Trainingsbesuch RHEINPFALZ Plus Artikel Im Eltern-Kind-Turnen des TV Hambach lernen vor allem die Eltern

Das Aufräumen kann auch Spaß machen – besonders, wenn die Knirpse auf dem Mattenwagen mitfahren dürfen.F
Das Aufräumen kann auch Spaß machen – besonders, wenn die Knirpse auf dem Mattenwagen mitfahren dürfen.F

Der TV Hambach hat keinen Aufnahmestopp in seiner Eltern-Kind-Turnstunde für Ein- bis Dreijährige. Die Knirpse lernen nicht nur, sich zu bewegen. Auch die Eltern lernen.

„Lasst eure Kinder alleine die Geräte entdecken“, ruft Gaby Schaaf den Eltern zu. „Hebt sie nicht hoch – die lernen alles schneller, als ihr denkt.“ Die 74-Jährige leitet freitags das Eltern-Kind-Turnen für Ein- bis Dreijährige im TV Hambach. Und sie überlegt lachend, dass sie wohl die älteste Übungsleiterin im Verein sei. „Aber das hier hält mich jung“, ergänzt sie und lässt den Blick durch die Halle schweifen, wo diesmal 16 Knirpse hüpfend, kletternd, krabbelnd, gehend und laufend die verschiedenen Geräte erkunden, die Schaaf schon eine halbe Stunde vor Beginn der Turnstunde mit den Übungsleiterinnen Janine und Liara aufgebaut hat.

Lautes Gelächter erschallt derweil vom Eisberg: Die Übungsleiterinnen haben zwei dicke Matten steil gegen einen großen Kasten gelehnt, obendrauf liegen dünnere Turnmatten. „Hier wird nicht geschlafen“, ruft der Papa von Lucia, die Sechsjährige ist diesmal nur ausnahmsweise dabei, und dem fast dreijährigen Lauris. Beide sitzen oben auf der Spitze des Eisbergs und haben Spaß daran, dass ihr Papa an den dünnen Matten rüttelt. Seine Kinder lernten hier zu balancieren, zu klettern, „so dass ihre Bewegungen sicherer werden“, erzählt der Vater. Sie verlören die Angst vor der Höhe. „Wir merken dass, wenn wir mit ihnen auf dem Abenteuerspielplatz sind“, verrät er. Dort bewegten sich Lauris und Lucia auch an unbekannten Geräten sicher. Was dem Vater aber ebenso wichtig ist: „Das Miteinander, dass sie hier Freunde finden. Und die kleineren lernen hier von den größeren Kindern.“

Umgang mit anderen Kleinen wichtig

So wie zum Beispiel Elodie, die gerade erst ihren ersten Geburtstag gefeiert hat. „Sie kann schon ein paar Schritte frei laufen“, berichtet ihre Mama. „Aber wenn sie schnell irgendwo hinwill, krabbelt sie.“ Mit acht Monaten sei Elodie zum ersten Mal in die Turnstunde gekommen. Weil sie noch ein Einzelkind sei, so die Mutter, sei ihr der Umgang mit anderen Kindern wichtig. „Und sie sieht, dass andere laufen – das ist ihr Anreiz, das nachzumachen.“

Eine 20-minütige Autofahrt nehmen Pauls Eltern auf sich, um von Gommersheim nach Hambach in die Kinderturnstunde zu fahren. „Weil er ein kleines HB-Männel ist“, verrät die Mama und lacht. Ihr fast 15 Monate alter Sohn habe viel Energie. Wie dem Vater von Lauris und Lucia ist auch Pauls Eltern das Soziale wichtig, „dass er hier mit Gleichaltrigen zusammen ist“. Gaby Schaaf erzählt, dass es in der Hambacher Kinderturnstunde keinen Aufnahmestopp gebe. „Seit der Corona-Pandemie haben wir einen riesigen Zulauf.“ In ihrer Gruppe gebe es über 70 Kinder, „aber es sind nie alle da“. Die 74-Jährige erzählt, dass vor der Pandemie Eltern-Kind-Turnen nichts für sie gewesen sei. Als aber der frühere Übungsleiter ausgefallen sei, „haben wir uns die Frage gestellt, ob wir es ausfallen lassen“. Schaaf: „Das wäre schade gewesen.“ Inzwischen hat Gaby Schaaf einen dicken Ordner mit Fotos von verschiedenen Stationen im Bewegungsparcours. Denn jede Woche bietet sie ihren großen wie kleinen Schützlingen Abwechslung an.

Gucken und mitmachen

Gaby Schaaf und die beiden anderen Übungsleiterinnen gehen stets in der Halle herum, schauen „immer wieder mal, ob alle Geräte noch richtig stehen“, sagt Janine. „Obwohl wir tolle Eltern haben, die auch immer gucken.“

Gucken und auch mitmachen. „Es heißt ja Eltern-Kind-Turnen“, betont Schaaf. „Die Eltern sollen mitmachen – das ist ja Motivation für ihre Kinder.“ So wie jener Papa, der am Eisberg rüttelt. Oder jener, der mit seiner Tochter gemeinsam über eine Bank balanciert. Nur manchmal greift Schaaf ein. „Bitte parallel zu ihrem Kind stehen“, ruft sie der Mutter zu, die ihr Kind seitlich stehend dabei begleitet, als ihr Knirps von Minitrampolin zu Minitrampolin hüpft. „Die Kinder verdrehen sich sonst im Becken“, weil sie immer zur Seite zu Papa oder Mama schauten.

Nachhilfe für Eltern

Als der 19 Monate alte Bennet etwas zögert, von einer schräg nach unten führenden Bank herunterzulaufen und sein Vater schon mit helfenden Händen bereit steht, geht Schaaf ebenfalls dazwischen. „Du kannst das alleine“, ruft sie motivierend dem Knips zu und spricht eigentlich dessen Vater an. „Die meiste Nachhilfe muss man den Eltern geben“, gibt sie lachend preis. „Die Kinder sollen selbst alles ausprobieren und entscheiden, wo sie hinwollen.“ Und die Kleinen seien begeistert von allem, „was hoch ist, zum Hochklettern und Runterspringen“. Auch die Reckstange sei begehrt. Hier achtet Schaaf darauf, dass die Dreikäsehochs die Stange greifen, indem ihre Daumen nach unten zeigen: „Für den besseren Halt.“

Bennet habe diesmal erst nicht zum Kinderturnen gehen wollen, plaudert sein Papa aus. „Wohl weil die Oma heute da war. Aber als ich gesagt habe, wir gehen jetzt zu Gaby, hat er sofort seine Jacke genommen und ist zur Tür gegangen.“ Die Stunde ist auch in anderen Familien beliebt. Wenn sie Paul sagten, „wir gehen turnen“, komme er freiwillig an die Türe, erzählen die Eltern und schmunzeln. Und die 22 Monate alte Louise spreche schon immer freitags in der Früh vom „Turnen, Turnen, Turnen“, verrät ihr Vater lachend.

Die Turnstunde beginnt und endet übrigens im Kreis und mit Musik: Zu „Hallo, hallo, schön dass Du da bist“ am Anfang, ebenso zu „Alle Leut“ (gehen jetzt nach Haus’) winken und klatschen große wie kleine Turnstunden-Besucher. Bevor aber alle dem Abschiedslied lauschen, wird aufgeräumt. Groß und Klein packen mit an. Gaby Schaaf trägt mit dem kleinen Bennet die Ballkiste in den Geräteraum. „Die Bälle wollen schlafen gehen“, sagt Übungsleiterin Liara lachend. Das Beste an der ganzen Stunde scheint es tatsächlich beim Aufräumen zu geben: Als Väter und Mütter den Mattenwagen füllen, stürmen die Knirpse hin und lassen sich auf dem Wagen in den Geräteraum fahren.

Kontakt

Das Eltern-Kind-Turnen für Ein- bis dreijährige bietet der TV Hambach freitags, 15.30 bis 17 Uhr, in seiner Turnhalle an. Information: Übungsleiterin Gaby Schaaf, Telefon 0179 79 57 407.).
Der Verein hat auch Turnstunden für etwas ältere Kinder: https://www.tvhambach.de/Turnen.html

Die Kleinen mögen Rutsche, Reckstange und Eisberg (hinten).
Die Kleinen mögen Rutsche, Reckstange und Eisberg (hinten).
Gaby Schaaf (hinten) hilft den Kleinen: „Wo sind beim Balancieren die Arme?“
Gaby Schaaf (hinten) hilft den Kleinen: »Wo sind beim Balancieren die Arme?«
Gaby Schaaf und Bennet räumen die Kiste mit den Bällen weg.
Gaby Schaaf und Bennet räumen die Kiste mit den Bällen weg.
Auch die Kleinsten helfen nach der Stunde beim Aufräumen.
Auch die Kleinsten helfen nach der Stunde beim Aufräumen.
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