles davon ab, ob es gelinge, den verdienten Bühnenbildner Rainer Dietz noch einmal breitzuschlagen, „denn ohne schöne Kulissen geht da gar nichts“. Die Theater-Utensilien bereiten dem „Theater im Hof“ auch sonst derzeit große Probleme, wie der Vorsitzende Horst-Sven Becker ergänzt: Weil das bisherige Lager an der Avia-Tankstelle bis 30. Juni geräumt werden müsse, suche der Verein händeringend nach Ersatz: etwa 100 Quadratmeter, trocken, beleuchtet, ebenerdig und bezahlbar, lautet der Herzenswunsch. „Wir leben noch, und wir haben Ziele“, sagt Georg Metzner, der Vorsitzende des Theatervereins Haßloch. Am Horizont steht dabei das Jubiläum „50 Jahre Freilichtbühne Haßloch“, das 2018 gefeiert werden soll: mit einer Neuinszenierung eines Stücks aus den Anfangsjahren, „Der fröhliche Weinberg“ von Carl Zuckmayer, das ins Pfälzische übertragen werden solle. „Wir haben ja inzwischen einen guten Namen als Mundartbühne“, sagt Metzner. Auch schon 2017 steht deshalb ein Mundartstück auf dem Programm: „Die Silberne Hochzeit“, das 2006 schon einmal aufgeführt wurde. Regie führt Hans-Peter Ganzert. Gespielt wird im Studio. „Die Bühne dort hat ein eigenes Flair“, sagt Metzner. Neben Aktiven des Theatervereins werden Mitglieder der Theatergruppe der ehemaligen katholischen Jugend Geinsheim mitwirken. Die Premiere ist für Spätsommer geplant. Gleich drei Premieren stehen bis zum Sommer beim Boulevardtheater Deidesheim an, und die zeigten, wie Theaterleiter Boris Stijelja unterstreicht, wie vielfältig das Angebot des kleinen Privattheaters inzwischen sei, dessen Publikum altersmäßig von 3 bis 99 reiche. So gibt es am 3. Februar mit „Bauer sucht Sau“ eine neue Pfälzer Mundartkomödie, bei der Petra Mott vom Ludwigshafener Theater Hemshofschachtel Regie führt und auch selbst die Hauptrolle spielt. Am 8. April feiert „Heiße Zeiten – die Wechseljahre-Revue“ Premiere, eine Eigenproduktion, auf die Stijelja ganz besonders stolz ist, denn die Musikshow um „Ladies im Hormonrausch“ werde derzeit bundesweit in großen Hallen gespielt. Dass ein so kleines Theater die Aufführungsrechte erhalte, sei nicht selbstverständlich. Dafür scheuen die Deidesheimer auch keine Kosten. Die vier Darstellerinnen sind alle Profi-Musicalsängerinnen aus Frankfurt, wo auch die Proben stattfinden. Stijelja selbst steht dann zusammen mit Eva Berlejung am 23. Juni im Mittelpunkt: bei der Premiere der Musikkabarett-Show „Schrei nach Liebe“, die den schönen Untertitel trägt „Früher schrie sie bei mir, heute nur noch bei Zalando“. Im November feiert das Boulevardtheater dann noch mit einer großen Gala sein 20-jähriges Bestehen. Und auch eine Neuauflage der „Deidesheimer Lachtage“ sei in Planung, so Stijelja, der allerdings kaum weiß, wo ihm der Kopf steht, weil er ja auch ständig noch Gastspiele in der ganzen Republik gibt. Auch an der neuen „Deidesheimer Kultur-Card“, die die bisherige Abonnenten-Regelung der Stadt ersetzt, beteiligt sich das Theater in der Deidesheimer Stadthalle. Inhaber der Card erhalten 10 Prozent Ermäßigung auf alle Veranstaltungen. Dass es auch 2017 wieder eine neue Märchen-Inszenierung des „Wunschtheaters“, der Kindertheatersparte des Boulevardtheaters, gebe, verstehe sich von selbst. Auch beim Hambacher „Theater in der Kurve“ stehen im Frühjahr etliche Premieren an, wie Leiterin Hedda Brockmeyer berichtet. Los geht es am 11. März mit dem ergreifenden Alzheimer-Stück „Du bist meine Mutter“ von Joop Admiraal, bei dem sie selbst Regie führt. Die Doppelrolle der dementen Mutter und ihres Sohnes, der sie im Pflegeheim besucht, übernimmt Christian Birko-Flemming. „Some Girl(s)“ des US-Dramatikers Neil LaBute folgt am 5. Mai. Es ist eine Koproduktion mit dem „Theater Alte Werkstatt“ in Frankenthal und handelt von einem Mann, der sich am Tag vor seiner Hochzeit mit all seinen Ex-Freundinnen trifft. Bereits am 22. April steht außerdem die Premiere von „Baby Blues“ mit Dominique Christine Fürst und ihrem „Histrionia“-Team an, der Fortsetzung der Frauenpower-Show „Brautgeflüster“. Und am 21. April bekommt Kabarettist Lars Sörensen, der seit fünf Jahren die „Offene Bühne“ im Kurventheater leitet, endlich seinen Solo-Auftritt. Er redet dabei über sich und die Welt – zwei Dinge, die auch nach bald 40-jähriger Koexistenz nicht so recht zusammen passen. Bei der Theatergruppe Petunientopf, die ebenfalls im Kurventheater ihr Domizil hat, stehe derzeit „ein Umbruch in Richtung Film an, was aber nicht unbedingt bedeutet, dass das Theater spielen aufgegeben werden soll“, sagt Leni Bohrmann. Nach dem Kurzfilm „Exit“ werde nun bereits im Januar mit den Dreharbeiten für den ersten Spielfilm begonnen. Verfilmt werden soll „Das Haus der Diebe“, das die Gruppe auch schon als Theaterstück zeigte. Dafür erhält die Gruppe auch einen Zuschuss der Kulturabteilung der Stadt. Jahreshöhepunkt für das Puppentheater Dornerei im Mußbacher Herrenhof ist eine „Europäische Marionettengala“ mit internationalen Partnern, die am 1. September ansteht. Eine eigene Neuinszenierung sei in nächster Zeit dagegen nicht geplant, so Eleen Dorner, nachdem erst in diesem Oktober mit „Der Superwurm“ eine aufwendige neue Produktion gestartet wurde. |ann/hpö

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