Neustadt Italienisches Restaurant am Marktplatz kurz vor Eröffnung
Seit Tagen kündet ein großes Banner darauf hin, dass am Marktplatz ein Restaurant mit Namen „Gianni“ Einzug halten wird. Was steckt dahinter? Ein Lokal über drei Etagen verteilt, mit einer Küche wie bei der italienischen Mamma oder Nonna. Das erklärte Ziel der Familie Runco, in der laut Patrizia Runco alle vier Mitglieder gleichermaßen Chef sind: eine authentische Küche anbieten. „Bei uns steht nicht nur ein italienischer Name am Gebäude, wir sind Italiener, die einen großen Teil der Waren aus ihrer Heimat beziehen.“
Gianni ist der Spitzname von Sohn Giovanni. Der 23-jährige Hotelfachmann und Koch wird das Restaurant leiten, anfangs mit Unterstützung seiner Mutter. Auch Schwester Raffaella hilft neben ihrem Lehramtsstudium kräftig mit. Sie konzentriert sich wie Vater Luciano jedoch überwiegend auf das Restaurant Giovanni & Famiglia in Deidesheim. Während der Betrieb dort um 17 Uhr startet, beginnt er in Neustadt mit Frühstück ab 9 Uhr. Bis 21 Uhr ist die Küche geöffnet, eine halbe Stunde später schließt das „Gianni“. Montags ist Ruhetag.
Speisekarte bewusst klein gehalten
Von Dezember bis vor wenigen Tagen hat die Familie im alten Scheffelhaus gewerkelt. „Das Meiste haben wir in Eigenleistung erbracht“, berichtet Patrizia Runco. Neue Böden, Tapeten, Sanitäranlagen auf jeder Etage sind das Ergebnis, in dezentem Grau und Weiß. Ganz wichtig sei es der Familie gewesen, nichts am Flair des Hauses zu ändern. „Wir haben die Räume sorgsam und zeitgemäß verschönert, als wäre es unser eigenes Haus“, betont die 47-Jährige. Mehrfach sei die Familie von Menschen angesprochen worden, die befürchteten, der Geist des alten Hauses gehe verloren. Im Inneren finden 90 Gäste Platz, außen 100.
Die Familie legt nach eigenen Angaben viel Wert auf eine gute Nachbarschaft. Und darauf, für jeden Geldbeutel etwas anzubieten. „Das Stammessen mittags kostet 12,90 Euro inklusive Getränk. Das teuerste Gericht auf der Karte ist Tagliata di Manzo für 32,50 Euro, ein ganz dünn geschnittenes Roastbeef“, erklärt Giovanni Runco. Die Speisekarte sei bewusst klein gehalten mit nur wenigen Pizzen und Nudelgerichten. Neben einer Auswahl an Fisch gebe es eine Sonderkarte mit Spezialitäten. Im ersten Stock könne etwas feiner diniert werden, während sich der zweite Stock für Jüngere anbiete. Grundsätzlich sei das Restaurant für alle Altersgruppen konzipiert, Kinder bis sechs Jahre essen kostenfrei.
Durch Zufall auf Haus gestoßen
Doch wie kommt man dazu, mitten in einer Pandemie ein Haus zu pachten, um dort ein zweites Restaurant zu eröffnen? „Das war Zufall. Wir waren gemeinsam spazieren und haben dann im La Macchina gegenüber einen Kaffee getrunken. Da sahen wir, dass das Haus leersteht. Wir machten uns kundig, wem es gehört. Die Besitzer waren auch schon Gäste in unserem Deidesheimer Restaurant Giovanni & Famiglia, das immer unser Schwerpunkt bleiben wird. Sie haben uns ihr vollstes Vertrauen entgegengebracht“, so Patrizia Runco, die in Deutschland geboren, aber in Sizilien aufgewachsen ist und deren Mann aus Kalabrien kommt. Das Projekt seien sie „kein bisschen mit gemischten Gefühlen“ angegangen. Auch wenn es nicht ideal gewesen sei, alle Möbel wegen geschlossener Läden online bestellen zu müssen.
Das „La Cucina“ in der Neustadter Fußgängerzone, wo die Familie gerne italienische Delikatessen anbieten würde, bleibe jedoch bis auf Weiteres leer. „Wir erreichen den Vermieter seit Monaten nicht und wissen nicht, ob daraus überhaupt noch etwas wird“, so Runco.
Noch fehlt Theke
Nun will die Familie so schnell es geht das „Gianni“ öffnen. Das Personal ist bereits eingestellt, doch fehlt die maßgefertigte Theke für das Erdgeschoss. Dass eine Öffnung coronabedingt nur für die Außengastronomie und mit negativem Schnelltest-Ergebnis erlaubt ist, ist für die Runcos besser als gar keine Perspektive. Sie selbst haben sich bereits davon überzeugt, wie es ist, sich vor einem Restaurantbesuch auf das Virus testen zu lassen. „Wenn man erst mal sitzt, fühlt man sich so frei wie früher“, lautet das Fazit von Patrizia Runco. Und ihr Sohn Gianni wünscht sich für die Zukunft: „Bei uns soll es sich anfühlen wie im italienischen Sommerurlaub.“