Neustadt Jäger und Bläser
«Deidesheim». Sehr gut besucht war am Samstagabend in der Deidesheimer Stadtpfarrkirche St. Ulrich die Hubertusmesse mit der Bläsergruppe „Naturhorn Pfalz“ unter Leitung von Ralph Fischlhammer. Ergänzt wurde dieses Klangerlebnis durch die Chorgemeinschaft Deidesheim-Ruppertsberg, geleitet von Marie-Luise Birkhofer, die Chor und Bläser auch an der Orgel begleitete. Es war ein beeindruckender Abend, für den die Besucher viel Beifall spendeten.
Schon lange vor Beginn der Messe füllt sich die Kirche. Eine Hubertusmesse in der Pfalz ist tatsächlich außergewöhnlich. Gebräuchlicher ist sie in Norddeutschland, vor allem aber in Frankreich und Belgien, wo sie sich im 19. Jahrhundert herausgebildet hat. Die Bläser folgen damit dem alten Brauch, vor oder nach der Jagd eine Messe abzuhalten, wobei die Jagdhörner die Kirchenmusik ersetzen. Erinnert wird dabei auch an den heiligen Hubertus von Lüttich (655-727). Als leidenschaftlicher Jäger soll der die Jagd aus reiner Lust betrieben haben, bis ihm ein Hirsch mit einem strahlenden Kreuz zwischen dem Geweih erschien, er den göttlichen Ursprung aller Geschöpfe begriff und sich von da an ihrer Hege und Pflege widmete. Hubertus wurde später Bischof, seine „Achtung vor dem Geschöpf“ gehört noch heute zu den Verhaltensgrundsätzen der Jäger. Auch das möchte „Naturhorn Pfalz“ weitergeben. Zwölf Mitglieder des Ensembles für konzertante Jagdmusik, darunter vier Frauen, sind an diesem Abend in Deidesheim dabei. Der Kern des Ensembles kommt aus der Nähe von Landau, doch die Hubertusmesse gestalten Bläser aus dem Raum Freiburg, aus Hessen, Bremen und sogar aus Den Haag mit. Fast alle Musiker seien auch aktive Jäger, sagt Klaus Homann, einer der Bläser. „Uns liegt daran, die Tradition der Hubertusmesse weiterzugeben und daran zu erinnern, um was es geht: um den Erhalt der Natur.“ Für die Kirchengemeinde St. Ulrich haben die Bläser die „Messe Solennelle“ für Naturhörner und Orgel von Gustave Rochard (1866-1924) ausgewählt, eines der bedeutendsten französischen Komponisten konzertanter Jagdmusik. Immer wieder scheint dabei die ursprüngliche Verwendung der Hörner als Signalinstrumente bei der Jagd durch, erinnern sie mit ihrem Klang gleichsam an „Unterhaltungen“ einer Jagdgesellschaft auch über längere Strecken hinweg. Doch schon mit dem rhythmisch an feste Schritte gemahnenden Introitus zeigt sich der feierliche, sakrale Charakter dieser Musik, noch betont durch den Einsatz der Orgel. Rochard lässt in seine Messe neben den typischen Jagdhorn-klängen und -signalen hymnen- und volksliedhafte Elemente einfließen, fordert bei der Gabenbereitung mit einem Wechselgespräch zwischen kleinen Gruppen von Instrumenten und dem gesamten Ensemble besondere Andacht und Aufmerksamkeit. „Naturhorn Pfalz“ intoniert diese Passage mit an- und abschwellender Lautstärke. Dabei ist auch die Besonderheit, einem einzelnen Instrument gleichzeitig mehrere Töne entlocken zu können, noch einmal deutlich zu hören. Schnell wie die Hufe trabender Pferde gestaltet sich das Gotteslob, gefolgt von einer von einem einzelnen Horn auf der Empore gespielten, schlichten Melodie voller Frieden. Der Schlusschoral wiederum schließt rhythmisch an den Introitus an, steigert sich aber zu einem Triumphzug. Während die Messe der Bläser den feststehenden Teilen des Gottesdiensts folgt, schmückt die Chorgemeinschaft mit drei Einzelstücken die beweglichen Teile aus. Höhepunkt ist der feierliche Lobgesang „Rejoice in the Lord alway“ für gemischten Chor und Orgel von George Rathbone, ein andächtiges Stück mit Ruhepolen, in denen man den menschlichen Herzschlag zu spüren meint, und schließlich feierlich anschwellendem Jubel.