Neustadt Im Dauereinsatz für Asylsuchende

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Die Flüchtlingsfrage beschäftigt die Stadtverwaltung anhaltend. Bauabteilung und Gebäudemanagement sind vollauf mit den baulichen Gegebenheiten ausgelastet. Derweil kümmern sich die Sozialbehörden um die Betreuung – und die Ehrenamtlichen.

Knapp 300 Asylsuchende leben aktuell in Neustadt. Das sind weniger, als prognostiziert wurde. Warum das so ist – trotz der Flüchtlingsströme nach Europa –, wissen Bürgermeister und Sozialdezernent Ingo Röthlingshöfer und Marion Walz, Fachbereichsleiterin Jugend, Familie, Soziales, nicht. Doch sind sie sicher, dass sich die Situation jederzeit wieder ändern kann. Dann will Neustadt wie bisher so gut wie möglich vorbereitet sein. Das gilt auch für Gerda Bolz, Ortsvorsteherin von Hambach, und die vielen Ehrenamtlichen, die sich dort engagieren wollen, wenn die ersten Menschen in die Gemeinschaftsunterkunft in der Andergasse einziehen. Unlängst war Bolz beim Nachbarschaftsladen in Haardt. Zehn Seiten gute Tipps habe sie dort bekommen, erzählt sie dankbar – und berichtet von den vielen Gedanken, die sich Hambacher machen würden, um zu helfen. Die Kirchen, die Vereine, Privatpersonen. Das sei ermutigend. Im Juli will Bolz alle Interessenten an einen Tisch holen. Auch Petra Reiser und Manuel Mühl von der Sozialabteilung sollen dazukommen. Beide werden sich in der Andergasse um die Asylsuchenden kümmern und Ansprechpartner für die Hambacher sein. Mühl gehört zu jenen Mitarbeitern, die die Stadt in den vergangenen Monaten eingestellt hat, um die neuen Mitbürger zu betreuen. Dazu gehören auch Menschen, die selbst Flüchtlinge waren und aus eigener Erfahrung wissen, auf was es ankommt. Von den Sprachkenntnissen nicht zu reden. Der Markt sei umkämpft, sagt Walz, da eben nicht nur Neustadt, sondern auch viele andere Kommunen nach guten Mitarbeitern in diesem Bereich suchen. Was die Baufachleute nur bestätigen können: Neben der eigenen hohen Arbeitsbelastung und jener der externen Büros gebe es zum Teil lange Liefer- und Wartezeiten bei Containern und Auftragsausführung. Das kann zudem die Preise schnell treiben. In Hambach kann sich Marion Walz auch eigene Deutschkurse vorstellen. So, wie sie jetzt bereits in Haardt angeboten werden. Dort arbeiten Volkshochschule und Ehrenamtliche Hand in Hand: Die Schule sorgt für die Kurse, die Freiwilligen übernehmen die anschließende „Hausaufgabenbetreuung“. Und das nicht nur für Bewohner der ehemaligen Fachklinik, sondern auch für Asylsuchende, die quer über die Stadt verteilt sind. Was Marion Walz dabei besonders freut: „Schule ist etwas, worauf diese Menschen stolz sind, Bildung ist ihnen sehr wichtig.“ Und der unter Umständen längere Fußweg daher eine angenehme „Pflicht“. Röthlingshöfer zufolge wird darüber nachgedacht, Kurse auch in der Innenstadt anzubieten, eventuell in der Moschee. Dazu laufen Gespräche. „Das wäre etwas Einmaliges in Neustadt“, so der Bürgermeister. Nachgedacht – und damit ist stets der Arbeitskreis Asyl mit seinen verschiedenen Arbeitsgruppen gemeint – wird auch über eine verbesserte berufliche Integration, bei allen Hemmnissen, die es dazu noch durch gesetzliche Vorschriften gibt. Anhand von Beispielen werde versucht auszuloten, wie „gewisse Freiräume“ gestaltet werden könnten, beschreibt es Röthlingshöfer. Daneben wollten sich Realschule plus und Berufsbildende Schule verstärkt um Deutschunterricht für ältere Jugendliche kümmern. Dazu brauche es aber mehr Lehrerstunden, und dafür wiederum müsse das Bildungsministerium in Mainz diese auch zuweisen. Verstärkt Gedanken macht sich die Stadt außerdem über asylsuchende Kinder und Jugendliche, die alleine sind. Ihre Anzahl könnte sich erhöhen. Und die Ehrenamtlichen? Nach wie vor wertet es Marion Walz als Glücksfall, dass es den Nachbarschaftsladen bereits gab, als die ersten Asylbewerber nach Haardt kamen. Seine Arbeit sei beispielhaft, aber natürlich nicht eins zu eins übertragbar. Die Strukturen seien durchaus unterschiedlich, nicht nur in der Innenstadt, auch in Hambach, wo es um eine kleinere Gruppe Asylbewerber gehen werde. In der Innenstadt zählt die Café-Willkommen-Initiative zwischenzeitlich zehn Neustadter, die mitarbeiten und sicherstellen, dass die Anlaufstelle für Asylsuchende und interessierte Bürger offen hat. Auch dort gelten klare Regeln, auch für den ehrenamtlichen Einsatz. Wie wichtig das für alle Beteiligten ist, können die Engagierten bei einem eintägigen Seminar erfahren. Es soll fachliche und rechtliche Hilfestellung geben, wie es die Sozialabteilungsleiterin umschreibt: „Ich bin fest davon überzeugt, es wird mehr als voll werden.“ Und keine einmalige Sache in Neustadt bleiben. (ahb)

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