Neustadt In der Kürze liegt die Würze

Weil der Terminplan nicht eingehalten wurde, kamen Arthur Kay und „The Clerks“ beim Multikulti-Fest nur zu einem Kurzauftritt.
Weil der Terminplan nicht eingehalten wurde, kamen Arthur Kay und »The Clerks« beim Multikulti-Fest nur zu einem Kurzauftritt.

«Neustadt». Wetter und Stimmung hätten am Sonntag nicht besser sein können, bei der 25. Ausgabe von „Viele Kulturen – eine Stadt“ auf dem Neustadter Marktplatz. Einer, der sich hier spürbar wohl fühlte, war der britische Ska-Dino Arthur Kay, der im Verbund mit „The Clerks“ aus Köln als Headliner des Programms gebucht worden war.

„Einfach gigantisch“, schwärmte Kay mit Blick auf die Zuschauermassen. Sicher waren nicht alle extra wegen Kay und den „Clerks“ gekommen, aber die meisten blieben trotzdem bis zum Ende des Konzerts und ließen sich von den Offbeats der Band begeistern und zu einem Tänzchen vor der Bühne verleiten. Geplant waren ursprünglich 90 Minuten Spielzeit für die deutsch-englische Combo, die erst im Frühjahr 2016 zusammengefunden hat. Bei den vorherigen Künstlern hatten sich allerdings Verzögerungen ergeben, so dass für Kay & Co. schließlich nur noch eine Stunde Showtime übrig blieb. Die Zeit reichte den acht Musikern allerdings vollkommen aus, um ihre Klasse unter Beweis zu stellen. Kay, der in diesem Jahr sein 50-jähriges Bühnenjubiläum feiert, gilt in England als Urgestein des Ska. Eigentlich hatte er geplant, sich so langsam zur Ruhe zu setzen, immerhin wird er nächstes Jahr bereits 70. Als ihn allerdings 2016 die Veranstalter des Kölner „Freedom Sounds Festivals“ um einen Auftritt baten und ihm mit den „Clerks“ gleich noch die passende Begleitband zur Seite stellten, konnte der Mann aus dem Londoner Süden nicht Nein sagen. Die Zusammenarbeit mit den „Clerks“ begeisterte ihn sogar so sehr, dass er beschloss, mit ihnen professionell weiterzuarbeiten. Sogar ein gemeinsames Album mit dem Titel „The Night I Came Home“ entstand aus der Kooperation. „The Clerks“, bestehend aus Sänger und Gitarrist Gero Kuntermann, Bassist Alex Kabisch, Organist Florens Neuheuse, Schlagzeuger Fabian Partsch und der Bläsersektion Pascal Schäfer (Saxophon), Tobias Kunstein (Trompete) und Tim Düwel (Posaune), waren schon letztes Jahr – damals noch ohne ihren Neuzugang – mit einem erfolgreichen Auftritt beim Neustadter Multikultifest zu Gast. Was lag also näher, als die Band noch einmal zu engagieren. So kamen sie auch diesmal zunächst noch alleine auf die Bühne und zeigten mit Songs wie „Straight To Your Soul“ oder „Black’n’White“, dass sie auch ohne Kay durchaus in der Lage sind, ihre Zuhörer mitzureißen. Nach vier Nummern, bei denen Kuntermann den Leadgesang innehatte und auch als Gitarrist eine gute Figur abgab, war es dann soweit: Arthur Kay betrat unter dem Jubel des Publikums lachend und winkend die Bühne und haute mit „King of the Jungle“ gleich eines seiner bekanntesten Stücke raus. Kay hatte den Titel Ende der 80er mit seiner damaligen Band „Originals“ veröffentlicht und zum Hit gemacht. Er selbst sieht sich mehr als Songschreiber, denn als Sänger oder Instrumentalist (er spielt hervorragend E-Bass). In Neustadt war er aber ausschließlich als Performer gefragt und gab sich darin keine Blöße. Jeder gesungene Ton saß, und dabei strahlte er unglaubliche Authentizität aus. Auch wenn die „Clerks“ hervorragend aufspielten – wobei besonders die Bläser Punkte sammelten –, der Star hieß Arthur Kay. Mit „The Last Of The One Named Singers“ huldigte er seinem Heroen „Dion“, der einst mit seinen „Belmonts“ und Liedern wie „The Wanderer“ oder „Runaround Sue“ zum Weltstar wurde. Mit „Play My Record“ und „Mardi Gras (On A Saturday Night)“ legte er weitere Klassiker aus seiner Zeit mit den „Originals“ nach. Leider verging die Zeit wie im Flug, und die Stunde war so schnell vorbei, dass den lauthals Zugaben fordernden Konzertbesuchern nur die Hoffnung bleibt, dass die Gruppe bald wieder nach Neustadt kommt und dann die Gelegenheit erhält, über die volle Distanz zu gehen.

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